Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
359
 
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bildeBene venuto Cellini undOto⸗ kar zur Darſtellung bringen und we nur in dieſen zwei Stüken auf⸗ treten.

Mignon⸗Zeitung.

Moſaic aus Wien(2. Juni). Da bin ich ſchon wieder! Eine Schwal be macht zwar keinen Sommer, zumal dieſes Jahr;'s wird ſich aber den noch machen. Heute, mein lieber Re dakteur! muß ich Ihre Geduld ei ner Feuerprobe unterwerfen, denn ich habe Ihnen in Hülle und Fülle zu referiren. Lezthin hörte ich Jemand ſagen:wer nichts Vernünf⸗ tiges zu ſprechen wiſſe, der fange meiſt ein Wettergeſpräch an. D'rum hübſch leiſe geſprochen! ſonſt könnten am Ende die Leute gar noch über uns wetterwendiſch wer⸗ den. Zudem machen die Journale ein spectaculum, und fallen über das Wetter her, wie der Hund über den Knochen, und am Ende wiſſen ſie doch nicht mehr und nicht weniger als: kommt der Tag, bringt der Tag! Ich für meine Perſon bin herzlich froh, daß wir doch wenigſtens ein Wetter haben. Wir haben aber noch mehr. Hören ſie nur: einen Alexander Guerra und durch ihn einen Viool, dann zwei mimiſch-gymnaſtiſche Britten; Kunſt ausſtellungen; Thier⸗Lizitationen und dergleichen Sächelchen. Was wir nicht haben, weiß ich auch, doch Guerra's treffliche Kunſtreitertruppe amüſirt ſeit wenigen Wochen das Publi- kum; der neugierige Zuſchauer ſchlägt die Hände über'm Kopf zuſammen, wenn er die Gaukler zu Pferde ſieht; tritt aber der Komiker Viool auf nun gute Nacht! da ſollten Sie das Bischen Spektakel hören! da wird ge klatſcht, gelacht, geſchrieen, geſtampft, daß Einem Hören und Sehen vergeht.

Uebrigens hat es ſeine Richtigkeit: Viool(mirabile dictu!) iſt ein Phä⸗ nomen im Affenbereich und verdunkelt manchen Kollegen. Selbſt die beiden Britten, welche ſich auf einem hieſigen Theater produziren und ein zahlreiches Publikum herbeiziehen, ſind gegen ihn nur verführeriſche Irewiſche. So ſagen wenigſtens die Ultra-Affia⸗ ner! Ob ſich dieſe Mimiker nicht manchmal ſelbſt für leibhafte Af⸗ fen halten? Mir ſcheint, und es re vielleicht keine Sünde, wenn man hie und da einem von ihnen auf die Schulter klopfen und zurufen würde: Memento, te hominem esse! Am 28. Mai, zwiſchen Licht und Dunkel, ſtieg eine plözliche Röt he am Horizonte auf, und es ſchien irgendwo Feuer im Dache zu ſein. Zum Glük war's wirk⸗ lich ſo; jedoch nicht im Dache, ſondern unter freiem Himmel im Prater, brannte u. ziſchte es in Stuver's Feu erwerkſtätte, deren Produkte wirklich einen glänzenden Abſaz fanden. Van Akens Menagerie in der Leopold ſtadt wurde kürzlich verſteigert. Die armen Thiere waren aber nicht an den Mann zu bringen, obgleich Saphir in ſeinemHumoriſten ein gutes Wort für ſie eingelegt hat. Nur für Schönbrunn wurden ein Tiger, ein Eisbär und zwei Strauße angekauft. Die Eigenthümerin der Menagerie ſoll ſeit ihrem Hierſein bedeutenden Ver luſt erlitten haben. Hermann.

Waſchirow(Rakonizer Kreis in Böhmen). Welch ein hohes Alter ſelbſt ein Kindl erreichen könne, be weiſt der hier verſtorbene, im Jahre 1721 geborene Bauer, Johann Kindl, der dreizehn Kinder hinterläßt, deren jüngſtes, eine Tochter, ihm an ſeinem 98⸗ten Geburtstage geboren wurde. Im Jahr 1755 verheirathet, ward er 1791 Witwer und verehlichte ſich zwei Jahre