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Schranken zu ſezen, 5 fl. W. W. Die
Abnahme der Eintrittskarten iſt ſehr groß, ſo daß der geräumige Saal ſchwer⸗ lich ein Tänzchen zulaſſen wird.— Im Theater exerzirten vorige Woche bereits dreimal„dreizehn Mädchen in Uniform“ unter dem hübſchen und ſchmuken Korporal(Mad. Schumann) und unterhielten, ſowie das drollige Invalidenkleeblatt, Feiſtmantel, Prei— ſinger und Schikaneder, recht ange— nehm ein Stündchen. Der dramatiſche Vorleſer, jezt Theater-Geſchäftsleiter, Hr. Karl von Holtey, beſchenkte uns mit zwei Bühnenprodukten. Nro 1 heißt„Shakespeare in der Heimath““, das außer einigen im lezten Akte vor— kommenden Knall- und Fallſzenen, recht langweilte, beſonders in den beiden erſten Aufzügen, in welchen ſich Sha— kespeare ins Geſicht ſo anlobhudlen läßt, als wäre er Mitglied der Berliner Mittwochsgeſellſchaft. H. Fiſcher ſpielte den Britten nicht ſchlecht, nur etwas zu ſüßlich, Dem. Herbſt recht waker. Nr. 2. führt den Titel:„die Wiener in Paris“ und ſoll ein„Luſtſpiel“ ſein. Hören Sie, was in dieſem Luſt— ſpiel vor-, zu- u. abgeht! Ein Sauer- topf aus Wien(2) wird von ſeinen El— tern nach Paris geſchikt, um ſich zu zerſtreuen. Der geſchikte, aber noch nicht zerſtreute Sauer- Milchtopf zer—⸗ ſtreut ſich nach einer Vorſtadt und ver— liebt ſich in eines Pariſer Ekenſtehers liebes Töchterlein, das ihn vice versa wieder liebt. Die Verliebten haben ſich aber noch nicht geſprochen und ver— ſprochen. Dies iſt die Urſache, warum der Sauertopf noch ſaurer wird und keinen Brief nach der„lieben Heimat““ ſendet. Die betrübten Eltern in Wien reiſen auf das Stillſchweigen ihres Söhnleins nach der Stadt der Seine oder der Seineſtadt und finden ihn per varias casus im Hauſe der Ange— beteten, die er gerade zum Erſtenmale
beſuchen und ſprechen darf. Es erfolgt nun zwiſchen Vater und Sohn, ditto Vater und Tochter eine Szene, dle Schiller am Schluſſe des zweiten Ak tes ſeiner„Kabale und Liebe“ ſſcher— lich benüzt haben muß. Die agirenden Perſonagen ſind ein reiches, händerin— gendes Elternpaar aus Wien mit ei— nem Jungen, dem Träger der Liebe einer Pakträgerstochter, ditto deren Vater, der nur Ein Auge im Ge— ſichte und viel Ehre im Leibe hat, ſammt ſeiner Ehehälfte, einer Wiene— rin, die ihre Sehnſucht nach der„Sai— lerſtadt“ nicht unterdrüken kann; dann ſeiner Tochter, die gern Deutſch ſpricht, und endlich ein Vedienter, ein ſchlechte Abart der Floriane. Löſchpapierene Reden, froſtige Späße, drei franzöſ. Liedchen machen„die Diktion“ dieſer„Wiener in Paris“ aus. Po— lawsky war als Bonjour wahrhaft klaſſiſch und nur dieſem Künſtler iſt die Annahme des Stükes von Seiten des Publikums zu danken.— Die Gaſt⸗ ſpiele der Dem. Lutzer füllen fortwäh— rend das Haus. Geſtern ſang ſie im „„Poſtillon“ mit einem Sturm von Applaus. Dem. Großer von Königs— berg wird dieſer Tage in einer Luze— riſchen Partie auftreten. Ich wünſche es der Direktion ſehr, daß ſie an der Königsbergerin einigen Erſaz für den Verluſt der Jenny fände. Spohr wird künftigen Monat her erwartet, um ſeinen„Berggeiſt“ ſelbſt zu diri⸗ giren und um einige Konzerte zu ge— ben. Scholz wird ebenfalls Anfangs Juni als Klapperl auftreten. Neſtroy kommt nicht, weil der Weg von Ofen nach Peſth viel näher iſt als nach der Moldauſtadt. Der Wiener Humoriſt, ich meine nicht die Zeitſchrift, ſondern deren Vater, dann Uffo Horn und Lud— wig Löwe ſollen im Juli nach Prag kommen. Saphir wird eine Vorleſung halten, Hern ſeine dramgtiſchen Ge—


