Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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uͤbergab ihm einen Brief von ſeinem Landpfarrer, worin dieſer dem Hof theaterdirektor ſeine dramatiſchen Werke anempfahl. Der Bauex brachte einen hölzernen Tragkorb und ſchüttete 139 Stüke, Spiele aller Art, auf den Voden! Deinhardſtein ſoll bereits 20 Stüke geleſen und nichts Brauchbares darunter gefunden haben. Ein Luſt⸗ ſpiel darunter ſoll den Titel führen: quae pro qua, oder: es iſt doch der Pa pa. Frage, ob das Bremer Unterhal tungsblatt*) mit ſeiner Fabel von 139 Stüken des Hrn. Dichter-Pfarrers lügt oder nicht? Schreiben Wiener Korreſpondenten ſolche Dinge, oder er finden ſie müßige Köpfe in Deutſch land, um ihre Spalten zu füllen? Wir Wiener haben in Loco von die- ſem Faktum nichts vernommen. Der Ritter von der traurigen Geſtolt gibt hier ein Epos auf Pränumeration her aus. Was wird bei dieſer Herausgabe herauskommen? Es iſt ein Probe⸗ blatt davon erſchienen; man leſe! Wir wollen auf das Ganze warten! Die Gaſtſpiele des k. baieriſchen Hofſchau ſpielers H. Lang auf dem Leopoldſtädter Theater waren ohne beſondern Erfolg, doch lernten wir in dem Gaſte einen gebildeten und für die Zukunft Be deutendes verſprechenden Mimen ken- nen. Für diesmal nehmen Sie mit Wenigem vorlieb, ein ſchmerzliches Un⸗ wohlſein hinderte mich, den jüngſten Neuigkeiten nachzuſpüren. Sincerus. Verlin. Kürzlich ereignete ſich hier der ungeheuerſte aller Zufälle. Eine arme, alte Frau, welche ſich durch Striken ernährte, entfaltete zufällig das Papier, auf welches die Baumwolle gewikelt war, die ſie eben abgeſtrikt hatte. Es war ein Stük von einer

) Uurſprünglich ſtand dieſe Anekdote in der Dresdner Abendzeitung. R.

Zeitung, und auf bemſelben ſtand die Aufforderung an ſie, ſich wegen einer ihr durch den Tod eines weitläufigen Verwandten in Batavia, zugefallenen, reichen Erbſchaft bei einem Amſter damer Banquier zu melden. S. Mailand. Am 21. d. M. hat die Akrobatengeſellſchaft Chiarini im Theater Carcano ihre Vorſtellungen mit Glük begonnen. Die Leichtigkeit, mit der ihre Mitglieder die ſchwierig⸗ ſten Aufgaben ausführen, die glän⸗ zende Ausſtattung an Koſt ume, und die als Zugabe gegebenen Pantomimen, welche, wie wir aus früheren Leiſtun gen wiſſen, ſich vor den ähnlichen Pro duktionen wandelnder Gymnaſtiker in jeder Hinſicht auszeichnen, werden ohne Zweifel ein zahreiches Publikum an⸗ zuziehen und es feſtzuhalten wiſſen. Echo. Meißen. Laube wünſcht, daß ſich die deutſchen Schriftſteller ein Ren dezvous gäben, um über den Styl zu berathen. Ein ſtyliſtiſches Hambach wür de man am beſten ins Meißn'ſche ver⸗ legen, wo bekanntlich das beſte Deutſch geſprochen wird. S. Berlin. Unſere Literaten ha⸗ ben über das Reſultat der lezten Oſter meſſe einen kleinen Schrek bekommen. Die ſüddeutſchen Buchhändler haben be- kanntlich in dem lezten Jahre außer ordentlich viel belletriſtiſche Werke ver⸗ legt; wie ſie dazu gerathen ſind, weiß ich nicht, kurz! ſie haben mit dieſer Vielheit ſehr wenig Glük gemacht. Die Herren ſollen ſehr große Einbuße ge⸗ habt und viele ihrer Verbündeten das gilt beſonders von Stuttgart durch⸗ aus nicht bereichert haben. Das wird den Leuten eine gute Lehre auf lange Zeit ſein. Unſere Literaten ſind über dies Ergebniß in Schrek gerathen, weil ſich unter den Büchern, die ſchlecht ge gangen ſind, auch Werke von Schrift⸗ ſtellern befinden, welche Ruf haben