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aus ſchönen Meerſchaumköpfen und waren zuſammen luſtig und gemüthlich. Dann fühlte 1c mich in einem bequemen, engliſchen Reiſewagen geſchaukelt, gezogen von vier muthigen Rennern, an meiner Seite eine geliebte Freundin. Und wir fuhren behaglich durch das ſchöne Land Italien, und waren überall gut aufgenommen, wie der reichſte engliſche Lord.
Als ich endlich genugſam die ſchönſten Gegenden Europa's durchſtreift, und in meinem Vaterlande wieder angekommen war, da fuhr ich vor einem ſchö— nen Landhauſe an, ganz ſo gebaut, eingerichtet und geziert, wie ich es mir längſt gewünſcht; ich ſah gleich nach dem Keller, der war mit großen Stükfäſ— ſern angefüllt, auf denen zu leſen ſtand, von welchen guten Geländen u. Jahrgän— gen die Weine ſeien, die ſie enthielten. Vom Keller ging ich in die Bibliothek, die ich ſehr ſchön ausgeſtattet fand, mit den vorzüglichſten Werken aller großen Schriftſteller der Erde; darunter ſah ich auch eine lange Reihe ſchön eingebun— dener Bände, welche meine eigenen Schriften enthielten, die ich noch nicht geſchrieben, und die in hinten angehängten Kritiken ſehr gelobt waren.
So hätte ich noch lange phantaſirt, ohne zu bemerken, daß ich die 24,000 Franken des Künſtlers ſchon längſt aufgebraucht und erſchöpft hatte, und noch weit darüber, als er ſelbſt mich aus meinem Halbtraume aufwekte. Er ſtand nämlich vom Tiſche, wo er ſein Billet geſchrieben, nachdem er es adreſſirt, und in die Taſche geſtekt hatte, auf, und ſchien ſich entfernen zu wollen. Um jedoch die Thüre zu erreichen, mußte er dicht am Roulettentiſche vorbei. Er ſchaute das Glüksrad noch einmal an, zögerte einen Augenblik, und rief dann halb lachend aus:„Wer weiß es? Vielleicht iſt mir das Glük noch günſtig. Ich bin ein Narr, wenn ich nicht ſeiner Gunſt genieße, da es mir günſtig zu ſein die Laune hat.““
Mit dieſen Worten zog er ſeine Brieftaſche hervor, nahm einen Bank, ſchein von tauſend Franken und legte ihn auf den verhängnüßvollen Tiſch. Er verlor.„Ich muß mich wieder erholen,“ ſprach er, ſezte wieder und verlor wieder. Er ſezte immer fort mit ſteigender Leidenſchaftlichkeit und verlor im— mer; jezt hatte er noch 12,000 Franken übrig.
„Alles oder nichts,“ rief er, ſeiner Sinne kaum mehr mächtig, und ſchob ſie auf Roth.
„Faites votre jeu, Messieurs.““
Da fing der alte, kahlköpfige Rechner, der bis dahin immer noch in ſeine Zahlen vertieft, einzig unter allen Anweſenden keine Theilnahme an dem jun— gen Menſchen gezeigt hatte, ſich wieder zu rühren an. Er legte ein Häufchen Vankſcheine und Gold zuſammen und ſchob es auf Schwarz.
„Le jeu est fait, rien ne va plus!“
„Douze, noir, pair, manque.“
Der Alte zog ruhig ſein Geld ein. Der Junge hatte ſeine 12,000 Fran⸗ ken verloren, aber auch er verzog keine Miene. Er kehrte ſich gegen die Wand, als ob er zur Thüre hinaustreten wollte. Einen Augenblik ſpäter ſah man ihn wanken, er fiel zur Erde; ein rother Blutſtrahl ſprizte aus ſeiner Bruſt. Er hatte ſich einen Dolch in's Herz geſtoßen.
Das Spiel wurde unterbrochen; man drängte ſich um den Unglüklichen. Das Billet, das er eben geſchrieben, wurde auf ihm gefunden. Es war über⸗


