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lich gutes Brunnenwaſſer, was in den Gegenden an Flüſſen zu einer beſon— dern Seltenheit gehört. Zur Feier des kommenden Tages brachten die Feuer— ſchlünde einen ſechsfachen Abendgruß, das Oreißigſtamt und die Nebenhäu— ſer wurden feſtlich beleuchtet, es war auch eine wunderſchöne Mondnacht. Am folgenden Morgen begann der Kanonen— donner und dauerte bis zum Abend. Dabei war die Merkwürdigkeit, daß in dreier Herren Länder ihr Wieder— hall zu hören war. Dem Fert gegen— über nämlich fließt der Fluß Drina in die Save, und trennt Vosnien von Serbien. Eine Stunde von hier be— ginnt Slavonien, ſo waren es drei Länder, in denen das Echo der Kano— nen erſcholl. Der Feſtungskommandant, Hauptmann v. Prodanovich, gab ein ſplendides Mittageſſen, bei welchem die anweſenden Herrn Gäſte, Offiziere, Beamte und die Geiſtlichkeit zahlreiche Toaſts auf das Wohl des allerhöchſten Kaiſerhauſes und vieler hohen Perſo— nen ausbrachten. Durch eine patrioti— ſche Spende ward jedes Individuum der Wachtmannſchaft mit einer Halbe Wein betheiligt. Die Gegend iſt ſehr ſchön, nur iſt hier der Saveſtrom, wegen der ſtarken Krümmungen an der Erdzunge, ſehr beſchwerlich zu befahren, oft ſind halbe Tage zu der Streke des Um— kreiſes nöthig.— Es pflegen ſtets meh— rere Schiffe, bei einander zu bleiben, und mit den Schiffspferden zum Vor— ſpanne ſich gegenſeitig auszuhelſen.— Aus den reichen Wäldern Bosniens werden alle Arten Schiffsbau- und Brennholz, wie auch verſchiedene Holz— Gattungen zu mechaniſchen Arbeiten in Handel gebracht; eben ſo viel Vor— ſtenvieh, da wegen der Seuche das Hornvieh noch nicht herübergelaſſen wird. Dagegen nehmen ſie hierorts viel geiſtige Getränke in Kauf hinü— ber, um ſelbe im Land abzuſezen.—
Am folgenden Tage begleltete ich aus Neugierde einige Herren, die in Ser— bien Geſchäfte hatten, zu Schiffe über die Save.— Unfern vom Ufer ſind Kontumaz Häuſer für die Bos nier er— baut. Wir beſuchten ſel be, fanden Al— les ſehr reinlich und zwekmäßig; das Frauengeſchlecht wird abgeſondert darin unter bracht. Der Kontumaz-Direktor hat Majors-Rang, und iſt militäriſch gekleidet.— Ueberhaupt zeichnet der hochſinnige Fürſt Miloſch ſeine Veam— ten durch Sold und Titel aus— wel— ches nur durch die ortentaliſch-ſtrenge Disziplin aufgewogen wird. Der Fürſt' hält alle intereſſanten Zeitungen(auch Ihren freundlichen Spiegel) und läßt ſich ſelbe verdolmetſchen; er zeigt den regſten Antheil an allen auswärtigen Neuigkeiten.
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Mignon⸗ Zeitung.
Aachen. Die Aachener Zeitung enthält ausführliche, enthuſiaſtiſche Schilderungen in Betreff des Muſikfe— ſtes. Das Theater, erweitert und ver-, ſchönert, iſt ſo elegant und zierlich ge— worden, daß ihm jezt von außen und von innen keins(2) an die Seite ge— ſtellt zu werden vermag. Der Prinz Friedrich verherrlichte das Feſt durch ſeine Anweſenheit. Händels Belſazer und Cherubini's Ouverture zum Waſ— ſerträger wurden am erſten Tage auf— geführt; am zweiten Beethoven's C- moll Symphonie und das neue Ora— torium von Ries, der die Aufführun— gen dirigirte, außerordentlichen Ruhm einerntete, von ſchönen Händen be— kränzt wurde und ein ſinniges Gedicht überreicht bekam. Solopartieen(im Belſazer) hatten Mad. Kraus-Wra— nitzty, Dem. Heinefetter, Hr. Eicke, Hr. Du Mont. Im Orcheſter wirkten die trefflichen Gebrüder Müller mit. Zu dem Feſte waren nicht weniger als


