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dichter den erſten Rang ein und hat wenigſtens den Vorzug, daß er mit ſeinen Poſſen keine höhere Anſprüche macht, als ſein Publikum zu erbeitern und ſo ſeinen Zwek um ſo eher erreicht, als er das niedrige Volksleben in al⸗ len ſeinen Schattirungen genau kennt und viel Geſchik in der Zeichnung je— ner aus der Wirklichkeit genommenen Charaktere an den Tag legt. Nur das „dramatiſche Gemälde“, betitelt:„der Treuloſe, oder Saat und Ernte“, das er zu ſeiner Benefize am 29. gab, macht eine Ausnahme, da er hier offenbar einem vielgefeierten Vorgänger'nachtre— ten wollte, und, edlere Ingredienzien mit dem gemeinen Burlesken vermen— gend, dem feinern Geſchmake keines— weges genügen konnte. Wenn aber das Ganze durch dieſe Ausführung verfehlt zu nennen iſt, ſo konnte doch Hr. Ne— ſtroy ſein Talent und ſeinen Beruf zum Luſtſpieldichter nicht verläugnen, be— ſonders iſt der fließende und ziemlich gewählte Dialog, den er ſeinen Kon⸗
verſations Charakteren in den Mund
legt, recht lobenswerth u. möge er ſich nur in einem reinen Luſtſpiele ohne niedrige Zuthaten verſuchen, der Er— folg kann nicht zweifelhaft ſein. Ne— ſtroy's Verdienſt als Oarſteller iſt bedeu⸗ tend. Er gefiel hier faſt in allen ſeinen Leiſtungen ungetheilt. Seine Komik bat ſtets Natur und Wahrheit zur Grundlage und muß um ſo unfehlbarer wirken. Veſonders wußte er ſich in ſeiner lezten Gaſtrolle viele Theilnah— me zu erwerben. Geſang und Spiel waren gleich drollig und vom ſchlagend— ſten Effekte. Daß aber die Rolle des Falſch, im„Treuloſen““, nicht in der Sphäre ſeiner Darſtellungsgabe liegt, geſtand Herr Neſtroy ſehr beſcheiden ſelbſt, indem er folgende Strophe in das„Umſtandslied“ einſchob:
„Ich kenn' Ein'n, der hat komiſche Gaſtrollen wo geb'n— und thut bei
der Gelegenheit Belfall erleb'n— und faſt hätt' er ſagen ſchon) können in All'n— war ich glüklich und habe dem Publikum gefall'n.— Aber nein! er gibt auch noch a ernſthafte Noll',— das woll'n d'Leut' nicht von ihm, weil er G'ſpaß machen ſoll,— er ſpielte mit blutwenig Beifall die Akt' alle drei:— ſo is überall halt a Umſtand dabei!“—
Hr. Lang ſtand dem Gaſte immer wür⸗ dig zur Seite. Dieſer Komiker entwi⸗ kelt ſtets eine außerordentliche Thä— tigkeit und erringt ſich immer mehr die GSunſt des Publikums.— Dem. Heinefetter gab die Alaide, in der „Unbekannten“, zur dritten Gaſtrolle. Dieſer Part gehört nicht zu den ge— lungenſten der trefflichen Sängerin; ſie hatte aber doch einige brillante Mo— mente. Dem. Rauch gab die Iſoletta und ſang verdienſtlich.— In einer Wiederholung der„Puritaner“, am 24. d. M., gefiel Mad. Pohl-Veiſtei⸗ ner ungemein; ſie ſang aber noch weit virtuoſer und entwikelte eine größere Bravour als das Erſtemal.— Die be— rühmte ſpaniſche Drathtänzerin, Signo— ra Romanini, gab geſtern ihre erſte Vorſtellung im Theater. Sie gefiel u. ward zweimal gerufen. Hag.
Korreſpondenz.
Fort Racsa, in Syrmien. Eine Geſchäftsreiſe führte mich in die Umgegend, und ich machte einen Aus⸗ flug hierher, gerade am Vorabend des glorreichen Namensfeſtes Se. Majeſtät des Kaiſers. Racsa iſt ein Eiland, an deſſen äußerſter Spize Kaiſer Joſeph im Jahre 1785 nach der ſtrengſten Strategie ein Fort erbauen ließ; es iſt mit zwei zwölfpfündigen und vier ſechspfündigen Kanonen verſehen. Von einem penſtonirten Hauptmann befeh— ligt, wird es in ſehr gutem Stande erhalten. Auch enthält es ein vorzüg⸗


