Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
335
 
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blikum unter Dach gebracht werden könnte. J. M.

Den 21. d. M., gab in Bäuerle'sfal⸗ ſche Prima-Donna Hr. Seydl den Luſtig u. war in dieſ. Rolle wirklich allerliebſt! Er, oder vielmehr ſie denn ſahen wir denn nicht recht lebhaft eine äußerſt liebenswürd'ge Courtiſane an ihm? alſo ſie ſang und rang recht eifrig um RNummelpuffs Herz, und wußte ſich dabei vortrefflich zu benehmen. Nie vergaß ſich S. in der Rolle einer hol⸗ den Grazie zu bewegen, das bewieſen ſeine lieblich ſanften Mienen, Herz und Stimme, jede ſeiner graziöſen Ge ſten, und beſonders ſein ſo lieblich angenommener Geſang. Recht gern hät ten wir ſolchen da capo gehört, jedoch wußte das verehrte Publikum wohl, in welch einer ſchwierigen Aufgabe un ſer brave Seydl ſtand, und ließ ihn deshalb auch mit vollſtem Rechte ver ſchont. Genug, Hr. Seydl erhielt uns ja in ſteter Heiterkeit und ward am Schluſſe beider Akten mit ſtürmiſchem Beifall gerufen. Dem. Zettler d. ä. war recht brav. Die H. H. Nötzl, Tho- me, Juſt, Strauß und Graubner ebenfalls. Durchaus gutes Spiel. Der neue Zuſaz zu Ende des zweiten Akt's, wo Rummelpoff, troz der Ue berzeugung, getäuſcht worden zu ſein, beim Abtreten durch eine plöz lich vorgetragene Melodie der Prima Donna ſich dennoch wieder hingezogen fühlt, war recht gut gewählt, und verleiht dem Ganzen noch mehr In tereſſe. M. R.

Mignon⸗Zeitung.

Buntes aus Paris. Adam, der junge Komponiſt der ſchönen Oper: der Poſtillon von Lonfumeau, die mit unvermindertem Beifalle bereits achtzig Mal in Paris gegeben wor⸗

den iſt, hat die Partitur Sr. Maj. dem Könige von Preußen gewidmet u. dafür von demſelben einen höchſt koſt baren Ring empfangen. Ein berühm⸗ ter ehemaliger Koch, der es durch ſei ne Kunſt zu einem anſehnlichen Ver mögen gebracht, hat eine Nichte ver- heirathet und ihr eine halbe Million zur Mitgift gegeben. Die angeſe henſten Scheiks vom Verge Libanon haben dem Herrn von Lamartine einen koſtbaren perſiſchen Säbel nebſt einem Schreiben überſandt, worin ſie ihn er⸗ ſuchen, die franzöſiſche Regierung zu erinnern, daß ſie die Maroniten jener Gegend ſtets geſchüzt habe. Ein in Paris wohnender Engländer hat die Geduld gehabt, alle Konzerte zuſam⸗ menzurechnen, die dieſen Winter in Paris gegeben worden ſind, und als Summe 135 öffentliche und ungefähr 860 Privatkonzerte gefunden..

Buntes aus London. Ein Korreſpondent aus Philadelphia mel det, daß zu St. Louis in der kathol. Kirche eines Tages während der Meſſe ein Walzer auf der Orgel geſpielt worden ſei. Unmittelbar darauf ſang ein italieniſcher Sänger eine Arie aus demKhalif von Bagdad mit unter gelegtem lateiniſchen Text und nach Beendigung der Meſſe ſpielte der Or ganiſt:Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen? Noch vor dreißig Jahren waren unter den Poſtpferden in England viele blinde; ja es kam vor, daß der ganze Poſtzug nicht ſah. So ſagte einmal ein Poſtillon zu einem Paſſagiere, der neben ihm ſaß, als ſie in einer nebeligen Nacht über eine ge fährliche Brüke gefahren waren:Oott ſei Dank! Die Gefahr iſt überſtanden. Unter uns iſt nur ein einzi⸗ ges Auge. Dieſes eine Auge hatte der Poſtillon, alle Pferde waren blind. Von London nach York 200 engl. Meilen brauchte man ſonſt