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gar nicht einſehen, warum denn gerade das Lampenlicht u. ein gewölbter Pla— fond privilegirt ſein ſollen in dem Tem— pel der Theater-Muſen zu fungtren. Halten wir uns auch einmal, anſtatt an dem Alten, an dem Uralten: kehren wir zur Abwechslung zu der erſten Zeit des Schauſpiels unter den gebildeten Griechen und Römern zurük und laſſen wir gleich jenen auch bei unſern Schauſpielen einmal die Sonne leuchten und das blaue Himmelszelt über unſern Köpfen ſich ausbreiten. Es hat doch viel und mancherlei Anmuthi— ges ein ſolches freies Spektakel— das wird uns Jedermann geſtehen, der am Dienſtage die mit aller Bequemlichkeit, großer Zwekmäßigkeit, ja ich möchte ſagen viel Eleganz ausgeſtattete A ve— na(in der Chriſtinenſtadt) beſuchte. Der Himmel ſcheint an dieſem Tage endlich an den liebſten ſeiner Söhne, an den Mai, gedacht zu haben, denn die Witterung zeigte ſich äußerſt gün— ſtig und wenn er auch Abends wieder eine finſtere, drohende Miene annahm, ſo war es nur vorübergehend, u. kaum daß die erſten Szenen geſpielt wurden, ſtrahlte auch Heiterkeit von oben her— ab und wir hatten den allerfreundlich— ſten Maienabend. Das Stük, mit wel- chem die Arena begann, betitelte ſich: „die Räuber im Adlerthale“, Spek— takelſchauſpiel in 3 Akt. nach A. W. Vogel, für die Arena eingerichtet. Mu— ſik vom Kapellmeiſter Wimmer. Es ſei fern von mir, etwas über den Gehalt des Stükes zu ſagen, nur ſo viel, daß es ganz für ein Tagstheater geeignet iſt, und in Wahrheit, wäre es beſſer oder weniger ſinnlos, ich hätte nicht gewünſcht, es in der Arena zu ſehen. Knalleffekt gibt es in Fülle darin(wel⸗ ches Räuberſtük hat deſſen nicht?) und an komiſchen Situationen fehlt es auch nicht. Gegeben wurde es durchſchnitt⸗ lich recht gut. Gäbe es auch unter
unſern Schauſplelern elnige Anfaͤnger, ſie hätten hier doch ſicherlich nicht das Lampenfieber bekommen. Erwäh— nen müſſen wir doch die H.. Thome, Nötzl, Juſt, Seydl, Kurt u. Macho und Dem. Zettler d. ä., die alle ſich auf dem Natur-Voden ganz kunſtgemäß zu bewegen wußten und ſich auch nicht über Tagelicht-Fieber beklagen konn— ten. Der Komiker, Hr. Seydl, hatte die wirkungsvollſten Szenen und er erhielt das Publikum in ſteter Heiter— keit. Ueberraſchend waren die ſchönen u. paſſenden Dekorationen, die Märſche, Evolutionen(zu Pferde und zu Fuße), Tänze u. Gruppirungen, ſo wie über⸗ haupt alle Arrangements, die wirklich ſolch einen höchſt vortheilhaften Ein— druk hervorbrachten, wie ihn keine geſchloſſene Bühne bieten kann. Alles in Allem bot einen romantiſchen An— blik dar und es lag wahrhaftig viel Poeſie in dieſem anziehenden Spekta— kel. Die große Maſſe des anweſenden Publikums unterhielt ſich ungemein. Hr. Nötzl und Hr. Juſt wurden meh— reremal ſtürmiſch gerufen, und ich kann Jedermann, der noch in der Folge die— ſes Tagstheater zu beſuchen gedenkt, ein gleiches Vergnügen verſprechen. Es hat ſeine eigenen Reize, für die rau— chende Männerwelt noch insbeſonde— re, da ſich hier Niemand von ſei— ner„ſüßeſten Freundin“, der Pfeife oder der Cigarre zu trennen braucht, und auch in den zwekmäßig und nett eingerichteten Nebenabtheilungen gar preiswürdige Speiſen u. Getränke fin— det. Selbſt bei einem plözlich einfal⸗ lenden Regen, wie es auch diesmal ge— ſchah, bieten die zahlreich aufgeſpann⸗ ten bunten Regenſchirme auf Parterre, Logen, Gallerien und ſelbſt auf der Bühne einen eben ſo ſeltenen als aben— teuerlichen Anblik. Uebrigens gibt es ſo viele gedekte Raume um der Arena, daß im Nothfall ein ſehr großes Pu⸗


