Kunst, Eleganz und Mode.
Vebuler Sehe qa.
42. ö Sonnabend, 27. Mai. 1837.
8 wei Geſchichtchen.
So iſts mit dem Gelde!— Oft ſtekts da, wo man es am wenigſten ſucht. Nach A. im Landgericht D. kommt ein Bettelweib von L. Das Weib war hoch ſchwanger, bettelte ſich bis zur Hebamme durch und kommt bei derſelben nieder. Das Kind ſtirbt, und das Weib iſt ſelbſt ſo gefährlich dran., daß die Hebamme den Arzt muß bolen laſſen. Der Herr Doktor ſagt: da iſt kurzer Prozeß, das Weib muß ſterben. Wie das Weib hört, daß es mit ihr Mat- thäus am Lezten iſt, wird ihr angſt und bange; ſie fängt zu lamentiren an und ſagt, wenn ſie nur zuvor noch ein Teſtament machen könnte.„Ein Bett— lerweib und ein Teſtament!“ hat der Doktor gedacht; allein das Bettelweib erklärt, daß ſie in L. noch 2000 Gulden liegen habe, über die ſie doch vor ihrem ſeligen Ende noch gerne verfügen möchte. Das iſt was anders; man holt in Schnelligkeit ſieben Zeugen herbei, der Herr Schullehrer macht den Aktuarius und das Teſtament wird aufgeſezt. Das Weib ſagt, daß ſie weiter keine Freunde habe, und alſo in Gottes Namen die Anweſenden zu Erben ein— ſezen wolle. Jezt hätte ich die fröhlichen Geſichter der Anweſenden ſehen mö⸗ gen.— Ganz oben an ſteht der Herr Doktor, der erbt 500 Gulden; nach ihm iſt die Hebamme die Glükliche, die erbt auch 500 Gulden; dann kommt der Herr Aktuarius, der für ſeine kleine Mühewaltung 300 baare Gulden erbt und vor Freude kaum mehr die Feder halten kann, und zweimal das kranke Bettelweib„meine liebe Madame!“ nennt. Von den ſieben Zeugen bekommt auch jeder 100 Gulden. Zulezt iſt nichts mehr übrig geblieben für die Lei— chenkoſten. Die Erben haben gemeint, ſo viel wollten ſie ſchon zuſammen ſchießen, es war aber nicht nothwendig, denn das Bettelweibserholt ſich wie⸗ der, und wird von Tag zu Tag beſſer. Sie wird auch recht gut verpflegt, der Herr Doktor ſchikt ihr die beſten Suppen, und die andern Erben laſſens auch nicht fehlen. Der Herr Doktor will die Patientin endlich gar zu ſich


