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* und hat ſeyr angeſprochen. Die Fabel dieſer Oper iſt etwas frivol, hat je—⸗ doch viele komiſche Situationen und die Muſik von Adam, einem Schüler Herolds, iſt nicht ohne Verdienſt. Ve— ſonders zeichnet ſich die ſchöne Inſtru—
mentirung und treue Charakterzeich⸗
nung aus. Außer der Dem. Lutzer, ſind die H. H. Demmer und Preiſinger recht lobenswerth.— Eine andere No— vität war„die Witwe“ von Dame Virch⸗Pfeifer. Es wird in dieſer Stroh— witwe recht unnatürlich geliebelt und nach Effekt gehaſcht. Die Stubenrauch nahm als Witwe von den Pragern Ab— ſchied. Hr. Kunſt, der allbekannte, gaſtirte„bei ſeiner Durchreiſe durch Prag“, alſo en passant, als Carl Moor und Wallenfeld und ward brül— lend gerufen von den höheren Regio— nen. Es iſt Jammerſchade, daß ein Schauſpieler wie Kunſt, der ausgerü— ſtet mit den ſchönſten Mitteln, und zu etwas Höherem als Gallerie-Belfall berufen ſcheint, dieſe nur zu Kouliſ— ſenkünſten gebraucht. Auch Hr. Unzell⸗ mann gaſtirte in den heterogenſten Rollen, wie, z. B. Dünois und Diener zweier Herren, Franz Moor und Perin drauf los! Hr. Schumann debütirte als Graf in der preiswürdig dargeſtellten Oper„die Hochzeit des Figaro.“ Eine volle, wohlklingende Stimme, eine wakere Schule und ein paſſendes Spiel ſind die Eigenſchaften dieſes Sängers, die ſeine Acquiſition den Pragern werth machen. Seine Gattin(Page) war im Geſange eben ſo angenehm als lieblich im Spiele. In ein Paar Tagen er— warten wir Hrn. Neſtroy“) und An⸗ fangs Juni Scholz. Auch die Oper „die Votſchafterin“ von Auber ſoll dem Vernehmen nach gegeben und die Abſchiedspartie der Dem. Lutzer ſein.
) Hr. Neſtroy ſcheint ſeine Abſicht, in Prag zu gaſtiren, für jezt auf⸗ gegeben zu haben. R.
Mignon⸗Zeitung.
Moſaic aus Wien.(Neuer Korreſpondent.) Womit ſoll ich begin⸗ nen? Soll ich Jeremiaden anſtimmen über die Launen des Mai? Der loſe Knabe wird wohl auch bei Ihnen ſein tolles Weſen getrieben haben. Jezt, nachdem er lange genug geſchmollt, laßt er einige Liebesblike auf uns fal⸗ len und denkt wohl:„Ende gut, Alles gut!“ Nun, laſſen wir's denn auch gut ſein!— In den jüngſten Tagen hat⸗ ten wir hier ein Wettrennen, das, obgleich vom ſchlimmſten Wetter heim⸗ geſucht, dennoch großen Zulauf von Seiten des Publikums erhielt. Die Namen Lichtenſtein, Traut⸗ mannsdorf, Nadasdy, Saän⸗ dor machten Epoche.— Jezt zu un⸗ ſern Zeitſchriften— dieſem per- petuum mobile der Literatur! Ich bin glüklich oder unglüklich genug, ſie alle durchbuſtabiren zu müſſen— und zwar mit nüchternem Magen. Das koſtet viel, bis alle verdaut ſind! Nun weiter. Ihr Inhalt? Sie ſtoßen ſo ziemlich in ein Horn. Die Thea— teitung gewinnt täglich mehr an Intereſſe und an Abonnenten, und hauptſächlich das Ausland ſcheint ein Auge auf ſie zu haben. Cuique suum! Es iſt ein altes Blatt, ein lohnendes Immergrün, das wohl nie verwelken wird.— Unter den Blättern, die ſich noch in ihrer Enfaltungsperiode
befinden, gedeiht das öſterreichi⸗
ſche Morgenblatt ſichtbar. Gedie⸗ genheit, Manigfaltigkeit ſeiner Auf— ſäze, die meiſt Originalien ſind, ge— währen ihm bei einem gemiſchten Publi⸗ kum immer mehr Anerkennung u. Ein⸗ gang. Die Redaktion ſelbſt ſcheut kein Opfer, um das vorgeſtekte Ziel zu er— reichen und dem Blatte ein Ehrenpläz— chen auf dem Gebiete der Belletriſtik zu verſchaffen.— Der Hu mo ri ſt


