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Pol umbini, die in dieſem Erhohlungs⸗ und Beluſtigungsorte ſich produzirt, iſt trefflich und kommt einem Strauß⸗ ſchen Orcheſter gleich. Die in der Stadt liegende Färberinſel wird in ein Paar Tagen eröffnet werden. Dieſer Belu— ſtigungsort iſt mit bedeutenden Unko⸗ ſten zu einem der freundlichſten und ſchönſten umgeſtaltet, eine großartige Reſtauration und ein Prachtſaal da— ſelbſt errichtet worden, die nur mit jenen in dem Peſther Redoutengebäude einen Vergleich aushalten. Die Ein— richtungen in dieſen Gebäuden ſind wahrhaft luxuriös. Die Regiments— bande, unter der Leitung des Kapell—⸗ meiſters Titl, wird hier ſpielen. Auch ein neues Kaffehaus, das Einige den „Feentempel“ nennen, iſt nach Art der in Wien beſtehenden eröffnet worden. Zeitungsleſer beſuchen aber noch im— mer das Kaffehaus„zum goldenen Ti— ger“, in der Dominikanergaſſe. Die Journaliſtik vereinigt hier ihre Freunde und Feinde, die ſich durch Nichts ſtö⸗ ren laſſen, als durch das Marquiren des Marquers. Da ruhen friedlich und ruhig in einem elegant eingerichteten Regale neben und übereinander ein „Zuſchauer“(öſterreichiſcher), ein„Hu— moriſt“ und ein„Wanderer“, troz dem „Wirrwar“, der hier herrſcht. Für den
Neu- und Altgierigen ſtehen fünf Ma-
gazinen offen, nämlich das Leipziger und Peſther Bilder- und das Sontags— und Hellermagazin, ſo wie jenes für Literatur des Auslandes. Modeherren können ſich im Peſther und Berliner „Spiegel“ einſehen, oder die Wiener Theaterzeitung, oder die Wiener Zeit— ſchrift um Rath fragen.„Europa““ (von Lewald) ſteht jedem Quekſilber— menſchen offen und um eine„maleri— ſche Reiſe um die Welt“ zu machen, gibt es eine„Schnellpoſt“ und einen „Voleur“ mit ſeiner„magiſchen Later— ne.“ Wer das Reiſen verſchmäht, ſieht
das„Panorama des Uniberſums“ und den„Bilderatlas“ an, und erfährt die Neuigkeiten durch den„Telegraphen“ (von Lembert). Vor den Mund kann ſich Jedermann nehmen„die Blätter der Gegenwart u. der Vergangenheit“, des Morgens das„öſterreichiſche Morgen- blatt“ und Abends die Dresdner „Abendzeitung.“ Die Göttin„Mne— moſyne“(Lemberger) bringt hier„Blü— then“ der„Erinnerungen“ an das theure Vaterland„Bohemia.“ Leipzig ſchikt uns ſeine„Modezeitung“ und die„muſikaliſche Zeitung.“ Politiſche Kannegießer finden reichliche Ausbeute in der Prager, Wiener, Leipziger, Allgemeinen, Preußiſchen Staatszei— tung, dem Journal de Frankfort und dem Berliner politiſchen Wochenblat— te, und Kaufleuten und Fabrikanten ſtehen die„Peſther Handlungszeitung“ und die„Mittheilungen des Gewerb— fleißes“ zu Gebote. Da ich gerade von Zeitſchriften rede, ſo ſei auch der neulich erſchienenen pasquillanten Pra— ger Korreſpondenz im„Kometen“ ge— dacht, die hier allgemein die gerechte— teſte Indignation und den Wunſch er- regte: es möchten einmal derlei jour— naliſtiſche Schmugglereien ein Ende nehmen. Adolf Neuſtadtl hat in der Bohemia die Vaterſchaft zu dieſem ſa— moſen Artikel abgelehnt. Von den Zeitſchriften zum Theater iſt wie vice versa nur ein Sprung. Da gaſtirt die Jenny Lutzer. Ihre Gaſtdarſtellungen werden ſehr zahlreich beſucht und ihre Madlaine, in der neuen Oper„der Po— ſtilion von Lonjumeau““, iſt wirklich dazu gemacht, wie ſich der; geachtete Kritiker der Bohemia ausdrükt, den Abſchied von dieſer trefflichen Sangs— künſtlerin noch ſchwerer zu machen. Beſagte Tondichtung, die noch auf keiner deutſchen Bühne erſchien, iſt von Prof. Swoboda mit ungemeiner Sprachgewandthelt bearbeitet worden


