Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
326
 
Einzelbild herunterladen

326

Pol umbini, die in dieſem Erhohlungs⸗ und Beluſtigungsorte ſich produzirt, iſt trefflich und kommt einem Strauß⸗ ſchen Orcheſter gleich. Die in der Stadt liegende Färberinſel wird in ein Paar Tagen eröffnet werden. Dieſer Belu ſtigungsort iſt mit bedeutenden Unko⸗ ſten zu einem der freundlichſten und ſchönſten umgeſtaltet, eine großartige Reſtauration und ein Prachtſaal da ſelbſt errichtet worden, die nur mit jenen in dem Peſther Redoutengebäude einen Vergleich aushalten. Die Ein richtungen in dieſen Gebäuden ſind wahrhaft luxuriös. Die Regiments bande, unter der Leitung des Kapell meiſters Titl, wird hier ſpielen. Auch ein neues Kaffehaus, das Einige den Feentempel nennen, iſt nach Art der in Wien beſtehenden eröffnet worden. Zeitungsleſer beſuchen aber noch im mer das Kaffehauszum goldenen Ti ger, in der Dominikanergaſſe. Die Journaliſtik vereinigt hier ihre Freunde und Feinde, die ſich durch Nichts ſtö⸗ ren laſſen, als durch das Marquiren des Marquers. Da ruhen friedlich und ruhig in einem elegant eingerichteten Regale neben und übereinander ein Zuſchauer(öſterreichiſcher), einHu moriſt und einWanderer, troz dem Wirrwar, der hier herrſcht. Für den

Neu- und Altgierigen ſtehen fünf Ma-

gazinen offen, nämlich das Leipziger und Peſther Bilder- und das Sontags und Hellermagazin, ſo wie jenes für Literatur des Auslandes. Modeherren können ſich im Peſther und Berliner Spiegel einſehen, oder die Wiener Theaterzeitung, oder die Wiener Zeit ſchrift um Rath fragen.Europa (von Lewald) ſteht jedem Quekſilber menſchen offen und um einemaleri ſche Reiſe um die Welt zu machen, gibt es eineSchnellpoſt und einen Voleur mit ſeinermagiſchen Later ne. Wer das Reiſen verſchmäht, ſieht

dasPanorama des Uniberſums und denBilderatlas an, und erfährt die Neuigkeiten durch denTelegraphen (von Lembert). Vor den Mund kann ſich Jedermann nehmendie Blätter der Gegenwart u. der Vergangenheit, des Morgens dasöſterreichiſche Morgen- blatt und Abends die Dresdner Abendzeitung. Die GöttinMne moſyne(Lemberger) bringt hierBlü then derErinnerungen an das theure VaterlandBohemia. Leipzig ſchikt uns ſeineModezeitung und diemuſikaliſche Zeitung. Politiſche Kannegießer finden reichliche Ausbeute in der Prager, Wiener, Leipziger, Allgemeinen, Preußiſchen Staatszei tung, dem Journal de Frankfort und dem Berliner politiſchen Wochenblat te, und Kaufleuten und Fabrikanten ſtehen diePeſther Handlungszeitung und dieMittheilungen des Gewerb fleißes zu Gebote. Da ich gerade von Zeitſchriften rede, ſo ſei auch der neulich erſchienenen pasquillanten Pra ger Korreſpondenz imKometen ge dacht, die hier allgemein die gerechte teſte Indignation und den Wunſch er- regte: es möchten einmal derlei jour naliſtiſche Schmugglereien ein Ende nehmen. Adolf Neuſtadtl hat in der Bohemia die Vaterſchaft zu dieſem ſa moſen Artikel abgelehnt. Von den Zeitſchriften zum Theater iſt wie vice versa nur ein Sprung. Da gaſtirt die Jenny Lutzer. Ihre Gaſtdarſtellungen werden ſehr zahlreich beſucht und ihre Madlaine, in der neuen Operder Po ſtilion von Lonjumeau, iſt wirklich dazu gemacht, wie ſich der; geachtete Kritiker der Bohemia ausdrükt, den Abſchied von dieſer trefflichen Sangs künſtlerin noch ſchwerer zu machen. Beſagte Tondichtung, die noch auf keiner deutſchen Bühne erſchien, iſt von Prof. Swoboda mit ungemeiner Sprachgewandthelt bearbeitet worden