Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
325
 
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der Arbeit nach Verdlenſt zu würdi⸗ gen. Merkwürdig genug, daß unſer unſterbliche Leſſing das wahre Verhält niß der Natur zur Kunſt in einem ſo bekannten Reim ausgeſprochen hat, und daß es dennoch immer wieder vergeſſen und außer Acht gelaſſen wird:

Kunſt u. Natur ſind auf der Bühne Eines nur; Wenn Kunſt ſich in Natur verwandelt, Dann hat Natur und Kunſt gehandelt. Kurz, um ohne weiteren Sermon die⸗ ſen Spruch auf unſeren Gaſt, den Hrn. Rott anzuwenden, er hat die reiche Gabe der Natur zu bilden und das Gebildete wieder in Natur zu verwan deln gewußt, und ſo tritt in ſeinen Darſtellungen die vollendete Kunſt als zweite Natur hervor. Dies Allgemei ne wäre unſers Erachtens hinreichend zur richtigen Schäzung ſeines unge meinen Kunſtwerths; aber wir können nicht umhin, der techniſchen Ausbil dung dieſes Künſtlers noch mit beſon derem Gewicht zu gedenken, weil dieſe von ſo reich begabten und wir glau- ben nicht zu viel zu ſagen, ſo genia len Schauſpielern, wie Herr Rott es iſt, leider meiſtens gering geachtet und vernachläſſigt wird. Es hat uns wahre Bewunderung abgenöthigt, mit welcher Fertigkeit und in keinem Moment feh lender Sicherheit u. Takt dieſer Künſt ler, der zugleich im Beſize einer recht angenehmen Stimme iſt, die langen rhythmiſchen und gereimten Reden in dem Raimundſchen Schauſpiel:Der Alpenkönig und der Menſchenfeind in allen Abwechſelungen des Gedanken- und Gefühlsausdruks und doch immer in Harmonie mit dem Rhytmus und dem Reim vorgetragen hat de. So weit die Staatszeitung. Die andern Blät⸗ ter überbieten noch dieſes Lob. So ſagt unter andern die Haude u. Spen ner'ſche Zeitung:Hr. Rott iſt ein Künſtler, den die Natur eigends zum Repräſentanten Naimund'ſcher Charak-

tere geſchaffen zu haben ſcheint. Er feierte als Valentin(im Verſchwen⸗ der) ſeinen Triumph. Die Kritik hat dieſem wakern Künſtler mit Recht die größte Aufmerkſamkeit geſchenkt: er leiſtete ſchon hisher RNühmenswerthes, mit dieſer Rolle, die ganz geeignet iſt, das Gemüth und den Geiſt des Schau⸗ ſpielers hervortreten zu laſſen, ſezte er indeß ſeinen Leiſtungen die Krone auf. Sein Spiel entfaltete wahrhaf⸗ ten Humor, wir lachen über daſſelbe durch Thränen, denn er weiß uns durch ſeine Komik zu rühren; in ſeiner gan⸗ zen Darſtell ung wohnt Poeſie und doch vergeſſen wir über die Natürlichkeit ſeines Spiels ganz, daß wir im Thea⸗ ter ſind. Den Kulminationspunkt ſei⸗ ner Leiſtung fand er im Vortrage des berühmten Hobel-Liedes, das ſchwer⸗ lich jemals mit größerer Wirkung ge ſungen wurde. Auch in dem Gelegen⸗ heitsſchwank:der falſche Guſikov, machte Hr. Rott großes Aufſehen durch ſein köſtliches Spiel auf dem Holz⸗ und Stroh⸗Inſtrument. Es ſind die⸗ ſem Künſtler lukrative Anträge von Seiten unſerer Direktion gemacht wor- den. Er ſchlug ſie alle aus und kehrt nach ſeinem lieben Peſth zurük. S.

Korreſpondenz.

Prag(15. Mai). Der Kalen⸗ der ſagt uns, daß wir Mai haben, in den Zeitſchriften leſen wir Mailie⸗ der, aber troz Kalender und Zeiſchrif ten ſcheint die Natur nichts vomWon⸗ nemond zu wiſſen. Wir haben rauhe, kalte, regneriſche Tage, nur geſtern ſchienen ſich Sonnenſchein und blauer Himmel auf ein Paar Vormittagſtun den zu zeigen. Der Zdekaur' che Gar ten war auch an dieſem Tage ſehr zahl reich beſucht. Die Kapelle des! ſeit Kurzem hier garniſonirenden Regiments