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allen Jamillenhandlungen durchaus nothwendig iſt, ſo werden ſie bei Dingen zu Rathe gezogen, um welche ſich die Frauen bei uns weder kümmern dürfen noch mögen, und nicht ſelten kennt die Frau den Zuſtand der Prozeſſe, Güter, Kaſſe oder Spekulationen ihres Mannes beſſer als dieſer ſelbſt. Das Buchhalten im Kleinhandel kommt in Frankreich unfehlbar den Frauen zu, während ein
Handlungsdiener verkauft.
Im Theater ſind nur Logenſchließerinen ange—
ſtellt und tauſend männliche Beſchäftigungen, zu denen eine gewiſſe Gewandt—
heit oder Schlauheit gehört,
ſind in den Händen von Frauenzimmern, wäh—
rend das Scheuern, Vettmachen und Kochen dem männlichen Geſchlechte zu—
gewieſen iſt. Ein Engländer, der in Fränkreich geweſen war, erzählte einmal
nach ſeiner Rükkehr, in Paris wären alle Vediente Stubenmädchen. Freilich erſcheint ein weibliches Weſen minder zu ihrem Vortheile, wenn es ſeine Stimme
in pekuniären Streitigkeiten erhebt, und die Genauigkeit,
mit welcher auch
die jüngſte und hübſcheſte Franzöſin nach der Hauptſache, d. h. dem Gelde
blikt, erhöhet ihre Reize gewiß nicht.
Ehe und Galanterie, als Rechenexempel betrachten.
Daher kommt es, daß ſie Alles, Liebe, Die Franzöſin lernt von
Jugend auf das Leben von der poſſtivſten Seite anſehen und 3 hat auch nicht die geringſte poetiſche Ader an ſſch.
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
Theater.
Berlin. Hr. Rott von Peſth macht hier dergeſtalt Senſation, daß er das allgemeine Geſpräch des Tages geworden. Wie beneidet man Ihr Peſth, das einen Komiker von ſolcher Treff lichkeit beſizt! Noch ſelten iſt hier ei— nem Schauſpieler ſolche allgemeine An— erkennung geworden und die öffentli— chen Blätter ſtimmen unisono ein Lob— lied an. Selbſt unſere Staatszeitung, die ſonſt ſehr preziös thut, und über die Königſtadt nur bei wichtigen An— läſſen ſpricht, wird über Ihren Rott umſtändlich, und ich gebe Ihren ge— ehrten Leſern hiemit einen Auszug: „Seit einem Monat,“ ſagt die Staats— zeitung,„macht ein auswärtiger Schau— ſpieler, nämlich Hr. Rott vom ſtädti— ſchen Theater zu Peſth, als Gaſt auf der Königſtädter Bühne Aufſehen, in— dem er in gleichem Grade den Beifall der Menge und die Anerkenntniß der Kunſtkenner gewinnt. Es läßt ſich mit
einem Wort dies Geheimniß löſen, denn troz Allem, was ſeit Horaz bis auf Leſſing über Kunſtwahrheit geſchrie— ben worden, ſcheint in dem gewöhnli— chen Tagesgeſpräch über die Leiſtungen der Kunſt jeder Art die Antwort auf die alte Frage des Horaz:
natura ftent laudabile carmen, an arte; ob Naturkraft oder Kunſt ein Werk vortrefflich mache? noch immer ein Ge— heimniß zu bleiben. Es iſt die Na— türlichkelt, die Hrn. Rott in al⸗ len ſeinen Darſtellungen leitet und be— gleitet, ſein ganzes Thun u. Laſſen, ſel— ne Rede und ſeine Geberde durchdringt und ſo zu ſagen vom Kopfe bis zum Fuß das Weſen und das Leben ſeiner Erſcheinung ausmacht. Dieſe iſt es, die den Kenner und die Menge gleich— mäßig anſpricht, die der Menge genügt, wenn die Natur auch in ihrer Nakt- heit und Rohheit auftritt und, wenn ſie dem korrekteſten Werke fehlt, daſ— ſelbe auch dem Kenner nicht behagt, ſo geneigt er auch ſein mag, den Fleiß


