318
und der Erfolg war nicht ſo günſtig, als wir erwarteten. Mad. Nyéry war als Wahrſagerin genügend.— Das Ue— brige wie gewöhnlich, nur waren die Chöre manchmal etwas derangirt.— Hr. Neſtroy ſezt ſeine Gaſtrollen mit geſteigertem Erfolge fort. Als Nazi, in ſeinem„Eulenſpiegel“, war er gar köſtlich— er erhielt das Publikum in ſteter Heiterkeit. Hr. Lang ſtand ihm als Eulenſpiegel rivaliſirend zu Seite und theilte den reich geſpendeten Bei— fall mit dem Gaſte.— Die vierte Gaſt— rolle des Hrn. Neſtroy war Luſtig in BVäuerles„Prima-Donna.“ Hag.
Ofen(18. Mai). Nachdem Hr- Neſtroy ſeine Gaſtrollen, mit welchen er den Freunden des Humors und des Scherzes wahre Feſte bereitete, been— digte, hat unſer Repertoir wieder eine ernſtere Farbe erhalten. So kam am 16. d. M. das Trauerſpiel v. Zedlitz: „Zwei Nächte zu Valladolid“ in die Szene, das die edlern Gefühle des Publikums zart berührte. Vorzüglich waren es Dem. Zettler d. ä.(Eſtella) und Hr. Thomé(Don Garcia), die ergreifend ihre Rollen gaben. Sie er— hielten ausgezeichnete Theilnahme.— Einen beſonders heitern Abend ver— ſchaffte uns das ſehr artige Schauſplel: „Wahn u. Wahnſinn“, aus dem Fran— zöſiſchen v. Lembert, das am 17. d. M. gegeben wurde. Es iſt dies eines der beſten Produkte, das aus Paris nach Deutſchland wanderte und das auch ei— ne fleißige Ueberſezung verräth. Die Darſtellung ließ faſt in allen Theilen keinen Wunſch zurük. Wir nennen die Delles. Müller und Zettler d. ä., dann die H. H. Thoméè, Nötzl, Juſt und Liebold, die mit Luſt und Liebe ihre Rollen gaben und den verdienteſten Applaus ernteten.— Künftigen Sonn- tag wird die in der Chriſtinaſtadt von Hrn. Nötzl erbaute Arena eröffnet wer— den. Den beiden Städten wird hie⸗
durch ein ganz neues Schauſplel gebo— ten, und es iſt dem Direktor Anerken— nung u. Theilnahme zu wünſchen. P. Straßburg. Dem. Schebeſt von Peſth wird dieſer Tage auf dem deutſchen Theater in Straßburg Gaſt⸗ vorſtellungen geben. K. Paris. Im Theatre frangais hat der bekannte Dramatiker Herr Em— pis eine Komödie, unter dem Titel: „Julie ou la Séparation““, aufführen laſſen. Man iſt in lezter Zeit von dem eigentlichen Begriffe einer Komödie ſo weit abgekommen, daß jezt jedes Stük, worin die Damen mit Talent weinen, eine Komödie genannt wird. Der Ver⸗ faſſer malte die Verlegenheiten, welche durch eine Eheſcheidung in einer Fa— milie entſtehen, und ſchilderte ſehr kräftig den Schmerz und die falſche Stellung, worein die Kinder bei einer ſolchen gerathen müſſen, wenn gleich die Scheidung in gewiſſen Momenten als unerläßlich erſcheint. Sonderbar iſt es, daß der Zwiſt der Eheleute in dieſem Stüke! aus Verſchiedenheit der politiſchen Meinung entſpringt, da doch gewöhnlich Scheidungen delikatere Quellen haben. Der Succeß bei der Aufführung, die in hohem Grade vor— trefflich war, kann nicht in Zweifel gezogen werden.— Wir können in der That nicht klagen; unſere Theater ha— ben in der lezten Zeit viel Intereſſe dargeboten. In der großen Oper konn— ten die Benefize der Taglioni und Nourrit, welche bekanntlich dieſe Bühne verließen, zu den theatraliſchen So— lennitäten gezählt werden; das Wie— derauftreten der Elsler und die Debüts Dupre's waren es nicht minder. Eine junge Künſtlerin, Dem. Rachel, hat mit außerordentlichem Glüke im Gym— naſetheater debütirt, und ſcheint die— ſer Bühne ihre längſt entſchwundenen ſchönen Tage wieder heraufbeſchwören zu wollen. Onslow's neue Oper„les


