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ton neulich im Parlamente eln„der⸗ butterter Korporal“ u.„militairiſcher Knirps“ genannt. Was hätte das in frühern unkultivirten Zeiten für ein Halloh gegeben!— Jezt erhebt ſich der Lordkanzler oder wer ſonſt der Be— leidigte iſt, ganz ruhig von ſeinem Size und fragt mit der größten Höf— lichkeit:„ob das ehrenwerthe Mit— glied zum Lordkanzler als ſolchem, oder als Perſon geſprochen, und ob die Beleidigung perſönlich ſei?“ Sagt nun der Redner, daß ſie nicht perſönlich ſei, ſondern daß er nur den Lordkanzler als ſolchen als das erbärmlichſte Ding ver— achte, ſo iſt der Beleidigte als Mann befriedigt, und ſtört den Redner nicht welter. N Leipzig. Von der Oſtermeſſe wird ein Handſchrift über den lezten türkiſch⸗egyptiſchen Feldzug angekün— digt, die der Fürſt Pückler-Muskau herausgibt, welcher auf eine geheim— nißvolle Weiſe dazu gekommen ſein will. Sie enthält viele noch ungedruk— te diplomatiſche Aktenſtüke über die türkiſch⸗egyptiſchen Differenzen und die europäiſchen Vermittlungsverſuche.
„
Lokal⸗Zeitung.
Neuer Gartenſalon.„Der Menſch lebt, nicht um zu eſſen und zu trinken, ſon— dern der Menſch ißt und trinkt, um zu le— ben.“— Das iſt immer recht hübſch geſagt, auch zum Theil wahr, aber— es gibt doch Menſchen, die gewiß ihr Rädchen ſo gut wie Tauſende zur großen Weltenuhr liefern, und doch, wenn ſie auch nur eſſen und trinken um zu leben, lieber gut eſſen und trinken wollen; ſelbſt ein gewiſſer Kant, der ſo ſchön über Enthaltſamdeit geſchrieben, war ein Lekermaul, ein Feinſchmeter.
Lelder gehöre ich auch zu dloſer Sorte.— Mir gilt ein delikat zuberekteter Schmauß, genoſſen in einer heiteren Geſellſchaft, in ei⸗ nem ſchönen freundlichen Lokale ſehr viel, und gewiß ſind die meiſten Leſer des Spiegels auch keine„Koſtverächte r“ und lieben ſo gut wie ich und Viele, gut zubereitete Spel—
ſen, trefflichen Wein(nicht durch Kunſt,
ſondern durch Jahre veredelt), freundliche Geſellſchaft und ſchönes heiteres Lokale.— Alle dieſe Vorzüge ſinden ſich bei uns in Peſth in der Drei-Trommel-Gaſſe, in dem neu eta— blirten Garten des Hrn. Wagner, wo der Pächter dieſes ſchönen Lokals, Herr Franz Gaſtel, durch zuvorkommende höfliche Bedie— nung, Al e, die ihn beſuchen, zu feſſeln weiß. — Was die Echtheit des Weines anbelangt, ſo genügt es zu bemerken, daß dieſen Herr Wagner, der Hauseigenthümer und Errich— ter des Gaſthofes:„Zum Jägerhorn“, vor— legt.— Die Malerei des Hrn. Engert in dem ſchönen Gartenſalon iſt recht freundlich und effektvoll. Nun gäbe der Himmel auch eine freundliche Witterung und Peſth hat auch ſei—
nen Sperl⸗-Garten. l Dr. Ci lde.
„Fludge⸗Gravirkunſt.“ unſern ge⸗ ehrten Leſern und ſchönen Leſerinen empfeh— len wir die Arbeiten des Hrn. L. Mijers, k. k. ausſchließend priv. Fludge-Graveur aus London, der durch eine eigene Vorrichtung Platten verfertigt, womit ſich Jedermann in Zeit einer Minute die zierlichſten Wappen, Namen, Viſitbillets, Adreſſen, Wechſel, No— ten, Signaturen, Oblaten de. de. auf Pa— pier, Holz, Leinwand und alle andere Stoffe mit Gold, Silber oder was immer für Farben, auch mit gewöhnticher Dinte ſelbſt druken kann, und dazu nur einen gewöhnlichen Haarpinſel u. außer der Platte, nur die beliebige Farbe oder Dinte braucht.
Auch verfertigt er eine unauslöſchliche und durchaus unſchädliche Dinte, die beſtens zur Markirung der Wäſche geeignet iſt. Wir ha⸗ ben die Platten des Herrn Miſers geſehen; ſie zeichnen ſich durch Eleganz, Geſchmat und Zwekmäßigkeit aus. Er wohnt an der Ete der Wag⸗Gaſſe und Donauzeile, im v. Nako⸗ ſchen Haus, Nr. 29, 2. Stot, Thur, P 15.
Halbſähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzuſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabbrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.— Man pränumerlrt im Kommtiſſionsamt zu Ofen(Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. F. Tomalas Kunſthand lungen zu peſth und bei allen k. k. Poſlämtern.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


