Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
310
 
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und verböſert mit einigen neuen Scur rilien und Nuditäten erſchien, als wenn ſie nicht ſchon vorhin mit er ſprieslichen Lehren für unſere hoff nungsvolle Töchter genug geſpikt ge weſen wäre. Wahr iſt es indeſſen, daß Lumpazivagabundus das gelungen ſte Werk dieſes Dichters iſt; doch ſteht der erſte Akt weit über die bei den folgenden und das Höchſte darin iſt das klaſſiſche Lied von Eduard und Kunigunde. Die Charaktere erſcheinen auch originell und doch ſo lebendig ge zeichnet, die Handlung bewegt ſich raſch und munter vorwärts; wenn nur das lange und langweilige im Himmel reich ſpielende Vorſpiel wegbliebe oder um g abgekürzt würde, und wenn der Traum, der Losankauf und die Zie hung etwas größere Intervallen hät ten, damit die Sache etwas mehr Ge fügigkeit und Probablität gewönne, ſo könnte man dieſem Akt eine Art vollkommene Trefflichkeit beilegen, ohne in weitere Grübeleten einzugehen, ob das Verdienſt mehr Hn. Neſtroy oder dem ſel. Weisflog zuzuſchreiben wäre, denn daß N. mit vielem Geſchik den Roma nenſtoff bearbeitete, bleibt unbeſtritten. Die beiden andern Akte aber ſind ſchon lokerer Konſtruktion. Vieles iſt bei den Haaren herbeigezogen und die Charak tere ſind wetterwendiſch und unbeſtimmt. Aber Laune und Wiz auf das Ma terial kommt es nicht an gehen Hrn. Neſtroy niemals aus, und die Poſſe unterhält ſein Publikum von Anfang bis Ende. Hrn. Neſtroy's Schau plaz iſt das Theater an der Wien, die, dem Volumen nach, größte Bühne der Reſidenz und daher mag es wohl

auch kommen, daß er ſich auf der noch

etwas extenſivern Bühne zu Peſth hei miſcher fand, als auf der kleinen zu Ofen, ſo daß er hier auf größere Theil nahme rechnen kann. Geſtalt und Or gan finden da ihren geeigneten Naum.

Hr. Neſtroy gab den aſtronomiſchen Schuſter mit einer Laune, die um ſo wirkſamer hervortritt, als ſie keine ge⸗ machte iſt. Er läßt ſich durch nichts außer Faſſung bringen, behauptet ſtets eine gleiche ſteife Ruhe und bleibt bei ſeiner MaßGemiſchtes im Troke nen. Wenn eine große Parthei irgend einen ſeiner Vorgänger bevorzugen möchte, ſo hat ſie nicht in allen Thei⸗ len recht. Hr. Neſtroy gibt ſeine Rolle im Geiſte des Dichters: er gibt und nimmt ähr nichts; während ein übri gens ſehr verdienſtlicher Vorgänger die ſem Geiſte noch einen andern hinzu fügt, wodurch die Rolle vielleicht gei ſtiger, aber ſchwerlich richtiger wird. Im Geſange weiß Hr. N. mit ſei ner guten und ſoneren Stimme recht viel Drollerie hervorzubringen, und darin gefiel er am Meiſten. Das Ko metenlied mußte er, lch weiß nicht wie oft, wiederholen. Im Ganzen war die Aufnahme eine ſehr günſtige, er wurde einige Mal gerufen und der Direktion iſt es zu danken, daß ſie auch dem Peſther Publikum Gelegenheit ver ſchaffte, denAriſtophanes von der Wieden von Augeſicht zu Angeſicht ken nen zu lernen. Hr. Lang war als Schneider Zwirn ſehr vorzüglich und erhielt die Lacher in ſteter Bewegung z er ward wiederholt gerufen. Hr. Donua nahm den Tiſchlei von einer gemüthlich humoriſtiſchen Seite auf und that wohl daran. Die zweite Rolle des Hrn. Neſtroy, am 15. d. M., war der Jo⸗ hann, in ſeiner Poſſe:Zu ebener Er de de. Das Haus war, troz des mör deriſchen Regens, ſehr voll, und der Beifall geſteigert. J. M.

Mignon⸗Zeitung. Brüſſel. In Belgien wird nach einer neuen Sitte von jedem Stammgaſte der Trink⸗, Rauch- und