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Seltene Geiſtesgegenwart.
Ein Schleferdeker, der auf einem ſehr hohen Dache arbettete, wurde von einer Art Schwindel befallen und glitt bie an den Rand des Abgrundes, der ſich unter ihn öffnete. Hier hielt ſich der Unglükliche durch einen verzweifelten Kraftaufwand mit den Nägeln an der Dachtraufe feſt und ſchwebte ſo einige
Augenblike in der Luft.
arbeiteten, Zeit laſſen, ſich
ganze Kraft zuſammen, ſchrie ſo laut arge
aufmerkſam werden mußten: und fiel mit ausgebreiteten Armen, unten!“
Er ſuchte nicht ſein Leben zu retten, er fühlte das Blech unter ſeinen Händen nachgeben; er wollte nur den Maurern, zu entfernen, nahm deshalb noch einmal ſeine
die unten
er konnte und daß die Arbeiter unten
ſeben unten!“ ließ die Hände los unter dem wiederbolten Rufe„vorgeſehen herab. Er wurde ſchreklich zerſchmettert und hatte nur einige Minu⸗
ten zu leben, aber er verſchied mit einem Lächeln auf den Lippen und ſagte
noch vorher zu den um ihn ſtehenden Arbeitern:„Ich bin unverheirathet
bier ſtanden zehn Famillenväter.“
Theater. Peſth(16. Mai). Es hat ſich
einmal ein gutmütiger Enthuſſaſt da⸗
durch an den Muſen vergangen, indem er den Verfaſſer des„Alpenkönigs“ mit dem Schöpfer des„Hamlet“ ver⸗ glich. Apollo vergebe ihm: er war we⸗ nigſtens in ſeiner Anſicht originell. Aber ſeine zahlreichen Nachbeter mö⸗ gen auf keine Verzeihung hoffen; denn nicht nur, daß ſie nichts erfan⸗ den, ſo ſchadeten ſie ihrem Gefeierten — der ſolcher Protektoren wahrlich nicht bedurfte— durch ihre Unbeholfen— heit mehr als ſie ahnten; ſo daß er fäglich ſagen konnte:„Himmel, ſchüze mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden will ich ſchon fertig werden.“ Plauſibler ließe ſich eine Pa⸗ rallele zwiſchen dem großen Britten und dem Verfaſſer des„Lumpazivaga⸗ bundus“ ziehen, wenn auch die Sache mehr negativ ausfiele. So z. B. könnte man ſagen: Shakſpeare hält ſich nicht genau an Einheit der Zeit und des Ortes der Handlung, Hr. Neſtroy
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
und
auch nicht; Sh. iſt hie und da unver⸗ ſtändlich, Hr. N. auch; Sh. zeigt uns die liebe Natur oft in nakter Geſtalt, Hr. N. auch; Sh. wirft manchmal die Szenen auf's Gerathewohl durcheinan- der, Hr. N. auch; Sh. iſt unerſchöpflich, um die Lachmuskeln durch derbe Zo— tenkoſt in Aufregung zu erhalten, Hr. N. überbietet ihn hier u. ſ. w.; aber, wird man einwenden, Sh. iſt doch ganz etwas Anderes; ich antwortete: Hr. N. iſt auch ganz etwas An de— res und das Recht iſt auf meiner Seite, was indeſſen N's unverkennba— res Talent keinesweges beeinträchtigen ſoll.— Nach dieſen Prämiſſen habe ich die Ehre den geſchäzten Leſern dieſes Blattes anzuzeigen, daß Hr. Neſtroy, der beliebte Lokalkomiker und reſp— Dichter vom Theater an der Wien, nachdem er ſeinen Gaſtrollen-Cyklus in Ofen mit Beifall beendigte, am 15. d. M. einen ſolchen in Peſth begann, und zwar erſchien er als Schuſter in ſeinem„Lumpazi vagabundus,“ welche Poſſe diesmal, ich weiß nicht ob unter Inſpektion des Verfaſſers, vermehrt
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