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der damaligen Zeit, um ſein Glük in den Hauptſtadten zu machen. Von Rom begab er ſich nach Neapel; nach einem kurzen Aufenthalte in den in muſikaliſcher Beziehung vornehmſten Städten ſeines Landes, durchzog er Deutſchland, und landete im Jahr 1750 in England. Ein friedlicher Eroberer, feierte er ſeinen erſten Triumph in einem Konzerte, das zum Beſten der Sängerin Cuzzoni gegeben wurde, die bei der italieniſchen Oper ſtand, und in großer Gunſt war, die aber, als ſie alt wurde, mit Schönheit auch ihr Talent verlor. Das Pu— blikum dürfte ſich gegen ſeine geſtürzten Herrſcher mitleidiger zeigen. Schon allein die Erinnerung an das genoſſene Vergnügen ſollte daſſelbe zu etwas mehr Galanterie gegen eine alte Sängerin beſtimmen. Das Auditorium der Cuz⸗ zoni vergaß dieſe Pflicht, als glüklicherweiſe für die Benefiziantin der junge Italiener erſchien. Die erſten Töne ſeines Inſtrumentes verſcheuchten den üblen Humor des Auditoriums; an die Stelle der Unzufriedenheit trat Ueber— raſchung, und dieſer folgte Entzüken. Der Künſtler hatte ſeinen Bogen noch nicht weggelegt, als der Sturm losbrach, aber nicht das Pfeifen des Stur⸗ mes, ſondern der Donner der Bravo's ließ ſich vernehmen. Gerrik hatte nie einen rauſchenderen Veifall erregt. Das Glük Giardini's wäre von dieſem Tage an gemacht geweſen, wenn er ſich mit dem Glüke des Künſtlers hätte begnü— gen wollen. 8
Sein erſter Fehler war ſein gieriges Streben nach Gewinn, das man ſonderbarerweiſe bei den meiſten fremden Künſtlern findet.“ Im Jahr 1754 er⸗ hielt er die Direktion des Orcheſters in der Oper; zwei Jahre ſpäter aber faßte er die unglükliche Idee, durch Uebernahme des Theaters gemeinſchaftlich mit der Signora Mingotti ſchnell ſein Glük zu machen; dieſe Spekulation ruinirte ihn. Gensthigt, ſich wieder zu ſeinem Gewerbe zu wenden, nahm er Schüler an, und gab einige Konzerte. Die Kataſtrophe hatte ſeinen, ohne— dies grillenhaften und mürriſchen Charakter noch mehr erbittert; das Alter näherte ſich mit ſchnellen Schritten. Indeſſen hätte er nach einem dreißigjäh— rigen Aufenthalte in England, und nach der glänzenden Rolle, welche er da— ſelbſt geſpielt hatte, auch in ſeinen alten Tagen auf das öffentliche Mitgefühl rechnen dürfen; aber er zerriß die alten Bande, um in Begleitung William Hamiltons eine neue Laufbahn in Italien zu beginnen. Italien hatte ihn vergeſſen; jüngere Talente theilten ſich in die öffentliche Gunſt. Er kehrte wieder nach England zurük, allein fünf Jahre der Abweſenheit hatten auch hier Alles verändert. Die Waſſerſucht bedrohte ihn, ſeine Ausſicht wurde von Tag zu Tag ſchlechter, und ſo mußte er ſich noch glüklich ſchäzen, in demſel— ben Orcheſter, deſſen Jupiter er war, als ein Ueberzähliger eine Anſtellung zu finden. Er verſuchte es mit einer opera burletta in dem kleinen Theater von Hay-Market, und ſcheiterte. Er reiſte nach Petersburg, wohin ihm ſein Mißgeſchik folgte, Moskau war ihm eben ſo wenig günſtig, und er ſtarb da— ſelbſt in ſeinem achtzigſten Jahre. Dies war das unglüliche Ende eines Künſt— lers, deſſen Schule ſich noch lange Zeit nach ſeinem Tode erhalten hat. Auf Glardini folgte ein Violiniſt, deſſen vollendete Kunſt der klaſſiſchen Schule augenbliklich ihren Ruf ſichern mußte.
(Fortſezung folgt.) 5
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