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wenn es ihm möglich geweſen wäre, den Oenüſſen zu entſagen, die er ſelner Kunſt verdankte.

Doktor Burney, ein geiſtvoller Schriftſteller und ſelbſt ein guter Mu⸗ ſiker, gibt uns eine Schilderung von dem Charakter des Styls Tartini's. Man muß jedoch bemerken, daß Burney Klavierſpieler war, und daß ſein In ſtrument der Antipode der Violine iſt. Die Wirkung, welche Tartini auf ſeine Zeitgenoſſen ausübte, kann uns allein einen Maßſtab zur Würdigung ſeines Verdienſtes geben. Seine Kompoſitionen verlangen eine Hand, wie die war, die ſie niederſchrieb. Burney ſcheint uns ungerecht gegen den großen Künſtler zu ſein, aber ſein Urtheil iſt deshalb nicht weniger intereſſant.

Tartini hatte Corelli zum Muſter der Reinheit der Harmonie, und der Einfachheit ſeiner Modulationen genommen; er ließ ihn weit hinter ſich durch die Fruchtbarkeit und Originalität ſeiner Kompoſitionen, nicht allein in Ve treff der Melodien, ſondern auch in der wahren Manier, ſie als cantabile zu behandeln. Zu einer großen Anzahl ſeiner Adagio's fehlt nur ein Text, um vortreffliche und ergreifende Operngeſänge daraus zu machen. Seine Allegro's ſind zuweilen ſchwer auszuführen, aber ſeine Paſſagen, die zu gekünſtelt er ſcheinen könnten, gab dem Künſtler die genaue Kenntniß des Fingerſazes und ſein mächtiger Bogenſtrich an die Hand. Wenn indeſſen die von ſeinen Schü lern geſpielten Adagio's und Solo's von Vollkommenheit und ſeelenvollem Ausdruk zeugen, ſo ſcheint ihnen doch jene Kraſt, jenes Feuer, jene Frei heit des Bogens zu fehlen, welche die modernen Symphonien erfordern.

Man muß das Talent Tartini's des Violinſplelers, nicht nach ſeinen muſikaliſchen Kompoſitionen beurtheilen. Die erforderlichen Fähigkeiten zum Komponiren und zur ausgezeichneten Ausführung ſind etwas ſehr Verſchiedenes. Unter hundert berühmten Muſikern ſind vielleicht neunzig nicht im Stande, ſelbſt etwas zu komponiren. Die Flut von ſchwachen und geſchmakloſen, oder ausſchweifenden charakterloſen Kompoſitionen, mit welcher die muſikallſche Welt in unſern Tagen überſchwemmt wird, hat ihre erſte Quelle in der lächerlichen Eigenliebe der Klavier-, Harfen- und Violinſpieler von Ruf. Dieſe Herren wollen durchaus für Genies angeſehen werden, und wenn ſie unſere Ohren be hexen könnten, ſo würden ſie uns mit ihren Werken allein überſchütten, und wir müßten auf gediegene Kompoſitionen Verzicht leiſten. Die Art von Anbe tung, die ausgezeichneten Künſtlern zu Theil wird, hat ſchon mehr als Einem den Kopf verdreht. Es gibt ſelbſt gegenwärtig keinen Stand, der ſo viele erzentriſche Menſchen lieferte, als den der Muſiker. Verackni war der extra vaganteſte Künſtler ſeiner Epoche. Voll Prahlerei, voll Eitelkeit und Elgen⸗ dünkel, nannten ihn ſelne Mitbürger nur den capo pazzo(den Hirnloſen). Folgende Anekdote möchte ihm am beben charakteriſiren.

Die berühmteſten Muſiker Italiens vereinigten ſich zu Lucca, um la fe- sta della Croce zu feiern. Veracint, welcher den Einwohnern von Lucca nicht bekannt war, ſchrieb ſich ein, um ein Solo zu ſpielen. Als er in das Chor eintrat, bemerkte er, daß man ſein Anerbieten nicht ſehr beachtet hatte, und daß Pater Laurenti, aus der Brüderſchaft von Vologna, den Pult einnahm, an welchem das Violinſolo geſpielt werden ſollte. Damals beſtand das Orche⸗ ſter der Hauptkirchen meiſteus aus Gelſtlichen. Veracini begab ſich, ohne einen