Kunst, Eleganz und Mode.
Vebuter Gbr gæuug.
39. Mittwoch, 17. Mai. 1837.
Berühmte Violiniſten.
Corelli.— Geminiani.— Carbonelli.— Tartini.— Veracini.— Nardini.— Felice Giardini.— Glornowichi.— Viotti.— v. Beriot.— Spohr.— May⸗ ſeder.— Paganinl.— Ole-Bull.
(Fortſezung.)
Man hat die Bemerkung gemacht, daß berühmte Violinſpieler im reife⸗ ren Alter die Vollkommenheit in etwas Anderem ſuchen, als ſie dies in ihrer Jugend thaten. Ihr Geſchmak reinigt, ihr Feuer mäßigt ſich, ihr Styl zeich⸗ net ſich durch Eleganz und durch die Vorneigung zum cantabile aus; ſie ſu⸗ chen nicht mehr blos Schwierigkeiten zu überwinden, oder durch Ueberraſchung und Kraftſtreiche zu glänzen. Tartini ſelbſt geſteht, daß er bis in ſein drei⸗ ßigſtes Jahr wenig oder nichts gelelſtet habe. Die bekannte Anekdote ſeines Traumes beweiſt übrigens, mit welchem Eifer er den Studien obgelegen. Lalande, welcher ſie erzählte, hatte ſie aus ſeinem eigenen Munde:„Im Jahre 1713 träumte nämlich eines Nachts Tartini, er habe einen Pakt mit dem Teufel gemacht, und dieſer ſtehe nun zu ſeinen Dienſten. Es war ihm, als habe er ſeine Violine dieſem anvertraut, um zu ſehen, ob ſein neuer Diener im Stande ſei, ihr harmoniſche Akkorde zu entloken; wie groß aber war ſein Erſtaunen, als er eine höchſt bizarre Sonate hörte, mit ſo vieler Ueberlegenheit und Geiſt vorgetragen, daß es mit nichts zu vergleichen war, was er je in ſeinem Leben gehört hatte. Erwacht durch den außerordentlichen Eindruk, den dies Spiel auf ihn machte, ergriff er augenbliklich ſeine Vio— line, in der Hoffnung, wenigſtens einen Theil des Gehörten wiederzufinden, aber vergebens. Die Sonate, die er nachher komponirte, war in der That das Beſte, was er je gemacht hatte, deſſenungeachtet aber ſteht ſie ſo tief unter dem, was er gehört zu haben glaubte, und was ihn ſo tief ergriffen hatte daß er ſeine Geige zerbrochen und alle Muſik auf immer verabſchiedet hätte,


