Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
302
 
Einzelbild herunterladen

302

Juni die Prager Bühne. Eine recht angenehme Verlaſſenſchaft. Ich bin neu gierig, wohin ſie tanzen wird. Dieſe Woche tritt der bekannte Kunſt auf und Ende dieſes Monats wird Ne ſtroy erwartet. Heute wird zur Vene fize der Dem. Stubenrauch das Birch Pfeifer'ſche Dramadie Wittwe ge geben. Ich ſoll das Ding anſehen? Leben Sie wohl und beten Sie für Ihren H.

Mignon⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. (Neunte Liefer.) Saphir hat uns wie- der Etwas vorgeleſenüber den Man gel an Menſchheit beim Ueberfluß von Menſchen. Recht wizig! Braun v. Vraunthal deklamirte eine Ballade, die er ſelbſt gedichtet:Das Jagd ſchloß auf dem Friedhofe. Hr. v. B. trat zum erſten Male als Dek lamator auf, er zeigte ſich befangen, was na⸗ türlich iſt, ſprach indeß mit edler Hal tung, vielleicht aber doch etwas zu ſchnell. Es iſt gut, daß Dichter gegen wärtig ihre Gedichte ſelbſt zu leſen beginnen, denn ſonſt lieſt ſie ohnehin Niemand. Unſer Jahrhundert pulſirt eben nicht ſehr liebevoll für die Poeſie und die frühere Bemerkung möge daher Niemand etwa auf Hrn. v. B., einen der ſchäzbarſten deut ſchen Literaten, beziehen. Der kleine Blaſeengel auf dem Waldhorn, Lewy, ſprach ein Ge dichtchen und akkompagnirte ſich auf ſeinem Horn dazu. Ein Zweigeſpräch, gehalten von den Damen Peche und Bauer, dann eine Arie, geſungen von Hrn. Rigamonti, alle dieſe und die früher berührten Nummern bildeten ein Konzert, welches Hr. Saphir zum

Beſten einer armen Familie veranſtal⸗

tete. Der Saal war ſehr voll und das

Publikum das gewählteſte.) In dem Joſephſtädter Theater gab man jüngſt dieGriſeldis. Zuerſt in der Burg, dann an der Wien, nun in der Joſephſtadt; vielleicht wer weiß, was noch geſchieht? ſehen wir die Griſeldis nächſtens auf der Leopold ſtädter Bühne! Hr. Wagner(Perci val), Dem. Leynſitt(Griſeldis) ſind lobenswerth; über die Beſezung der andern Parthien läßt ſich nichts ſagen. Der Rieſe Bihin ſoll beim Fürſten Lichtenſtein als Portier engagirt wer den mit einem Gehalte von 1000 fl. C. M. Ich gratulire Hrn. Bihin, wenn er im Lichtenſtein'ſchen Hofe ſein Glük findet! Freut Euch, Wiener! bald kriegen wir Vihin unentgeltlich zu ſehen!! Der Berliner Ekenſte her Nante bekömmt in Wien einen Bruder oder Kouſin; es wird hier eine Brochüre herauskommen, unter dem Ti tel:der Wiener Ekenſteher. Wir wollen ſehen, ob das Büchlein auch 15 Auflagen erlebt. Straube hat ein BändchenSagen und Märchen her ausgegeben. Nächſtens ein Urtheil über das Buch. Dr. Groß-Hoffinger, dieſes Schriftſteller-Chamäleon, wird, wie man mich als beſtimmt verſichert, vom Jänner 1858 hier in Wien eine neue Zeitſchrift redigiren. Was birgſt du Neujahr noch für neue Zeitſchrif ten?! Ich mache einen Abſaz und ſchreite zur Mittheilung einer Bege benheit, wie ſie hier noch nicht häufig vorgekommen. Hr. Wieſt ſchrieb vor einem Jahre einen trefflichen Aufſaz: die Wiener Marqueurs, der ſich im öſter. Morgenblatt befindet und von da

*) Ein anderer Korreſpondent meldet uns, daß das Konzert von Perſo- nen des höchſten Ranges beſucht wurde, und daß Saphirs Vorle ſungen ſo trefflich und treffend wa⸗ ren, daß der Beifall ſich einſtim⸗ mig und unzweideutig N