Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
301
 
Einzelbild herunterladen

301

luſtige Leute hingegen ſchnell. Der Ungeduldige und Unglükliche ſchöpft aus ſeiner Pfeife, und Derjenige, welcher einen guten Gedanken ausgeſprochen zu haben meint, ſendet ihm raſch einen tüchtigen Zug aus der Pfeife nach, gleich ſam als wollte er ſich ſelbſt ſalutiren.

4

Der Berliner in Wien.

Ein Berliner, der zum Erſtenmal nach Wien kam, wollte alter Sewohn heit nach einen Schnaps trinken, fand aber zu ſeinem Erſtaunen keinen Brannt- weinladen; er trat deshalb in ein Weinhaus mit den Worten:Kriegt man hier Rum? worauf der ehrliche Wiener entgegnete:Nein, hier kriecht man nicht'rum, hier ſezt man ſich.

Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Theater.

Prag(3. Mai). Das Geburts⸗ feſt unſeres vielgeliebten Kaiſers ward bei uns freudig und feſtlich begangen, durch Werke der Wohlthätigkeit wie durch Errichtung wohlthätiger Inſti tute herrlich gefeiert. Im Theater ward bei dieſer feierlichen Gelegenheit Dümas Schauſpiel:Kean, bei feſtli⸗ cher Beleuchtung gegeben, welches dra matiſche Gebilde der Beurtheiler in derBohemia ein Luſtſpiel(i) nen⸗ net. Andere theatraliſche Novitä ten gibt es pro primo Gäſte, und un ter dieſen nenne ich nach Sitte und Gebrauchl zuerſt Dem. Stubenrauch, die ſich als Jungfrau, Donna Diana, Maria Stuart, Elsbeth u. ſ. w. als eine liebenswürdige Schauſpielerin re präſentirte, die ein ſeelenvolles Auge und ein phantaſiereiches Spiel beſtzt. Hiezu kommt noch eine impoſante Fi gur, was braucht man mehr um zu ſie gen! Dann iſt bei uns Hr. Unzelmann aus Berlin(2) vom Oldenburger Hof theater.(11) Ein quekſilbernes Männ⸗ chen, der des Guten viel zu viel thut. Ueber ſeinen Dünois in derJung⸗

frau jubelte die Gallerie und lachte das Parterre. Dem Vernehmen nach ſoll er engagirt ſein. Nr. 3 iſt ein Hr. Röhn aus Breslau, der als Tamino die Waſſer- und Feuerbrobe nicht be⸗ ſtand und nur dies Eine Mal gaſtiren konnte. Das einzige neue Stük, das uns vorgeführt wurde, wardie Be kanntſchaft im Paradiesgarten, die Ent führung in den Himmel und die Ver- lobung im Eliſium von Friedrich Hopp, Muſik von Julius Hopp. Dieſe Poſſe iſt weder von einem theatrali ſchen Friedrich dem Großen noch die Muſik von einem muſikaliſchen Julius Cäſar. Beide gehen hopp! hopp! hopp! und wenn man über Fadaiſen dieſer Poſſe lachte, ſo lachte man wieder dar über, daß man über derlei Zeug ge lacht habe. In der Darſtellung mach ten ſich Dem. Schuhmann, Mad. All- ram und die H. H. Feiſtmantel, Prei⸗ ſinger und Walter vortheilhaft bemerk bar. Am 2. Mai trat in denKreuz rittern Dem. Jeny Lutzer zum lezten Male als engagirtes Mitglied auf, d. h. ſie wird im Mai noch fernerhin als Gaſt auf unſern Brettern weilen und im Juli nach ihrem Eldorado Wien gehen. Dem. Zöllner verläßt Ende