Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
300
 
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300 Affenfreundſchaf t.

Eln Beamter in Oſtindlen hatte auf ſeinem Landhauſe unter andern Thieren auch einen grauen Affen mit ſchwarzem Geſichte, langen Armen und langem Schweife, der ſeiner Bosheit wegen an einen Pfahl gebunden war. Eines Morgens ſah die Gattin des Beamten, welche die Grimmaſſen gern beob achtete, ein anderes Thier derſelben Art bei dem Gefangenen. Niemand in der Nähe beſaß einen ſolchen Affen und der Fremde mußte ein Bewohner der Wälder ſein. Es fand eine intereſſante Szene zwiſchen den beiden neuen Freun den ſtatt. Nach vielen Grimmaſſen und Geplapper ſtand der wilde Affe auf, um ſich zu entfernen, kehrte aber, als er ſah, daß ihm der andere nicht folgte, wieder um, ſchlang einen Arm um den Hals deſſelben und ſchien ihm aufzu fordern, mitzugehen. Der Gefeſſelte ging ſo weit, als ſeine Kette reichte, denn weiter konnte er nicht. Nach einiger Zeit ſchien der wilde Affe die Ur ſache des Bleibens ſeines Freundes zu begreifen; er ergriff die Kette und ver ſuchte, dieſelbe zu zerreißen; was ihm natürlich nicht gelang. Nach mehreren derartigen vergeblichen Bemühungen ſezten ſich die beiden Affen in der Stel lung des Kummers nieder, welche die Hindus wahrſcheinlich von dieſen Wald bewohnern entlehnt haben, vergoſſen viele Thränen und rangen in Verzweif lung die Hände. Den nächſten Tag erneuerte ſich dieſer Auftritt, aber es hat- ten ſich zwei fremde Affen eingefunden, bei denen ſich der lebhafteſte Wunſch zeigte, ihren Freund zu befreien. Sie verſuchten es mit Schmeicheleien, dann wendeten ſie Gewalt an, und als Alles vergeblich war, brach ihr Schmerz aus: Die Thränen ſtrömten über ihre Baken und ſie ſchienen ganz verzwei ſelt zu ſein. Den dritten Tag kamen vier fremde Affen, und es fanden zahl reiche und lange Berathungen unter ihnen ſtatt. Sie verſuchten, den Gefan genen auf einen Baum ſteigen zu laſſen, aber die grauſame Kette hielt ihn auch da zurük. Da ſtießen ſie gellendes jammerndes Geſchrei aus und ſtürzten mit ſolcher Wuth auf die Kette, daß das Leben ihres Kameraden in Gefahr kam. Die Dame konnte ſo viel Freundſchaft nich länger vergeblich ſich abmü hen ſehen und befahl einem ihrer Leute, den Gefangenen frei zu machen. So bald die Fremden ſahen, daß die Kette ihn nicht mehr hielt, war ihre Freude grenzenlos, ſie umarmten ihn alle Augenblike, hüpften um ihn herum, nah men ihn endlich am Arme und führten ihn in den Wald zurük. Nie hat man ſeitdem wieder etwas von ihnen geſehen.

Das Tabakrauchen als Mittel zur Beurtheilung des Menſchen. N

Bekannt iſt es, daß man das Temperament des Menſchen an ſeinem La chen hat erkennen wollen; wer ſich bei ſeinen darauf begründeten Beobachtun gen etwa getäuſcht haben ſollte, der möge es in Reſſourcen oder andern Ge ſellſchaften mit den Tabaksrauchern verſuchen. Wir geben dazu folgende Anleitung: g f

Denkende Köpfe und ſtille in ſich gekehrte Naturen blaſen den Nauch aus der Pfeiſe nach abwärts; heftige und ſtolze Menſchen treiben ihn nach oben. Pedantiſche und tiefſinnige rauchen in langſamen Zügen; heitere und