295
kalb recht mondkalbiſch, folglich gut. — Daß unſere erſten Mitglieder des Schauſpiels, wie Dem. Mäller und Hr. Thoméè in dieſem niedern Genre heſchäftigt wurden, geſchah wohl nur zu Ehren des geſchäzten Gaſtes.(Die frühern Gaſtrollen des Hrn. Neſtroy waren in den Stüken:„50 Jahre aus dem Leben eines Lumpen“,„15 Mäd⸗ chen in Uniform“,„der Tritſchtratſch“, „Eulenſpiegel“. Geſtern am 9. Mai ſpielte er den Luſtig in Bäuerles„Pri⸗ ma Donna.“ M. Berlin. Hr. Rott, vom Thea⸗ ter in Peſth, ſezt ſeine Gaſtrollen auf der Königſtädtiſchen Bühne mit dem beſten Erfolge fort. Unſere Blätter ſind voll des Lobes über dieſen talent vollen Komiker. So ſagt der„Verli— ner Modenſpiegel“:„Unſer Gaſt iſt ein ganzer Künſtler, der genau weiß, was er will, deshalb wiſſen wir auch vollkommen, was wir an ihm haben! Figur, Stimme, Geiſt und Talent, Alles vereinigt ſich zu einem Künſtler, der zu den ſeltenſten zu zäh—⸗ len iſt.“ Ein anderes Blatt ſagt: „Wir hoffen, der Hr. Kommiſſionsrath Cerf(Direktor des Königſtädtiſchen Theaters) wird nicht anſtehen, Herrn
Rott zu engagkren, damit er ſagen kann:„Auch ich habe einen Rott bei mernem Theater!“(Wir in Peſth aber wollen hoffen u. wünſchen, daß er das nie ſagen möge.) Am 26. April gab Hr. Nott zum Erſtenmale den Valentin in Rai⸗ munds„Verſchwender.“ So ſehr die⸗ ſes lezte Werk Raimunds hier auch ge⸗ fiel, ſo trug doch das unübertreffliche Spiel des Hrn. Rott das Meiſte hiezu bei, und ſein Nachfolger dürfte einen ſchweren Stand haben. Hr. Rott ward am Schluſſe mit einem wahren Bei⸗ fallsſturm gerufen. S.
Ku uſt.
Wien. In Kommiſſion bei Ar⸗ taria und Komp. erſchien ſo eben ein Fami liengemälde des öſterreichiſchen Ho⸗
fes, unter dem Titel:„Familien⸗Ver⸗ einigung des öſterreichiſchen Kaiſerhau⸗ ſes im Herbſt 1854, nach einem nach der Natur gemalten Bilde von Fendi, geſtochen und herausgegeben von Joh. Caſſini. Dieſes Kunſtwerk, welches unbe— ſtritten ſowohl in künſtleriſcher Auffaſ— ſung als Ausführung dem Beſten in die⸗ ſem Fache gleich zu ſtellen iſt, enthält in der ſinnigſten Anordnung 57 Figuren mit vollkommener Porträtähnlichkeit, worunter ſich auch Se. Maj. der ver⸗ ſtorbene Kaiſer Franz befinden. Ge— wiß eine eben ſo treffliche als erhabe⸗
ne und in hiſtoriſcher Beziehung für
alle Zeiten intereſſante Darſtellung. Der talentvolle und in der Kunſtwelt bereits ruhmvoll bekannte Verfaſſer, Hr. Joh. Caſſini hat dieſes Familien- blatt Ihrer Durchlaucht unſer aller- gnädigſten Kaiſerin Mutter dedizirt, welche nicht nur die Dedikation deſſel⸗ ben annahm, ſondern auch dem Künſt— ler Ihre aller höchſte Zufriedenheit durch Ueberreichung einer brillantenen Bu— ſennadel zu bezeugen geruhte. Auch ha— ben bereits ſämmtliche hohe Glieder des allerhöchſten Kaiſerhauſes, ſo wie alle höchſten und hohen Kavaliere auf das Werk pränumerirt.— Abdrüke die— ſes Kunſtwerkes vor der Schrift zu 40 fl. C. M., mit der Schrift auf chineſiſchem Papier zu 25 fl., auf ſchö— nem engliſchen Papier pr. 20 fl. ſind in der obenerwähnten Kunſt handlung und bei dem Künſtler: Joſephſtadt, Roveranogaſſe, Nr. 79, zu bekommen. — Der Hr. Kapellmeiſter Adolf Mül—⸗ ler hat eine neue Kompoſition:„Lied des Cſikos“, für Singſtimme mit Klavierbegleitung geliefert, welche in mehreren Salons bereits produzirt wur— de und unſtreitbar zu den ſchönſten Kompoſitionen neuerer Zeit gehört. Der Kompoſiteur beabſichtigt dieſes Tonſtük in einer Kunſthandlung Peſths zu verlegen. 9 85


