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Hrn. Neſtroy als Karl Maria Tiburtius Hecht, in einem ſeiner chel d'oeuyre's: „der Affe u. der Bräutigam“ in Au⸗ genſchein zu nehmen. Ich fand das Theater bis zum Erdrüken voll, ſo groß war die Begierde des Publikums, den Genuß dieſer Rolle an der erſten Quelle zu ſchöpfen und in der That auch meine Erwartungen waren nicht wenig geſpannt, zumal dieſe Rolle zu den trefflichſten Leiſtungen des Herrn Lang in peſth gehört. Was die Poſſe anbelangt, ſo iſt ſie ſchon zur Genüge beſprochen worden, ſo wie die öffent— liche Meinung Neſtroy als Poſſendich— ter einen gebührenden Plaz angewieſen hat. Dieſer„Affe de.“ iſt nur ein Ge— legenheitsſtük, welches einem Gymna— ſtiker zur Folie ſeiner kontranatürlichen Gliederverdrehungen dienen ſollte. Aber je leichtfertiger der Verfaſſer ſeinen Stoff be handelte, ſo wenig er auch die dramatiſche Gerechtigkeit in Anſpruch genommen haben mag, ſo iſt ihm doch ſeine flüchtige Arbeit in ſo fern gelun— gen, als ſie von Anfang bis zu Ende das Publikum faſt iſt ſteter Heiterkeit erhält. Wir fragen nicht, ob unter allen Gutsbeſizern der ziviliſirten und nicht ziviliſirten Welt ein Exemplar zu finden wäre, das an Einfalt u. Stu⸗ pidität ſo ausgezeichnet wäre, wie dieſe Hrn. v. Flachkopf u. Mondkalb; es darf uns auch nicht auffallen, wenn andere in dieſem Stüke agirende Menſchen, mit an— ſcheinend geſundem Verſtande, halsſtar— rig einen Affen für einen Menſchen, und einen Menſchen für einen Affen anſehen können und was dergleichen Kleinig— keiten mehr ſind. Aber die frappanten und äußerſt komiſchen Situationen, der ſprudelnde Wiz, wenn ihm auch hie und da etwas Schmuz anklebt, die ar— tigen Lieder entſchädigen für Alles!, und vor Allem das ergözliche Spiel. Ja, Hr. Neſtroy iſt ein guter Komi— ker, der als Baſis ſeiner Kunſt Wahr⸗
beit und Natur hat. So viel ich frag⸗ mentariſch entnommen habe, iſt der „Hechtiſche Charakter“ bald verliebt bald kalt, bald treu bald unbeſtän— dig, bald eiferſüchtig bald gleichgiltig, bald ſchwach bald ſtark, bald choleriſch bald phlegmatiſch, und in alle dieſe Ver— hältniſſe wußte ſich unſer Gaſt mit Geſchik zu fügen und Allem eine hu— moriſtiſche Seite abzugewinnen. Wohl hätte man Manches beſſer markirt und hervorgehoben gewünſcht, ſo z. B. iſt Hr. Lang in Peſth in der Szene, wo er ſeinen Herrn zum Erſtenmale in der Maske des Affen erblikt, äußerſt dra— ſtiſch; aber der Schöpfer der Rolle muß wohl die beſte Anſicht davon ha— ben, und wenn uns Einiges, das uns bei Lang ſo gefiel, bei Neſtroy in Ver luſt gerieth, ſo erſezte Lezterer wie— der Anderes durch ein köſtliches, nicht umzubringendes Phlegma und durch ſein äußerſt wirkungsvolles Geſüchts⸗ ſpiel. Auch die Lieder trug er mit komiſchem Pathos vor und der glän— zendſte Effekt konnte ihm nicht entge— hen; die Stimme iſt gut und der Vor— trag klug gewählt. Das Affenlied muß⸗ te er da capo ſingen; ſchade, daß er nicht einen zweiten Text in Vorrath hatte; auch von dem ſchnurrigen Quod— libet wurde eine Wiederholung ver— langt— das war zu viel; er repe— tirte nur den Schluß. Der ganze Ein— druk war ein günſtiger u. Hr. Neſtroy ward am Schluſſe gerufen.— Die Hauptrolle des Stükes, den Affen, re— präſentirte ein Herr Kaczer(2). Der Mann hat ein gutes Affen-Organ, auch beſizt er andere hoffnungsvolle Anlagen. Hände und Füße ſind ihm gleichviel er bewegt ſich damit recht gewandt. Ich zweifle nicht, daß er noch ein ausge⸗ bildeter Affe wird, nur dürften dann allerdings die Affen aufgehört haben, ein Modeartikel auf der Bühnenwelt zu ſein.— Hr. Strauß gab den Mond⸗


