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genen?“ hieß das neue dreiaktige Luſt⸗ ſpiel, das W. Vogel nach dem Engli— ſchen bearbeitete, das aber, wegen des Wüthens der Elemente, nur ein äu— ßerſt kleines Publikum anzog. Dieſes kleine Publikum aber mag auch ſchon lange keinen ſolchen gemüthlich-ergöz— lichen Genuß gehabt haben, als an dieſem Abend. Dieſes Luſtſpiel gehört zu den beſſern Erſcheinungen des Ta— ges. Die Handlung hat einen lebhaf— ten, raſchen Gang, der Dialog iſt ge— fällig und mitunter wizig und der Schluß befriedigend. Gleichgiltigkeit in der Ehe, Eiferſucht und wiederge— kehrte Liebe ſind die Hauptelemente des Stükes. Wenig Neues, aber Alles ſehr gewandt, bühnenkundig und wir— kungsvoll durchgeführt. Die Darſtel⸗ lung konnte man im Ganzen eminent nennen, ſo viel Fleiß und Rundung be— merkte man darin. Vorzüglich waren Mad. Kalis-Padjera, Hr. Kalis und
Herr Poſinger; dann kommen Mad.“
Grill, Hr. Dietrich und Dem. Deny. Die Damen Kalis und Grill wettei— ferten an Glanz u. Geſchmak der Gar— derobe. Das Miniatur-Publikum un— terhielt ſich ungemein und die zweite Vorſtellung dürfte ein volles Haus ha⸗ ben.— Einige Tage vorher legte Mad. Pohl-VBeiſteiner, als Amina in Be— linis„Nachtwandlerin“, einen neuen Beweis ihrer Vielſeitigkeit ab. Sie führte den Part ſiegreich durch, unge— achtet er ein Brillant in dem Rollen— kranze der Mad. Mink iſt, und leztere Sängerin darin große Triumphe feier te. Die H. H. Oberhoffer und Kreipl, ſo wie Dem. Walter waren ſehr ver— dienſtlich.— In Schillers„Fiesko““, am C6. d. M. gegeben, hatte unſer neu— engagirte Schauſpieler, Hr. Deſſoir, in der Titelrolle Gelegenheit ſein ſchö— nes Oarſtellungstalent glänzend zu ent— falten. In allen Momenten trat der gebildete und denkende Mime hervor,
und wenn wir wieder bet einigen Kraft⸗ ſtellen einer mit vieler Beharrlichkeit behaupteten Ruhe, die faſt zur Kälte wurde, begegneten, ſo ließ er ſich doch auch nicht zu einer überwältigenden Flagranz hinreißen, die oft eine Un⸗ natur annimmt.— Er erhielt Beifall und Anerkennung der Kunſtverſtändi⸗ gen.— Die übrigen Hauptrollen wa⸗ ren in guten Händen. Mad. Kalis war eine ſanfte, liebeathmende Leonore; Mad. Deny gab die kokette Julie mit einer wahren künſtleriſchen Auffaſſung. Hr. Poſinger war als Mohr zu wenig geſchmeidig-boshaft. Das Raſche und Barſche paßte nicht hieher. Hingegen waren die Hrn. Verg(Verina), Dietrich (OGianetto), Kalis(Burgognino), Pault (Andreas Doria), Treumann(Lomelino), Fröhlich(Kalcagno) recht gut auf ih⸗ ren PVoſten.— Am 7. erſchien Herr Rappo zum zwölften und lezten Male auf unſerer Bühne. Er wandte diesmal Alles auf, um das Superlative ſeiner Kunſt zu zeigen. In der That gab es des Staunens und Bewunderns viel. Dieſe leichten Spielereien, wie ſchwer ſind ſie! Dieſe ſchweren Din- ge, wie leicht führt er ſie aus! Das Publikum drükte ſeine vollſte Zufrie— denheit aus und Rappo, Vater und Sohn, ſo wie Motty erhielten ſtürmi⸗ ſchen Beifall des vollen Hauſes. Hag.
Ofen.(Hr. Neſtroy als Gaſt.) Ich habe in irgend einem Blatte ge— leſen, daß„der Affe und der Bräuti⸗ gam“, nächſt dem„Lumpazivagabun— dus“, das beſte Werk Neſtroy's wäre. Ich glaubte es jenem Rezenſenten auf's Wort und da ich auch in ſichere Er— fahrung brachte, daß der berühmte „Lumpazi“ nicht in dem Verzeichniß der
Stüke liege, die unſer Wiener Gaſt
zu ſeinem hieſigen Rollen-Cyklus wähl⸗ te, ſo beſchloß ich am 7. Mai den Fe- ſtungsberg zu erſteigen, um in dem darauf ruhenden niedlichen Theater


