Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
290
 
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der:Laß doch geſchwind den Schwan heraus. Der Kleine öffnete die Steige, wie man ſie hat, um Kapaunen und Gänſe zu ſtopfen. Sogleich flog eine Gans heraus, ihre Federn aber waren umgekehrt und ſchon geſchnitten.Se hen Sie, ſprach die Dame,ſo hat die Zeit den Schwan Apollo's zugerich tet. Manchmal laß ich dies Thier fliegen, und wo es an ein Haus anſtreift, entſtehen wunderbare poetiſche Träume dummes Zeug, wie die Leute ſagen. Schauen Sie ihm nur zu. Der eidevant Schwan flatterte an der Wand auf und ab, und wie die Federn die Mauer berührten, entſtanden ſeltſame Buch ſtaben, wahrſcheinlich arabiſche; der Frak aber begann emſig nachzuſchreiben. Je länger Johannes der Gans zuſah, um ſo deutlicher wurde ihm die Schrift, und endlich las er Folgendes:

Es war einmal ein Kaiſer in China; dieſer hieß Tſchion-Tſchau. Er war ein großer Zauberer und liebte die Mädchen wo er ein hübſches wußte, ließ er es fangen und in ſeinen Pallaſt ſperren. Sein vornehmſter Gehilfe hiebei war ein Mandarin. Dieſen ſtellte er auf den höchſten Berg, woſelbſt er Telegraphendienſte verrichtete. Da geſchah es aber, daß der Mandarin ſelbſt in Liebe entbrannte zu einem chineſiſchen Mädchen, Kiong-gru geheißen; er durfte aber ſeinen Berg nicht verlaſſen, weil der Zauberer eben der wun derſchönen Roſagialla, Tochter der Blumenkönigin, auflauerte, und der Man darin ihm das Zeichen geben ſollte, wann die Blumenkönigin ihr Land ver laſſe, damit er, Tſchion-Tſchau, alsdann die ſchöne Roſagialla rauben könne. Nun erfuhr aber die Blumenkönigin dieſen Anſchlag, denn ſie war auch eine Fee, und ſammelte ein Heer. Der Mandarin aber bemerkte dies nicht, ſo ſehr beſchäftigte ihn ſeine Liebe zu Kiong-gru; und als die Armee der Blu⸗ menkönigin ſchon in China war, wollte er zwar telegraphiſch anzeigen:Der Feind iſt da! ſtatt deſſen aber deutete er:Kiong⸗gru, ich liebe dich! So geſchah es, daß der Zauberer überfallen und jämmerlich geſchlagen wurde und ſchwören mußte, Roſagialla nie zu rauben. Dafür aber ließ er ſeinen Zorn am Mandarin und Kiong-gru aus. Den Mandarin knüpfte er an eine eilende Wolke, ſo daß er in vierundzwanzig Stunden durch alle Klimate getrieben wurde und an dieſem Temperaturwechſel ſtarb. Die Königin jedoch erbarmte ſich ſeiner; weil ſie durch ſeine Nachläſſigkeit geſiegt, verwandelte ſie ihn in ein Barometer und ſchenkte es ihrer Freundin. Dieſe war auch eine Fee und zwar Fürſtin im Land der Freundlichkeit, der Anmuth und des Geiſtes, hatte aber aus Phantaſie ſich unter den Menſchen angeſiedelt, als ob ſie ihres Glei chen wäre, und gab ſi r eire Baronin aus. Dieſe Baronin Fee nun ver barg das Barometer lange vor den Nachſtellungen des Zauberers Tſchion-Tſchau. Endlich in einer günſtigen Zauberſtunde bewirkte ſie dem Mandarin auf ſieben Monate ſeine frühere menſchliche Geſtalt, aber nur auf zwölf Stunden täg lich, die andern zwölf Stunden muß er Barometer ſein. Wenn in ſieben Mo naten einer jener Geiſter erliſcht, die die Baronin Fee in ihren maglſchen Kreis gezogen, lebt der Chevalier neue ſieben Monate, darum führt er ſein Sterbeprotokoll. Als Barometer zeigt er nun auch nicht mehr die Witterung, ſondern ſeine eigene Lebenskraft. Als er zum erſten Male in den Salon trat, zog es ihn unwillkührlich zum Ofen hin, und ſeine Augen ſtarrten feſt auf ein Gebild, welches die verzierende Hand des Töpfers darauf angebracht zu haben ſchien. Ach, ſein Herz ſagte es ihm ja, dies ſei die liebliche Kiong⸗gru,