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ſind, warum nennſt du mich einen Mann aus dem Volke? Marquis: Du, du biſt nicht gleich. Lupin: Ja, ſag' ich, ich bin gleich. Marquis: Da ſeht mir doch, der will gleich ſein, und hat doch einen Bukel! Der Präſident macht dieſer belebten Konverſation der beiden Proletarier ein Ende, und verurtheilt den ariſtokratiſchen Lumpenſammler zur Strafe.— Eine intereſſante Erſchei— nung iſt mir die Ankunft des Violini⸗ ſten Möſer aus Berlin, nebſt ſeinem zehnjährigen Sohne, den die hieſigen Blätter ſchon im Voraus„den kleinen Paganini“ nennen. Möſer's Name iſt allen Dilettanten des Violinſpiels hier wie im Vaterlande bekannt genug, und der Sohn, für deſſen Geſchiklichkeit der Name ſeines Vaters und Lehrers Bürgſchaft leiſtet, wird ſicher nicht er mangeln, ſich einen ehrenvollen Ruf zu erwerben. Laſſen wir daher Paga— nini ſeinen Lorbeer, und fordern wir nicht zu Vergleichen auf!— Eine Wahrſagerin, Mad. Clement, die ſich prophétesse à la mode nennt, kündigt ſich in den Zeitungen an, und macht darauf aufmerkſam, daß ſie ihre Kunſt gleich der berühmten Lenormand ver— ſtehe, welche Napoleon ſelbſt auf ih— rem pythiſchen Dreifuß beſuchte. Fer- ner führt ſie an, daß ſchon ihre Mut— ter die hohe Gabe der Wahrſagung be— ſeſſen, unter Andern in Wien der Erz— herzogin Marie Luiſe ihre zukünftige Größe vorhergeſagt habe. Sie beſchäf— tigt ſich auch mit der Cartomancie, oder dem Kartenlegen auf gut Deutſch, und es ſollen viele Damen der höchſten Kreiſe es nicht verſchmähen, ſich heim— lich nach ihrem kleinen Salon in der Straße ſossés St. Germain I'Auxerrois, Nro. 51, zu begeben.— Das wich— tige Band, welches der Thronerbe von Frankreich in dieſem Augenblike zu knüpfen im Begriffe ſteht, beſchäftigt alle Köpfe. Das Vaterland der Prin⸗
zeſſin war den Franzoſen faſt gänzlich unbekannt, und die Blätter laſſen es nun nicht an Beſchreibungen und Ge— nealogieen fehlen, um die Zweifler über dieſe Allianz zu beruhigen. Se. königl. Hoh. der Herzog von Orleans wird die erlauchte Braut an der Grenze empfangen. Die Appartements für die⸗ ſelbe werden mit höchſter Pracht und feinſtem Geſchmake hergerichtet wer— den, und die Feſte, welche bei dieſer Gelegenheit Statt finden ſollen, Al- les übertreffen, was hier bis jezt noch geſehen wurde.— Die Benefizvorſtel⸗ lung der Dem. Taglioni hat am 22. April Statt gefunden, und war eine der glänzendſten, die wan je erlebte. Die Einnahme betrug 55,970 Franks. Zwei Sylphiden, die an Drähten in der Luft hingen, fielen 7 bis 8 Fuß herab, nahmen jedoch keinen Schaden. Dem. Taglioni iſt nach Rouen abge⸗ reiſt. B. Dresden. In der Sizung der 1. Kammer, am 21. April, ſagte Dr. v. Ammon, daß er aus ſicherer Quelle wiſſe, daß der dritte Theil der deut⸗ ſchen Buchhändler Juden oder we⸗ nigſtens getaufte Juden ſein. F. Bern. Vor einigen Wochen legte ſich der Arzt und Landesvenner Ohm—⸗ lin zu Sachſeln(Schweiz), nachdem er des Zahnwehes wegen Opium zu ſich genommen, zu Bette und ward am Morgen leblos gefunden. Die Aerzte, nur einen ausgenommen, welcher noch gezweifelt, erklärten ihn für todt, und 24 Stunden darauf ward er zur Erde beſtattet. Sein Hund wich aber meh⸗ rere Tage nicht vom Grabe und heulte. Dies trieb den Meßner endlich, bei Nacht das Grab zu öffnen. Er fand den Sarg zerſprengt, die Leiche um gekehrt und das Haar ſtellenweiſe vom
Kopfe abgeriſſen. Hatte der Hund ſei⸗
nen Herrn arbeiten und leiden hören?
S.


