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Goethe'd Selbſtbekenntniß.
In den Geſprächen mit Eckermann(Theil 1., S. 106) legt Goethe ein ſehr merkwürdiges Bekenntniß ab:„Man hat mich immer als einen vom Glük beſonders Vegünſtigten geprieſen; auch will ich mich nicht beklagen, und den Gang meines Lebens nicht ſchelten. Allein im Grunde iſt es nichts als Mühe und Arbeit geweſen, und ich kann wohl ſagen, daß ich in meinen fünfund⸗ ſiebzig Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen gehabt. Es war das
ewige Wälzen eines Steins, der immer von Neuem gehoben ſein wollte.“
Mignon⸗Zeitung.
Buntes aus Paris. Mar⸗ quis iſt ein Typus eines Pariſer Lum— penſammlers; eine allfarbige Jake, ein terribler Hut, ein abweſendes Hemd, unbekannte Strümpfe, Schuhe, die ehemals Pantoffeln waren, und jezt eine Art von Sandalen bilden, jedoch ohne Sohle, und bei alledem iſt Mar— quis ariſtokratiſch geſinnt, beſonders wenn ihm der Wein zu Kopf geſtie— gen: dann fühlt er, daß er nicht für die Profeſſion gemacht iſt, die er treibt, und daß ihn die Natur zu etwas An⸗ derem geſchaffen, als im Straßenkeh—⸗ richt herumzuſtöbern. Durch die Ge— wohnheit, ſich immer bei ſeinem Na— men Marquis rufen zu hören, iſt der arme Mann faſt der Meinung gewor— den, dies ſei ſein Titel, und deshalb
plagt ihn der Hochmuth, ſeinen Kame—
raden gegenüber. Zu Anfang Februars dieſes Jahres hatte Marquis freund— ſchaftlich mit einem andern Lumpen-⸗ ſammler Lupin ſo ein zwanzig Kano— nen geleert, wie man es in Paris zu nennen pflegt. Lupin war weniger klaſ— ſiſch als Marquis, hatte dafür aber von der Natur einen tüchtigen Höker erhalten. In dem Augenblik, als Lu⸗ pin ſein Glas erhob, um mit ſeinem
Kameraden anzuſtoßen, ſchrie Marquis
Ansichten. Urtheile. Zegebnisse.
plözlich:„Mit dir trink' ich nicht, du biſt nur ein Menſch aus dem Volk!“ Hierüber wurde Lupin wüthend, und warf dem Marquis Glas und Wein ins Geſicht. Marquis ließ es dabei nicht bewenden, ſondern pakte ſeinen Freund bei der Gurgel, warf ihn zu Boden, und ließ ſeine Sandalen ſo ſchnell auf ſeinem Geſicht herumſpazi— ren, als wäre dieſes ein Parquet, das er frottiren wollte. Man mußte die Wache holen, und dieſer Streit iſt nun die Urſache, daß beide vor Gericht ſtehen. Der Präſident: Wie kam es, daß Ihr, Marquis, Euch ſo weit ver⸗ geſſen habt, Euern Kameraden zu miß⸗ handeln? Marquis: Weil er mir ſein Glas ins Geſicht warf, und mir meine Kleider verdorben hat. Lupin: War— um hatf er mich einen Menſchen aus dem Volke genannt? Der Präſident: Das iſt keine Beleidigung. Marquis: Ja, du biſt ein Menſch aus dem Vol⸗ ke; das hab' ich geſagt, und werde jezt rezidiv. Lupin: Nun, und was biſt denn du? Marquis: Sprich nicht von mir.... Siehſt du, das verſtehſt du nicht... Ich hab' viel geleſen, ich kenne die Charte, und weiß, warum ich hier bin, weil die Charte ſagt, daß jeder Franzoſe gleich vor dem Ge— ſez iſt. Lupin: Was geht mich die Charte an? Wenn alle Franzoſen gleich


