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Der kluge Alte ſchwieg, aber dieſe ſtumme Lektlon beſſerte dle Groß⸗ tante nicht, die am folgenden Morgen ihr Roſakleid wieder einſchloß, nicht am es von Zeit zu Zeit zu betrachten, wie eine heilige Reliquie ihres ver- gangenen Glükes, ſondern mit dem feſten Vorſaze, es bei der nächſten Gele— genheit wieder anzuziehen, wo ſie vielleicht aufmerkſamere Mädchen und ga— lantere Burſchen finden würde. Arme Frau! ſie hatte vergeſſen, daß ihr von der alten guten Zeit, die ſie beklagte, nichts geblieben war, als ihr roſafar⸗
benes Hochzeitkleid. Konrad Spät, genannt Frühauf.
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Ansiehten Urtheile.!
Mignon⸗Zeitung.
Feuilleton aus Wien. (Achte Lieferung). Ein drolliges Qui⸗ proquo brachte dieſer Tage die Wie— ner- Zeitung. Ein Landedelmann, welcher auf ſeinem Gute 400 Kea p⸗ pen hatte, welche er zu verkaufen wünſchte, läßt ſich die Annonce impri⸗ miren und ſchikt ſie in die Drukerei beſagter-Zeitung.— Nach einigen Ta—⸗ gen langt auf ſeinem Gute eine Schaar Hökerweiber, Federviehhändlerinen, vulgo Kapäundlerinen an, und verlangt mit ihm zu ſprechen. Wie er—⸗ ſtaunt der Edelmann, als er hört, die Kapäundlerinen wollten ihm die Parthie der 400 Kapauner, welche in der Wiener Zeitung zum Verkaufe ausgeboten worden, abnehmen!!— Er glaubte, es müſſe ein Irrthum ſein; verlangt aus der Kanzelei die benannte Zeitung, und ſiehe da! es ſteht wörtlich Kapauner ſtatt Kap⸗ pen gedrukt! Die Hökerweiber machten einen mörderlichen Lärm, weil ſie ver— geblich ſo weit aus der Stadt herbei— geſegelt und der Kavalier hatte große Mühe,[dieſe bekanntlich ſehr manier— lichen und liebenswürdigen Damen zu entfernen. Nun drängt ſich die Welt— frage auf: Kapaun oder nicht Ka— paun? Kappen oder nicht Kappen?
Vegebniss
— genug, es war kein Druk fehler; wohl aber hatte ein Jemand, der das Wort Kappen nicht kannte, dieſes Wort im Manuſkript in Kapauner verwandelt.— Die Leopoldſtadt brachte eine Voſſe:„der Genius der Genügſam— keit“ von einem Hrn. Guidenrichs(2). So genüßhſam ſonſt das Leopoldſtädter Theater-Publikum iſt, mit dieſem Genius konnte es ſich nicht zufrieden ſtellen. Ein Talent ſoll man ſtets auf⸗ muntern, wenn es ſich auch nur als einen Embrio zeigt, allein dieſe Poſſe iſt ſo durch und durch Machwerk und ſpricht ſo unwiderſprechlich von der gänzlichen Talentloſigkeit des Verfaſ⸗ ſers für das Bereich der Poſſe, daß ich, der das Ende der Piece kaum erwarten konnte, auch nicht die mindeſte! Scho— nung walten laſſen kann und mich da⸗ hin ausſpreche: daß das genannte Poſ- ſenſpiel rein Nichts war. Und da— mit mehr als genug von dieſem Din- ge!— Hr. Spielberger, Schauſpie⸗ ler, hat ſich lithographiren laſſen; auch Hr. Brabbec, Mitglied des Leopold— ſtädter Theaters. Was mußte dem ſonſt ſo fleißigen, anſpruchloſen, wenn auch
nicht genialen Hrn. Brabbes in den
Sinn gekommen ſein, daß er ſich ltho—
graphiren ließ 2! Die Arbeit ſelbſt iſt
ſo mißlungen und ſchlecht, daß ſie ih⸗
res Gleichen ſucht.— Hr. Kuffner,


