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nicht Schubri war, den die guten Ein⸗ wohner von Perigueux beherbergt ha— ben.— Von neueſten literariſchen Ar— beiten nenne ich Ihnen Auguſte Bar— bier's geſammelte Werke, deſſen Ja m— ben vor ungefähr 4 Jahren eben ſo großes als gerechtes Aufſehen erregten. Es ſind einige neue Dichtungen hinzu— gekommen. Als Probe theilt das neueſte Heft der Reyue de Paris„La Reine du moude“ mit, worin eine ziemlich herbe Apoſtrophe an Guttenberg ent— halten iſt, da Das, womit er die Welt zu beglüken gedachte: die Entfeſſelung und Verallgemeinung des Gedankens, ſo ſchlechte Früchte getragen. Intereſ— ſante Lektüre liefern: la Rue aux Ours, von einer Dame, Mad. Waldor, und la Tour sans venin, von Herrn Molé-Gentilhomme.— Auf dem Lieb— habertheater des Marquis de Caſtella— ne, welches ſeine eigenen Dichter und Komponiſten hat, wo die vornehmſte Welt Komödie ſpielt, hatte eine neue Oper des Herrn v. Flottow, der dort ſchon mehrere dergleichen Verſuche ge— macht hatte, einen entſchiedenen Suk— zeß. Sie heißt Alice, und ſpielt in Schottland, zur Zeit der Verfolgung Karls II. Ein Stoff, dem ähnlich, den Naupach in ſeinen Royaliſten be— handelt hat, jedoch hier mit einigen Veränderungen. Herr v. Flottow, ein junger Preuße dem Namen nach, wurde gerufen, und von Herrn v. Caſtellane der Geſellſchaft vorgeführt. Die Maſſe der Zuſchauer war ſo groß, daß die dadurch überhand nehmende Hize die Ohnmacht einer Dame herbeiführte, welcher Zufall für einen Augenblik das Vergnügen des Abends ſtörte.— Die vorlezte Vorſtellung der Taglioni hatte, wie Sie leicht denken können, die weiten Räume des Opernhauſes überfüllt. Es ſind weit über 10,000 Irks. eingegangen. Während des Pas der berühmten Tänzerin im zweiten
Akte hörten die Bravo's nicht auf. Man ſieht dem erſten Auftreten Du— prés entgegen, der an Nourrit's Stelle engagirt iſt. Er hat auf ſeiner Ueber— fahrt von Italien nach Marſeille faſt Schiffbruch gelitten.— Der nicht nur wegen ſeines trefflichen Violinſpiels, ſondern auch wegen ſeiner Aehnlichkeit mit Napoleon bekannte Virtuoſe Vou— cher, eine Aehnlichkeit, die er ſogar durch den kleinen Hut noch täuſchender zu machen ſich geſtattet, wird in den nächſten Tagen aus Spanien hier an⸗ kommen. Dort ſtand er ſeit einigen Jahren an der Spize der königl. Ka— pelle.— Als der Aufſeher der Mena— gerie im Pariſer Pflanzengarten neu— lich einem Zebra den während der Füt— terung abgenommenen Maulkorb wie— der anlegen wollte, gerieth das Thier in Wuth, biß den Aufſeher zweimal in den Schenkel, und zerſchlug ihm das Bein. Der Unglükliche mußte am⸗ putirt werden.— B. Leipzig. Ein Bewohner Leip⸗ zigs hat eine Maſchine, die er Pſycho— meter nennt, vor einiger Zeit erfun- den, und dieſelbe nach vielen Experi— menten und unausgeſezten Bemühun— gen zu einer gewiſſen Vollkommenheit gebracht. Sie zeigt vermittelſt einer Magnetnadel Demjenigen, der ſie be— berührt, den Charakter in 110 ver— ſchiedenen Neigungen an. Wer ſich der Probe unterwirft, erfährt daher genau die Richtung ſeines Charakters, und Viele, die es verſucht haben, verſi— chern, das der Pſychometer ihren wah— ren Charakter verkündet habe. Ob dieſe Erfindung einſt gleiches Aufſehen, wie die Gall'ſche Schädellehre, erregen wer— de, ſteht noch zu erwarten. D.
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Lokal⸗Zeitung.
Gaſthausſalons. Bei der allmä⸗ lig herannahenden wärmern Jahreszeit, wo


