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0 267 das Gewand herein gebracht haͤtte, welches ihre Gebleterin anlegen wollte. Umſonſt waren 40 Jahre ſeit dem Tage verſtrichen, der es zum erſtenmal als neues Kleid geſehen, es war noch immer ſchön, nur die Farbe etwas verbleicht, und in dem üppigen Faltenreichthum konnte man die Reſte ſeines urſprüngli chen Kolorits noch gut auffinden und erkennen. Arme Menſchen! minder glük⸗ lich, als Alles, was euch umgibt, zieht ihr vorüber, und nichts bleibt von euch zurük, als ein Andenken! Der Vewobner einer kleinen Stadt, oder eines Flekens, eines Dorfes in der Provinz, welcher den Glokenthurm ſeiner Hei math nie aus dem Auge verloren hat, altert, ohne an ſeine Verwandlung zu glauben; die Grazien der Jugend verſchwinden, eine nach der andern, von ſeinem verwelkten Antliz, er bemerkt es gar nicht, und bringt oft mit dieſer traurigen Veränderung die Farben aus dem Frühling ſeiner Jahre in Konflikt.

So ſchmükte ſich die Großtante ſtolz und ſelbſtzufrieden mit dem brillan ten Roſakleid, ohne daß ihre Augen des Kontraſtes gewahr wurden, und es fehlte nicht viel, ſo hätte ſie geglaubt, ſo ſchön zu ſein, als die Braut, welche, ein ſimples Landmädchen, kein glänzenderes Brautgewand hatte, als ihr Rök chen von weißem Perkal. Endlich war die Toilette vollendet, das Meßbuch ruhte unter dem Arme, und troz des hellen Sonnenſcheines wurde die kleine Perrette zu ihrem Verdruſſe beauftragt, den ſchweren altmodiſchen Regenſchirm mitzunehmen, mit dem ſie auf jeden Schritt an die Steine ſchlug, zum gro ßen Mißvergnügen ihrer Gebieterin, die viel auf den Anſtand hielt.

Es war hohe Zelt, Alles hatte ſchon auf dem Chor Plaz genommen, wo der Prieſter ſich bereitete, die jungen Verlobten auf ewig zu vereinigen. André hatte ſie nicht auf dem Wege erwartet, und alle Augen richteten ſich auf ſie, die ihres Reizes gewiß, mit der größten Zuverſicht näher ſchritt, als könnte ihren Spizen und der herrlichen Farbe ihres Kleides die allgemeine Bewunde rung nicht fehlen. f

Schau doch, ſchau! ſagte ein kleines Mädchen zu ihrer Nachbarin. Schau lieber in dein Buch! erwiderte die Alte, ſich brüſtend, und fing an mürriſch zu werden. Sie gelangte endlich in die Nähe der Braut ihr ge⸗ hörte doch unſtreitig ein Ehrenplaz; man hatte aber keinen für ſie aufbewahrt. Verdrüßlich nahm ſie den erſten beſten leeren Stuhl ein, der zwar für die Schweſter des Bräutigams beſtimmt war, doch was thut das? wenn man ſo ſchön iſt, wie die Großtante, nimmt man das nicht ſo genau.

Wie ſchlecht ſie ſich hält! bekritelte ſie ganz laut die ſchamhafte Braut zu ihrer Nachbarin,ſeht Ihr, wie ſie den Kopf hängt? wenn ich nur bei ihr wäre, ich wollte ſie ſchon lehren, ſich grade halten. Habt Ihr gehört? ich weiß nicht, ob ſieJa geſagt hat ach, die jungen Mädchen, was die jezt dumm ſind!

Aber der Gottesdienſt hat begonnen. Der Prieſter fleht den Segen des Himmels auf das Haupt der Neuvermählten herab. Die Großtante hat ihr Meß buch andächtig aufgeſchlagen, ſezt gravitätiſch ihre Brille auf die äußerſte Naſenſpize, ſo daß ſie bequem darüber hinwegſehen kann, und ihre Augen irren rund umher. Dieſe fortwährende Zerſtreuung läßt ſie jedoch kein Wort dee Prieſters verlieren, und ihre Lippen murmeln nachläſſig ein Latein, deſ⸗

ſen Sinn ſie niemals beunruhigte.