Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
268
 
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Amen! antwortete ſie dem Prieſter, der eben die Neuvermählten ſeg⸗ nete, und fährt zänkiſch fort zu einem Nachbar:Wie ungeſchikt Ihr ſeld! ſeht Ihr nicht, daß Ihr mir das Kleid zerdrükt?

(Beſchluß folgt.)

Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Theater.

Peſth(28. April). Die Oper iſt dieſe Woche thätig. RoſſinisCene rentola kam am Montage, Bellinis Montecchi ke Capuletti am Mittwo che zur Darſtellung; MozartsDon Juan haben wir heute zu gewärtigen. DieCenerentola, eine der gelungen ſten Operabuffas Noſſinis, voll Cha⸗ rakteriſtik und Melodie, die ihm kein deutſcher oder italieniſcher Kompoſi teur ſobald nachſchreiben wird, erfreute ſich einer im Ganzen fleißigen Auffüh rung. Mad. Pohl-Beiſteiner gab die Titelrolle und rechtfertigte vollkommen die gute Meinung, die uns die fr ü⸗ hern Leiſtungen dieſer ausgezeichneten Sängerin von ihr beibrachten. Geſang und Darſtellung waren in ſchönem Ein klange, um dem ganzen Part Farbe und Bedeutung zu geben. Sie war graztös in dem Vortrage, graziös in den Verzierungen und Rouladen und in den tiefern Tönen that ſich eine beſondere Reinheit und ein erſpriesli⸗

cher Wohllaut kund. Eben ſo anmu-

thig waren ihre Bewegungen, ſo wie ihre ganze Haltung eine gerundete Form annahm. Sie ward vom Publi⸗ kum mit vieler Theilnahme behandelt. Hr. Oberhoffer leiſtete als Dandi⸗ ni in Hinſicht des Geſanges Imponi rendes. Wir bemerken täglich neue Fortſchritte bei dieſem talentvollen Sänger; die Kraft und der Klang ſei ner Stimme unterwerfen ſich immer mehr den dramatiſchen Normen, und

nicht lange, ſo wird die deutſche Oper eine Zierde mehr zählen. Mit der Auf⸗ faſſung des Charakters ſchien Hr. Ober hoffer aber diesmal nicht einig; es war zu wenig Stettigkeit darin: er war bald Schalk, bald Tölpel da doch die Rolle kein Schwanken, ſondern eine geſchikte Vereinigung beider erfordert. Hr. Nötzer zeigte als Don Magni fico viele Anlagen zu einem Vuffo nach italleniſcher Art; allein auf deutſchen Bühnen liebt man das Zuviel nicht. Im Geſange war er lobenswerth. Hr. Stoll entwikelte einen ſchönen Tenor als Ramiro, eine tüchtige Schu⸗ le noch, und er könnte es weit brin- gen. Von den beiden Schweſtern leiſtete vorzüglich Dem. Walter, außer im Ge⸗ ſange, auch im richtigen Spiele ſehr Er freuliches.In den,, Capuletti erſchie nen Mad. Piehl als Romeo und Dem. Rauch als Julie als Gäſte. Wenn gleich die Parthie des Romeo keineswegs in der Stimmeſphäre der Mad. Piehl liegt, und hier ſchon die Macht der Gewohn heit dagegen ankämpft; ſo war nichtsde⸗ ſtoweniger dleſer Romeo eine nicht unbe achtenswerthe Erſcheinung. Eine ſtattli che, ritterlich- geformte Geſtalt, An ſtand und Würde in Haltung und Mi mik ließen uns den Helden erkennen, und wenn auch die ganze Weiblichkeit ſich nicht vergeſſen ließ, ſo war es noch um deſto angenehmer, da eine größere Verläugnung gewiß zum Widerlichen führen würde. Wir gewahrten hier nicht das verzehrende Feuer einer Sche beſt, oder die burſchikoſe Auſwall ung