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etwas mehr Gelaſſenhelt gewünſcht, da durch das ſchnelle Rezitiren Manches verloren ging. Auf alle Fälle hat der Darſteller mit dieſer die Zahl ſeiner guten Leiſtungen würdig vermehrt, was auch das Publikum allgemein anerkann⸗ te.— Die übrigen Rollen ſind zu un⸗ tergeordnet, um gegen die andern wir— kungsvoll hervorzutreten. Nur müſſen wir noch der Dem. Herzog erwähnen, die als Florette keine üble Erſcheinung war.— Tags vorher gab Hre Deſſoir den Carl Ruf in der„Schachmaſchine“, in welcher Rolle der verehrte Gaſt ſich den allgemeinſten, einſtimmigſten Ap⸗ plaus erwarb. Referent konnte der Vorſtellung nur theilweiſe beiwohnen, da ihn ein anderes Schauſplel auf die Straße lokte, nämlich die totale Monds— finſterniß. Beinahe hätte er aber die— ſelbe, ſo ſehr auch das Wolkengebirge ſich aus Reſpekt für die Zuſchauer theil⸗ te, wegen der totalen Straßen⸗ fünſterniß nicht gefunden. Denn unſere Later nenanzünder, die ſich in den Sommermonaten(wozu ſie auch den April rechnen) genau nach dem Kalender richten, ſo daß, wenn in dem— ſelben Mondlicht vorkommt, ſie kein Laternenlicht werden laſſen, ſcheinen diesmal den Kalender nicht zu Rathe gezogen zu haben, da ſie doch ſonſt er⸗ fahren hätten, daß am 20. April kein Mondlicht, ſondern eine Mondes— finſterniſß vorkommen wurde. J. M.
rag(18. Aprit). Gerles und Horns„Vormundſchaft“ iſt mit Enthu— ſtasmus anfgenommen und der Mitver— faſſer Gerle unisono gerufen worden. Das amüſante Luſtſpiel hat unverkenn⸗ bare Vorzüge, die vorzüglich in dem wizigen, fließenden, zeitgemäßen Dia— loge, in frappanten Wendungen u. ko— miſchen Situationen beſtehen. Mlt der Erfindung wollen wir es nicht ſo genau nehmen, da leider das ſoziale Leben
in Deutſchland wenig Stoff für elnen Luſtſpieldichter liefert. Die Aufführung geſchah nicht mit Unfleiß und Hr. Dietz als Georg kann mit ſich, ſeiner Rolle und dem Publikum— welches leztere mit ihm ſehr zufrieden war— ſehr zu⸗ frieden ſein. Der„Vormundſchaft“ vor⸗ her ging„die Chriſtnacht“, die nicht mehr das Lampenlicht erbliken wird. Auch Albinis„gefährliche Tante“ woll⸗ te nicht allgemein anſprechen, wenn auch Hr. Polawsky den alten Landjun⸗ ker recht köſtlich gab. Die Königsſtäd⸗ terin, Mad. Schuhmann gebor. Burg— hard, die in Berlin im Kampfe mit den Muzarellianern ſtand, debütirte als Aennchen und Julerl, die Puzma⸗ cherin und gefiel ſehr. Sie hat ein ſehr hübſches Aeußere, eine recht an⸗ genehme Stimme, ein zierliches Spiel, nur ſpielte ſie in der Lokalpoſſe zu no⸗ bel, zu delikat. Etwas kekere Laune, mehr Muthwillen und Sie ſind uns, meine Schöne, tauſendmal willkomme⸗ ner als die Zöllner, in ihrer nakten Gemeinheit. Ein zweiter Gaſt iſt Hr. Chauer, der als Dr. Löwe im„Oheim“ Pauli nicht unglüklich kopirte und auf Applaus ſpielte. Im Laufe dieſer Wo⸗ che treten Dem. Stubenrauch, die Her— ren Schuhmann und Röhn auf. Ueber- haupt werden wir dieſes Frühjahr und dieſen Sommer recht gaſtvoll ſein. Wien, Verlin, Dresden, Breslau, Stutt- gart und Frankfurt ſchiken uns ihre Matadore. Dem. Jenny Lutzer, der zu Ehren jezt Briefpapier mit ihrem Por— trait geziert verkauft wird, verläßt in ein Paar Tagen die Prager. Es ſollen 14, ſage vierzehn Sängerin ver⸗ ſchrieben ſein, welche probirt werden, ob ſie einiger Maßen die Kehlenkünſt⸗ lerin Jenny erſezen können.
H.
London. Bei dem Drurylane⸗ Theater in London ſoll, außer Mad.


