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Kunst, Eleganz und Mode.
17 Gage gau a
33. Mittwoch, 26. April. 1837.
Dias Strafhaus in Lauſanne.
(Beſchluß.)
„Im Feld,“ ſagte Sourdain,„ja, da vergoß ich Menſchenblut ohne Bedenken, denn's waren ja Feinde, die mir gegenüberſtanden und auch mir an's Leben wollten. Allein hier, ſeh' ich wohl, ſteht die Sache offenbarlich ganz anders; denn er thut mir nicht nur kein Leid,— er hat auch Mitlei— den mit mir und mich geſpeiſt und erquikt. Ich bin in eurer Schuld, Herr; allein Ihr müßt mir einen andern Weg der Abtragung zeigen.“
„Ei, Freund, wie habe ich mich in dir geirrt,“ verſezte Viktor,„du biſt ja breiverziger als ein Kind. Sein benebelter Kopf, nicht ſein„gutes“ Herz, hat Mitleiden mit dir gebabt, dich geſpeiſt und erquikt. Er hat mit keiner Seele Mitleid. Bemerkteſt du nicht, wie er bei deinem erſten Eintre— ten ein grimmiges Geſicht machte und dich„Geſell“ nannte? Er ekelte ſich vor dir, wie vor einer Natter, blos weil du arm biſt und dich zerlumpt trägſt; er ſah dein hung'riges Geſicht, und da warf er dir eben einen Knochen vor, juſt wie man ſchlechten Abfall einem verhungerten Hunde oder einem Wolf im Käſich hinwirft, blos um den Spaß zu haben, ſie aufſpringen und ſchlin— gen zu ſeben. Doch, ich bin fertig. Die Kleinigkeit, die ich dir gab, behalte nur; ich hätte gehofft, den Beutel hier als ein Spargeld für deine Kinder dazu legen zu können, und möchte es auch jezt noch gern, müßt' ich ihn nicht an⸗ derswohin verwenden.“
Und dabei ſchüttelte er die wohlgefüllte Börſe, und Sourdain hörte, wie die Silberſtüke lokend widereinanderklingelten. Seine Armuth, der Drang der Noth wurden Meiſter über ſeine beſſeren Gefühle, ein wilder, böſer Krampf faßte ſein Herz.„Herr,“ rief er,„ich bin Euer. Laßt uns wieder hineingehen. Ich ertränke ihn, wenn Ihr's verlangt, gleich— auf der Stelle.“


