Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
256
 
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geladen. Die Mahlzeit, die zu Ende ging, war ſehr heiter geweſen; man hatte manches Lied geſungen, und D., der ſich durch ſeine launigen Reden ausgezeichnet hatte, ſtimmte die lezte Strophe eines Trinkliedes an, wor⸗ auf er ſich in gleichgiltigem Tone an ſeine Gäſte wendete und ſagte:Alles endiget mit Geſang, Alles muß endi⸗ gen. Bei dieſen Worten ergriff er ein ſcharfes Meſſer, deſſen er ſich bei Tiſche bedient hatte, ſtieß ſich daſſelbe mit Gewalt mitten in die Bruſt und ſank von dem Stuhle in ſein Blut auf dem Boden. Als die beſtürzten Gäſte endlich daran dachten, ihm bei zuſtehen und das Meſſer aus der Wun de zogen, das mehrere Zoll tief ein gedrungen war, überzeugten ſie ſich ſogleich, daß er bereits aufgehört habe zu leben. Der Stich war in das Herz gedrungen, und man fand, daß der Unglükliche, der ohne Zweifel ſchon längere Zeit mit einem ſolchen Ge danken umgegangen war, ſchon vorher die Kleidungsſtüke von der Stelle ent⸗ fernt hatte, die er treffen wollte. Man erinnerte ſich, daß D. einige Tage vorher mehrmals geäußert hatte, ein gefühlvoller Mann müſſe den Tod den Unannehmlichkeiten und Entbehrungen des Alters vorziehen. Man will hier ein Tagtheater errichten. Die Vorſtellungen in demſelben ſollen um 1 Uhr nach Mittag beginnen. B. Würzburg. DasWürzbur⸗ ger Tagblatt enthält Folgendes: Von der Rhöne: Alle Ihr, die Ihr das Glük habt, einer freundlicheren Ge gend des Vaterlandes zugetheilt zu ſein, habt nicht nothwendig, in den hohen Norden zu reiſen, um alldort

die Nat urſchönhelten kennen zu lernen: kommt zu uns auf das Rhönerland, unter den 50 ⸗ſten Grad 37 Min.; hier ſeht Ihr die Natur mit neuen Reizen dargeſtellt, vom 7. auf den 8. April mit dem feierlichen Winterkleide ge ſchmükt, d. h. dem Auge bietet ſich ein nicht überſehbares, faſt Schuh tie fes Schneefeld dar, und es ſehlt nur der Froſt von 229, um uns in einer Frühlingszeit in den tieſten Norden verſezt zu ſehen. Die Aeſte der Bäu me unterliegen beinahe der Laſt des Schnee's, Vögel auf dem Felde nähern ſich den Fußtapfen der Menſchen, um hie und da eine Brodkrume zu finden. Die wilden Waldbewohner kommen den Ortſchaften näher, und mehr als ſonſt hört man den Fuchs heulen; des Nachts brauſende Sturmwinde erhöhen das Na turſpektakel. Wir fürchten aber nicht, was Ihr fürchtet, den unſere Wald bäume trozen jedem Froſte, Maulbeer bäume und Weinſtöke gehen uns nicht zu Grunde. Die dichte Schneedeke düngt und ſchüzt unſre Felder gegen ſcharfe Luft, und läßt uns eine geſegnete Ernte erwarten. D. Bogota. Hier ſpricht das Pu b⸗ likum im Theater ſein Wohlgefallen an einem Stüke gerade auf die Art aus, wie bei uns das Mißfallen zu erkennen gegeben wird. Gefällt ein Stük oder ein Schauspieler, ſo pfeift das Publikum. 5

London. Vor Kurzem wurde ein deutſches Mädchen, das mit Beſen handelte, von einem Manne, Namens Turner, auf der Straße angefallen und der ganzen Baarſchaft, die in 10 Gr. beſtand, beraubt. Das Madchen. wurde klagbar, Turner eingezogen und von dem Aſſiſengericht zum Tode ver⸗ urtheilt. D

Halbſäbriger Preis 4 fl., mit freler Poſtzuſendung 8 fl. Auf Velinpapter mit erſten Kupferabdrllten 5 fl. und poſtfreis fl. C. M. Man bpränumertrt im Kommiſſtonsamt zu Ofen(Feſtung, auterhald det Waſſerthors), in C. Meilers u. F. Tomalas Kuuſthandlungen zu Peſth und bei alen k. k. Poflämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.