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zu nennen. Die Oper ſand ſehr bel— fällige Aufnahme, es wurde applaudirt und gerufen, und gerufen und applau⸗ dirt.— Von Novitäten erwarten wir in der nächſten Woche ein neues Luſt⸗ ſpiel von Bauernfeld:„Der Vater“, im Burgtheater. Die Einnahme des beliebten Komikers Scholz im Wiedner Theater, und eine neue Zauberpoſſe: „Der Genius der Vergänglichkeit“, zur Einnahme der Mad. Forſter, im Leopoldſtädter Theater. Reinecke Fuchs. Karlsruhe. Dem. Schebeſt iſt am 7. April nach 16 Gaſtvorſtellungen zum Leztenmale, und zwar als Norma aufgetreten. Der Abſchied war ſehr eh⸗ renvoll für die Künſtlerin, die am Schluſſe der Oper mit Blumenſträußen, Gedichten u. Lorbeerkränzen überſchüt— tet wurde. D. Verlin. Am 10. April gab Hr. Rott von Peſth den Rappelkopf in Raimands„Alpenkönig zur drit— ten Gaſtrolle, und gefiel ungemein.
Mignon⸗Zeitung.
Buntes aus Paris. Bei der Vermählung des Herzogs von Or— leans ſollen große Feſtlichkeiten ſtatt— finden. Es iſt bereits Befehl gegeben worden, das Rathhaus zu einem glän— zenden Ball und Schauſplel herzurich— ten. Man nennt den Herzog von Va— lengay, Enkel des Fürſten Talleyrand, als Oberſthofmeiſter des Kronprinzen und die Gräfin Flahaut als Oberſthof— meiſterin der Herzogin Helene. Die Heirath wird übrigens den Prinzen von ſeiner militäriſchen Inſpektionsreiſe nach den Provinzen nicht abhalten.— Im Gehölz von Boulogne ſoll nächſtens ein großes Tournier mlt ländlichem Ball ſtattfinden, welches das vorjähri⸗ ge Feſt in Tivoli an Pracht übertref⸗
fen wird.— Die Abgeſandten don Ma⸗ dagaskar machen zu Paris, von Mor⸗ gens bis Abends, Ausflüge, um ihre Neugierde zu befriedigen. Bei einem, der Vendomeſäule abgeſtatteten Beſuche, vetlangten ſie genaue Aufſchlüſſe über die Art, wie man dieſes ſo rieſenhafte Monument errichten konnte. Einer der⸗ ſelben maß, nachdem er auf der Platt— form angekommen, mit Hilfe eines Bindfadens, an welchen Blei gebunden war, die Höhe der Säule, in der Ab— ſicht, in ſeinem Vaterlande die Idee zur Errichtung eines ähnlichen Werkes anzuregen. Man erzählt von dieſen Fremden, wenigſtens von einem derſel⸗ ben, eine ſehr komiſche Anekdote. Der jüngſte von den Dreien, der vor eini⸗ gen Tagen allein, um, wie er ſagte, den Sonnenſchein zu genießen, aus⸗ ging, und verſprochen hatte, zu guter Zeit wieder zurükzukehren, kam zur beſtimmten Stunde nicht in das Ho— tel, wo ſeine Kameraden ihn erwarte— ten, zurük. Die Nacht vermehrte noch ihre Beſorgniß, und ihre Angſt ver— größerte ſich von Stunde zu Stunde, als endlich um Mitternacht ihr Lands⸗ mann an die Thüre klopfte. Nach ei⸗ ner wohlverdienten Strafrede erzählte er ihnen, daß durch den graziöſen Gang einer Franzöſin verführt, er ihr den ganzen Tag gefolgt wäre, ſo daß er am Abende ſich wenigſtens eine Stun— de von den Barrieren entfernt befand. Nach den Anzeigen des verliebten Ma— dagaſſen ſcheint es, daß die Schönheit, welche ihn ein halbes Duzend Stun—⸗ den herumlaufen ließ, ihn in die Mit⸗ te des Gehölzes von Vincennes führte, und ihn daſelbſt ohne Rath u. Kennt⸗ niß der Gegend ſtehen ließ.— Ein gewiſſer D., ein Mann von 60 Jah- ren, deſſen fröhliche Laune in der gan⸗ zen Nachbarſchaft zum Sprichwort ge— worden war, hatte bei ſeinem lezten Geburtstagsfeſte mehrere Freunde ein⸗


