ſo bleibt Einem der Verſtand buchſtaͤb⸗ lich ſtehen; das iſt eine derbe Haus⸗ mannskoſt des Herkules, wenn anderſt Lezterer je ſolche Geſchiklichkeit in den Muskeln beſaß, wie unſer Rappo. Aber was ſollen wir ſagen zu den heute zum erſten Male gezeigten Wunderwerken? Zu dem berühmten Stüke mit der Lei⸗ ter, die er auf der Naſe balancirt, während ſein Sohn als Affe durch die Sproſſen ſich windet? Zu dem unge⸗ heuren Stüke mit dem Leuchtthurm? Wir ſagen nichts, als: Geht hin und überzeugt Euch, daß wir noch eine Wunderwelt haben. Man muß dieſe ſtaunenswürdigen Dinge ſelbſt ſehen, um ſie zu glauben.— Wir ſagen noch, daß der kleine Rappo in der Rolle des Af⸗ fen eminent war. Der hat Anlagen, die alle zeitherigen Nachäffer der Affen zu verdunkeln drohen.— Das zahlrei—⸗ che Publikum nahm Alles mit eintö⸗— nendem Beifall auf. Herr Rappo und ſein Sohn wurden viele Male ſtür— miſch gerufen, und Gedichte flogen auf Parterre und Bühne zum Lobe des größten aller lebenden Atlethen. J. Ofen. Am 19. April ward hier zum Erſtenmale das bekannte und viel- beſprochene Preisluſtſpiel:„die Vor⸗ mundſchaft“ von Gerle und Horn ge— geben. Es gefiel ſehr. Die Auffüh— rung war theilweiſe gut. Vorzüglich waren Dem. Müller, und die H. H. Thomé, Nötzl und Juſt.— Unſer wakere Direktor Hr. Nötzl läßt jezt in der Chriſtinaſtadt mit großen Ko— ſten ein Tagsthegter(Aren a) bauen, das noch im Monat Mai vollendet ſein ſoll.— Der berühmte Komiker Neſtroy wird im Mai auf Gaſtrol— len erwartet. P. Wien(16. April).„Noch nicht!““ ſagt Rummelpuff, der Kom⸗ mandant von und zu Krähwinkel, „noch nicht!“ ſagten auch mehrere Tenori assoluti der diesjährigen Sta— gione. Und morgen, hieß es, u. über⸗ morgen, und wiederum morgen iſt die
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erſte Vorſtellung der italleniſchen Oper, und es kam der Morgen, und es kam der Uebermorgen, doch die erſte Opern— vorſtellung kam nicht. Endlich am 8. d. M., als der feurige Sonnenkörper dem fernen Oſt kaum entſtiegen war, prangte und ſchimmerte„Lucia di Lam- mermoor“ an allen Straßeneken.„End- lich“ jauchzte der Opernfreand, allein kein Menſch entgeht ſeinem Schikſale, nicht einmal eine italieniſche Oper. „Noch nicht!“ donnerte es aus den tiefſten Tiefen unſeres Opernrepertoirs, und Signor Negrini ward krank. Und abermals verfloß ein tröſtender Mor- gen auf den andern, und der Ueber⸗ morgen ward zum Vorgeſtern, bis end— lich Donnerſtag, der 13. kam und wir wieder„Lucia di Lammermoor“ in allen Eken laſen. Und es ward Abend, und es ward 7 Uhr, und die Ouver⸗ ture begann, worauf die Vorſtellung folgte. Habe ich durch beinahe 14 Ta⸗ ge mit Rummelpuff: noch nicht“ ge⸗ ſchrien, ſo blieb ich auch dieſen Abend meinem Charakter treu, denn:„ich bin geſt anden.“— Der Raum, der mir in dieſen Blättern gegönnt iſt, erlaubt mir nicht, ausführlich über dieſe Oper zu berichten, ich will daher nur in kurzen Andeutungen den Er⸗ folg hier mittheilen. Was die Oper ſelbſt betrifft, hat ſie mehrere recht artige Nummern, namentlich iſt die größere Hälfte des zweiten und drit⸗ ten Aktes gelungen. Uebrigens war Maestro Donizetti zu ängſtlich, und be— nüzte mit Anſtand und Würde bereits bekannte Ideen, die wir in„Belisa- rio“, in die„Puritani““ u. ſ. w. finden. Reminiszenzen auf Reminiszenzen, doch wer wird da ſo genau es nehmen, den Italienern erlaubt man etwas mehr. Was nun die Sänger und Sängerinen betrifft, entſprachen ſie vollkommen den Erwartungen, als vorzüglich ſind sign. Tachinardi- Persiani und Sigr. Poggi
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