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als einen entſprechenden Erſaz für den allerdings erheblichen Verluſt der Mad. Mink zu finden Das Publikum ſchien unſerer Meinung zu ſein, denn des ſtürmiſchen Applaudirens und Hervor— rufens nahm kein Ende.— Dem. Rauch, von Frankfurt, gab die Adalgiſa zur zweiten Gaſtrolle, und bewies ſich aber⸗ mals als eine ſchäzbare Sängerin, de— ren Stimme voll Kernhaftigkeit und Wohllauts, und deren Vortrag den dramatiſchen Anforderungen entſpricht. Auch in der Darſtellung bewies ſie viel Auffaſſungsgabe u. verband Wahr— heit mit Wärme. Sie erhielt lebhaf⸗ ten Beifall und ward mehrere Mal ge— rufen.— Ueberraſcht wurden wir von Hrn. Thalheim, der den Sever gab. Wir ſagen:„überraſcht“, da, wie früher erwähnt, er als Max im„Frei⸗ ſchüz“ durchaus nicht anſprach, nun aber, ſei es, daß er viel heimiſcher auf dieſen Brettern geworden, oder daß die italieniſche Muſik mehr als die ſchmukloſe deutſche in ſeinem Elemente liegt, genug, Hr. Thalheim bewies ſich diesmal als ein gar nicht hintan⸗ zuſezender Sänger, mit angenehmer, ziemlich kräftiger Stimme und einer ausdruksvollen, gemüthlichen Geſangs— weiſe. Das Duett mit Adalgiſa im erſten Akte war beſonders gelungen. Auch ſein Spiel iſt im Verhältniß zu ſeiner Geſtalt ausdruksvoll und bezeich⸗ nend. Auch ihm ward ein namhafter Antheil vom Applauſe, und er wurde wiederholt gerufen.— Hr. Kaler, als Oroviſt, vollendete durch ſeine bekann— te treffliche Leiſtung das Ganze, und die Oper„Norma“ gewährte uns wie— der einen erneuerten Genuß.— Am 19. gab man zum Erſtenmale:„Siſyphus auf der Oberwelt“, Zauberſpiel in 2 Akten, von F. v. Kaiſer, Muſik von F. E. v. Marinelli, worin Hr. Rappo als Siſyphus und ſein Sohn, in Ver— bindung mit dem Sujet der Poſſe, eine
Nelhe großer equllibrlſtiſcher Kunſtpro⸗ duktionen u. ſ. w. ausführte.—„Der Affe und der Bräutigam“ hat Neſtroy für Kliſchnigg geſchrieben; der„Affe und Bräutigam“ hätte aber auch ohne Kliſchnigg beſtehen können, iſt auch an vielen Orten ohne denſelben gegeben worden; und gewiß iſt es, daß Kliſch— nigg den größten Theil ſeines Glükes in Wien nur jener Poſſe verdankte, da man ſeine affenartigen Verrenkun— gen des Körpers bald ſatt gehabt hät— te.— Was wäre aber dieſer„Siſy— phus“, der in Wien unzählige Mal ge— geben wurde, ohne den Tauſendkünß'⸗ ler Nappo? Nun wir wollen es nicht verrathen, und im Grunde ſcheint der Verfaſſer keine beſondern Anſprüche ge— ſtellt zu haben. Auch klänge es wie eine Demonſtration der Rache, wollten wir ſo ſcharf verfahren, wie in dieſer Poſſe die armen Zeitungsſchreiber und Journaliſten mitgenommen werden.— Wir ſind gerecht und geſtehen, daß ei— nige, ob zwar zweideutige Wize, und ein Paar artige Kouplets ergözten.— Dem ſei aber wie immer, ſo ſind Rap— po und ſein Sohn das beſeelende Prin— zip, das dieſem Opus Leben u. Gedei— hen verleiht. In der That, man könn— te zum Heiden werden und glaaben, daß die ſchöne Mythe vom Siſyphus nicht ganz aus der Luft gegriffen iſt. Er ſtand ja leibhaftig vor uns der All⸗ gewaltige, der nicht nur ungeheure Felſenblöke die Berge hinan wälzte, ſondern auch Thaten verübte, von de— nen die alte Fabellehre keine Ahnung hatte. Rappo bewies ſich als Mimi— ker und Plaſtiker und kann manchem Schauſpieler zum Muſter dienen. Nichts aber läßt ſich mit ſeinen erſtaunenswür⸗ digen Kraft- und Equiliberproben ver— gleichen. Schon die leichten Spielereien mit den Stäbchen, den Tellern, dem Kreiſel u. ſ. w. ſind erquikliche Bon⸗ bons; kommt es aber zu dem 40 Pfünder,


