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„Nun, die Zeiten können auch beſſer werden,“ lautete Viktors Antwort. „Komm mit uns, an Geld fehlt's uns eben nicht; und finden wir in dir den Mann, den wir ſuchen, ſo ſoll's wahrhaftig dein Schaden nicht ſein. Wenn dein Geſicht nicht lügt— ſo haſt du eine flinke Hand und Herz im Leibe.“
„Ich war dabei, Ihr Herren, wo's Veides galt! und manches Ruſſen/ blut hat an den Fingern geklebt.“
„Ah, ſo hör' ich's gern. Komm, ſchlag' ein, Freund!“
„„Wo ſoll's hinaus mit der Rede, Ihr Herren?“ 5
„Das ſollſt du gleich hören. Ein ſchlechter Menſch, ein Mörder, Einer, der ſchon ſeinen Eltern nach dem Leben getrachtet hat, kommt mir bos haft überall in die Quere. Gewiſſe Umſtände verhindern aber, daß ich ihn der Ge— rechtigkeit überliefere. Er iſt nämlich—— doch, wie heißt du, Freund?“
„Antoine Sourdaln.“
„Und du haſt Kinder, Sourdain?“
„Fünf, Herr.“
„Geh', geh'! fünf Kinder und keln Brod für ſie! Nun alſo, der ſchlechte Menſch, von dem ich dir ſagte— der verhärtete elternmörderiſche Böſewicht— iſt mein— eigener Bruder.— Fünf Kinder und kein Brod!— Wie ich dir ſage, mein Bruder; und um meine Angehörigen vor ewiger Schande zu ret— ten, habe ich mein eigenes Leben daran geſezt, ihn der Gerechtigkeit vor den Händen weg zu reißen. Allein er iſt ein ſo durch und durch und unverbeſſer⸗ licher gottloſer Menſch, daß ich ihn nimmermehr auf uns andere Menſchen los⸗ zulaſſen wagen möchte: Verbrechen aller Art, Verführung, Eidbruch, Eltern⸗ mord— er ſpielt nur damit.“
„Ei, ſo einen gottloſen Menſchen ſollte man ja nicht einen Augenblie fortleben laſſen! Auf'm Grund des See's läge der ja noch zu gut gebettet.“
„Ich wollte, er läge dort, Freund.“
„Oh, dafür kann bald Rath geſchafft werden, wenn's die Herren wün— ſchen. Einen Nachen hab' ich und einen Kameraden: eine ſinſtere Nacht gibt's auch; wir gehen Alle auf's Schiff, thun als ob wir halb betrunken wären.. wie leicht geſchieht da nicht ein Unglük... 2“
„Gegen den Plan habe ich nur eine Bedenklichkeit, Freund,“ bemerkte Viktor.„Es muß alſo eingerichtet werden, als ſei er uns durchgegangen: Ihr nehmt ihn dann in euern Nachen, und was ihm alsdann zuſtößt, würd ſo aus— ſehen, als habe er ſelbſt es ſich zugezogen. Er hat übrigens eine wohlgefüllte Börſe und Ihr, du und deln Kamerad, mögt denn zuſehen, daß Ihr ihn zu rechter Zeit beerbet.“ 5
„Dafür laßt uns ſorgen; dieſe Hand hat mehr als Einem auf'm Kriege feld mit der Kugelbüchſe das Lebenslicht ausgeblaſen.“
„Wo kehren die Herren ein?“
„Im„weißen Adler“ zu Eſtavoyer. Wir wollen uns nun dahin auf den Weg machen; du kommſt alſo nach. Doch halt, hier ſind zwei Franken für dich.“
„Gott vergelt' es euch!“ rief Sourdain freudetrunken bei'm Anblik der Gabe.„Ich will jezt nur geſchwind Brod für meine Kinder kaufen, dann komm' ich euch gleich mit meinem Kameraden Brutſchy nach.“
Als Viktor und Ogay in den weißen Adler kamen, fanden ſie Alexis in der gufgeregteſten Weinlaune— aug mit dez, Oheim trinkend, lachend und 2 5


