Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
247
 
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Verhältniſſe halber, dringend erfordert wurde. Jedoch mitten im Winter und allein wollte der Bräutigam die Braut nicht reiſen laſſen, er entſchloß ſich al⸗ ſo, ſo ſehr ſie aus Gründen es ab lehnte, ſie zu begleiten, und zwar, um in Betreff der Sittlichkeits⸗Ver⸗ hältniſſe keinen böſen Anſchein zu ge ben, in Geſellſchaft ſeiner Schweſter. Als die Leutchen hier anlangten, war es der Wunſch der Braut, auf dem Vach auszuſteigen und dort zu über- nachten, indem ſie bei Nacht ihrem Bruder, dem Gaſtwirthe, eben nicht gelegen kommen möchte. Am Morgen darauf rieth ſie ihrem Bräutigam und deſſen Schweſter, die Stadt zu beſe hen, während ſie einen Brief an ihren Bruder ſchreibe und ihn zu ihr her⸗ auszukommen erſuche. Kaum waren die beiden fort, ſo benüzte ſie die Gele genheit, ſtatt zu ſchreiben, die ihr ge ſchenkten Effekten und noch Geld dazu aus dem Koffer zu nehmen, und ent⸗ fernte ſich damit. Umſonſt wartete das Mittageſſen und der ungeduldige Bräu tigam, es wurde ſogar Abend und ſie kam nicht; ba glaubte der Wiener, es möchte in der Stadt etwas mit ihr vorgegangen ſein und ſie vielleicht mit ihrem Bruder Verdrießlichkeiten ge habt haben, er ging alſo ſelbſt in den Gaſthof, wo er aber mit Schreken er fuhr, daß ſeine Braut keine Tochter vom Hauſe ſei, ſondern man ſie gar nicht kenne. Ein neues Lamento kam ihm auf dem Bach entgegen, indem die Schweſter ihm berichtete, daß der Kof fer geleert ſei. Jezt fiel es ihm erſt wie Schuppen von den Augen, daß die Weibsperſon, die er zur Braut erko ren, keine reiche Erbin, ſondern eine Betiergerin ſei, die iha liſtig bis Augsburg genarrt und zugleich noch beſtohlen hatte. Er machte der Polizei die Anzeige, welcher es auch gelang, nach einigen Tagen jene Weibsperſon

aufzuſpüren. Der Wiener Braͤutigam iſt nun wieder nach Hauſe gereiſt. A. Brüſſel. Ein gewiſſer Cachet in Belgien hat lezthin einen Sprung gemacht, der alles übertrifft, was man Merkwürdiges in dieſer Art geſehen hat. Dieſer Mann ging betrunken nach Hauſe, mußte dabei über ein Bret, das am Rande eines Steinbruchs lag, glitt aus und ſtürzte über 300 F. tief hinunter. Perſonen, die ihn hat ten fallen ſehen, kamen aus der Ferne herbei, ſtiegen in den Steinbruch hinab und fanden den Mann, der bedeutend ſchnarchte. Er war nicht im minde⸗ ſten verlezt und verſicherte, als er er wachte, er erinnere ſich an nichts. B. St. Gallen. Vor einigen Wo chen fuhr ein Mann in einem kleinen Wagen mit einem Pferde in der Nacht allein von Heriſau nach St. Gallen, und kam einer Frau nach, die über große Müdigkeit klagte und der er, wenn auch nicht gern, einen Ploz ne⸗ ben ſich bewilligte. Bald aber bemerkte er zu ſeinem großen Schreken, daß die angebliche Frau einen großen Baken bart habe. Um ſich von der verdächti gen Geſellſchaft zu befreien, zog er ſein Taſchentuch heraus und ließ es geſchikt fallen. Während nun ſeine Reiſegefährtin ihm das Tuch aufhob, peitſchte er ſein Pferd mit Gewalt, und entfernte ſich ſo ſchnell, daß er nicht eingeholt werden konnte. Bei ſei ner Ankunft in St. Gallen ſah er, daß die angebliche Frau in dem Wagen ein Körbchen zurükgelaſſen hatte, in welchem ſich zwei geladene Piſtolen be fanden. D. Wien. Dem Vernehmen nach hat Se. Maj. der Kaiſer die Errich tung eines ethnographiſchen Kabinets beſchloſſen, und daſſelbe ſoll in den untern Sälen des kaiſerl. Luſtſchloſſes Belvedere eingerichtet werden. Die rei⸗