Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
243
 
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ſchafft und ſonſt Vorbereitungen zur Reiſe getroffen, wie wenn man ſie ihn wirklich hätte vornehmen laſſen wollen.

Der arme junge Mann lag indeſſen, ohne eine Ahnung des Schreklichen, was über ihn beſchloſſen worden, unter dem Holz verſtekt, das man, mit klei nen offenen Zwiſchenräumen für den Zugang der Luft, loſe rings um ihn her aufgebaut hatte. Scharf fühlte er die Schmerzen nuzloſer Reue, wie ſie die Schuld ſtechend im Gedächtniß nachläßt, und zu ihnen kamen noch die See lenängſte des Unglüklichen, der da für immer aus der Heimath ſcheiden, alle die ſanfteren Bande des Herzens gewaltſam zerreißen, hinauswandern muß und doch wie ſollte er ſich von dem Orte, der ſeine Leonore umſchloß, los reißen, wie ihr ein ewiges Lebewohl ſagen können?!

Und warum muß es denn ſo ſein? dachte er, liebt ſich mich, und gewiß ſie liebt mich innig, können da nicht meine neue Heimath auch die ihrige, meine neuen Landesgenoſſen eben ſo die ihren ſein? Ich will ſie noch einmal ſehen; ihr ſanftes Gemüth, das von keiner Schuld weiß, wird gern mit dem meinigen die Schmerzen theilen, die mir das Geſchik zuſchied.

In ſolchen Gedanken verbrachte er die langſam ſchleichenden Stunden, bald hoffend und bald wieder verzweifelnd; endlich, mit der ſinkenden Nacht, traten ſein Oheim Gavin, ſein Bruder Viktor und ſein Vetter Ogay mit ei nem Licht in den Keller und begannen das Holz wrgzuräumen. Da er nicht wußte ob die ſchweigend Eingetretenen Freunde oder Feinde waren, ſo verhielt er ſich ſtill; während ſie, im Bewußtſein ihrer ſchlechten Abſichten, eine un willkürliche Scham und Abneigung, ihn anzureden, fühlten. So erkannte er denn erſt, als er ſchon zum Theil aufgedekt war, ſeine Befreier.Wie ſteht's, Viktor? hob er aufathmend an, als er den Bruder erblikte,gib mir die Hand. Bin ich geborgen? Mit ſichtbarem Widerwillen reichte ihm Viktor die Hand und verſezte dann, nach kurzem Schweigen:Komm, Alexis, laß? uns eilen, daß wir von hier fortkommen, der geringſte Verzug droht Gefahr; dein jeziges Verſtek iſt zwar unentdekt geblieben, allein das Haus iſt heute ſchon mehrere Male durchſucht worden und alle Vorkehrungen getroffen, dich irgendwie zu greifen.

Wo iſt aber der Vater? Soll ich denn ohne ſeinen Segen fort?

Nicht doch; ohne ſeinen Segen nicht, allein

Allein was, Viktor? Scheut ſich der Vater vom Sohne Abſchied zu nehmen? Und meine Mutter?

Aber, Alexls, biſt du denn bei Troſte? Bedenke doch das Haus iſt von Spähern umſtellt ſelbſt dem Geſinde läßt ſich nicht trauen. Der näm liche triftige Grund muß dich auch beſtimmen, Leonoren nicht mehr ſprechen zu wollen. Nein, keine Widerrede! Wir retten dich aus den Klauen der Ge rechtigkeit, und das ſoll und muß geſchehen von dieſem Entſchluſſe weichen und wanken wir nicht.

Halt, Viktor. Noch bin ich Herr über mein Leben; und kann mich, wenn ich Luſt habe, den Gerichten überliefern, und eher thue ich das, ehe ich ohne ein leztes Lebewohl von Leonoren fliehe.

Nun, ich habe meine Pflicht gethan. Es hängt jezt von dir ab, ob du deiner ganzen Familie durch einen ſolchen unausführbaren Schritt unend⸗ lichen Kummer bereiten willſt. Uebrigens habe ich dein Verlangen vorhergeſehen