Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
238
 
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ſten Nourrit Statt gefunden. Man gab die Oper Armida, drei Akte der Hugenotten und das Ballet Guſtav, wobei die erſten Mitglieder aller königl. Theater mitwirkten. Die Vorſtellung war eine der glänzend ſten, die man je erlebte. Die Vorſtellung endigte gegen 1 Uhr; die Einnahme betrug 24,350 Frks. Nourrit geht zu Gaſt⸗ rollen nach Brüſſel. B.

Mignon⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. (Siebente Lieferung). Die, in dieſen Blättern kürzlich angezeigte Oper Kreutzers:die Höhle von Wawerly ging nun im Joſephſtädter Theater in die Scene. Das Buch der Oper iſt ein unausſprechlich fades, voll Län⸗ ge und Breite und Unwahrſcheinlich⸗ keit, und es iſt über die Verunſtal⸗ tung des Oehlenſchläger'ſchen Origi nals nur zu klagen. Wenn man nun das Gerippe, um welches der Kompo niſt den Melodien-, den aus Tönen gewobenen Zaubermantel zu legen hat te, verdammen muß, ſo läßt ſich doch nicht läugnen, daß Kreutzer, ein ſo gewand ter Tondichter, in dieſem Aſchenhau fen von Worten Funken von Leben zu erweken wußte. In dieſer Beziehung iſt der erſte Akt reich an Schönheiten; wir finden darin originelle Burſchen lieder; ein ſuperbes Duett und ſehr effektvolle Chöre. Der erſte Akt wurde auch am Günſtigſten aufgenommen; nach dem Zweiten regte ſich Niemand; jedoch der Schluß des dritten Aktes ſpornte Kreutzers Freunde zu neuem Beifallsſpenden. Der ſehr achtbare Komponiſt, obwohl gerufen, zeigte ſich nicht. Uebrigens hat dieſe Oper die Vorzüge und die Schönheit desNacht lagers nicht, woran wohl nur das Libretto ſchuld ſein mag; iſt indeſſen

ein neuer Beleg für Kreutzers eminen⸗ tes Talent. Bedeutend gekürzt, dürfte ſie ſich einige Zeit erhalten, denn, wie ſchon oben geſagt, an einzelnen Schönheiten fehlt es nicht. Wie ich aus guter Quelle gehört, hat Kreutzer dieſe Oper ſchon vor 6 Jahren geſchrie ben. Nun aber hat er ein neues Werk: Fridolin vollendet und jeder Kunſt⸗ freund kann der Novität mit Vergnü⸗ gen entgegenſehen. Uu ein Wort über die Darſtellung derHöhle von Wowerly zu reden, ſo bemerke ich, daß die H. H. Mellinger und Kunz gut ſangen, daß die Olles. Eder und Leeb fleißig wirkten, daß ſich Chor und Orcheſter waker hielten, daß aber die beiden Tenoriſten Alles ſein gen, nur nicht Tenoriſten. Einige Nummern wurden wiederhohlt; einer Merkwürdigkeit nicht zu vergeſſen: die Ouverture wurde nicht da capo ver langt!Griſeldis, dramatiſches Gedicht von Halm, gab Mad. Pann im Theater an der Wien zu ihrer Be⸗ nefize. Es wäre albern, Vergleiche mit der Darſtellung im Hofburgthea ter vorzunehmen; indeß Hr. Kunſt, percival, berdient diesmal Rüge für ſeine Nonchalance. Hr. Kunſt hatte nicht einmal die erſte Erzählung, die wundervoll ſchöne von der Geburt ſei ner Liebe zu Griſeldis, memorirt, und ließ den Souffleur deklamiren, ſtatt ſelber zu ſprechen. Iſt denn ein Schau⸗ ſpieler, ein ſo befähigter, wie Hr. Kunſt, nicht ſich ſelbſt Etwas ſchul dig? Mad. Pann, Griſeldis, über⸗ nahm ein kühnes Wagniß, dieſe Rolle hier zu geben; doch nicht immer ge⸗ winnt, wer wagt. Dlle. Condoruſſi gab die Königin Ginevra in entſpre⸗ chender Haltung, wie überhaupt die untergeordneten Parthien ſehr gut beſezt waren; nur Dlle. Schadetzky(0) nahm ſich als Hoffräulein(1) drollig aus. An die Szenirung wurde viel