Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
237
 
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Wahrheit. Dleſer Gamin iſt einer, wie er in einem Sekulum nur einmal zur Welt kommt. Immerhin, das Stük iſt voll Intereſſe, ungemeinen Effektes, hat in Paris außerordentliches Glük gemacht und wird allerorts gerne ge duldet werden. Es hat auch in Peſth ganz beſonders angeſprochen. Die treffli che Darſtell ung trug nicht wenig dazu bei. Mad. Grill war im Beſize der Haupt rolle und ſie war eben ſo lebendig wie dieſe gezeichnet iſt. Schalkhaftigkeit, Laune, bos hafter Muthwille und Gut müthigkeit ſind das Materiale dieſes Charakters, und dem gemäß benahm und bewegte ſich Mad. Grill.Es war ein netter Junge das, und kek und munter obendrein. Sie erhielt vielen und gerechten Beifall. Nächſt ihr iſt Hr. Berg(General Morin) zu er wähnen, der durch ſein treffliches Spiel das Publiknm zu rauſchendem Applaus ſtimmte. Hr. Dietrich(Eduard) hatte ei⸗ ne etwas ſauertöpfiſche Rolle, bewegte ſich aber mit Anſtand. Mad. Deny(Va⸗ ronin) ſpielte mit Würde und ange meſſener Grandjoſttät. Dem. Schmidt (Eliſe) war allerliebſt. Nur Hr. Poſinger (Bizot) that offenbar etwas zu viel. Am 11. gab unſere neuengagirte Sän gerin, Mad. Pohl-Beiſteiner, die El⸗ vire, in Bellinis Oper:die Puri taner zum zweiten Debut. So ſehr ibre Vorgängerin Mad. Mink durch ihre Glokentöne impontrte, ſo war doch das Publikum faſt einſtimmig der Meinung, daß dieſer Part nun bedeu tend gewonnen habe. Mad. P.⸗Vei⸗ ſteiner ſang mit Leichtigkeit und Gra zie, gewann durch ihre treffliche Me thode Herz und Gehör, und ſpielte mit Anſtand und richtigem Gefühle. Die Entree-Arie war von beſonderer Wirkung. Sie bewies nun auch ihre Vertrautheit mit dem ſerieuſen Ge ſange und erwarb ſich die glänzendſte Theilnahme. Hr. Oberhoffer iſt klaſ

ſiſch als Obriſt, und kann auf das Prädikat dramatiſcher Sänger volle Anſprüche machen. Großer Beifall. Hr. Kaler(Sir Georg) entfaltete ſeine herrliche Stimme und wirkte wie in mer eklatant. Das berühmte Duett ging exzellent. Die ganze Exequi⸗ rung der Oper gereicht unſerer Bühne zur Ehre. Am 12. war wieder eine atlethiſche Vorſtellung des Hrn. Rappo. Dieſer Künſtler leiſtete diesmal das Unglaublichſte, indem er ein lebe n diges Pferd mehrere Ellen hoch mit den Händen emporhob! Dieſe Her kules⸗ Arbeit, ſo wie andere Wunder- werke, die er, ſein Sohn und der unbegreifliche Motty(diesmal in der Maske eines Affen) ausführten, boten des Erſtaunenswerthen in Fülle dar und das ungeheuer volle Haus erdröhnte von ſtürmiſchem Applauſe. Wir ſind begierig auf die Poſſe:Siſſiphus, die eigends für Rappo und ſeinen Sohn geſchrieben wurde, und was darauf folgen wird. Tags darauf kam Bau⸗ ernfeldsBürgerlich und Romantiſch zur Aufführung, worin zwei Gäſte, Hr. Woller von Gräz und Hr. Pfeiffer von Breslau, auftraten. Die europälſch⸗ berühmte Geſangsvirtuoſin Hen ri⸗ ette Carl, die ſich erſt neulich in Warſchau und Krakau die ſchönſten Lorbern erwarb, iſt hier angekommen. Die Freunde der Kunſt verſprechen ſich wieder Hochgenüſſe. Auch Mad. Piehl-Flache, erſte Saͤngerin des Hamburger Stadttheaters, iſt bereits hier. Sie ſoll als Norma debütiren. Dem. Rauch, eine talentvolle Sänge⸗ rin aus Frankfurt, iſt ebenfalls in un⸗ ſerer Stadt. Nun fehlt noch ein tüchtiger Tenoriſt, und welche deutſche Oper in der Monarchie iſt ſo reich dotirt als die unſrige! J. M. Paris(2. April). Geſtern Abend hat in der großen Oper die Be neſizvorſtellung des berühmten Tenori

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