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gelegt habe, lleßen ſich ja heimlich in Umlauf bringen, und ſo erſchienen dann die Gavins am Ende gar als vom Schikſal verſolgte, ſtatt als mordluſtige, Andern gefährliche Leute. l a
Wie aber Alexis weggeſchafft werden ſollte, das war jezt die Frage. Falſcher Stolz iſt nicht ſelten der Vater blutiger Gedanken. Viktor, beinahe von gleichem Alter mit Alexis und einſt ſein Lleblingsſpielgenoß, verſiel auf der Stelle auf einen Anſchlag, den er, da er nur ihm allein vorzuſchweben ſchien anfänglich den Uebrigen mitzutheilen Bedenken trug; unterdeſſen be⸗ kämpfte er jeden andern Vorſchlag. Des Vaters Plan ging dahin, den un⸗. glüklichen jungen Mann nach Deutſchland zu bringen und ihm entweder eine jährliche Summe zum nöthigen Lebensunterhalt aus zuwerfen, oder ihn in Stand zu ſezen, eine freie Kunſt zu wählen. Gegen dieſen und jeden andern Plan, der ihn Herr über ſeine Handlungen bleiben ließ, wurde eingewendet, daß ihn ſeine Neigung zu Leonore Ulheim unausbleiblich nach Freiburg oder in die benachbarten Kantone zurükführen würde, wo er dann leicht feſtgenommen und wodurch dann alle ihre Sorgen und Mähen vereitelt werden mochten.
(Fortſezung folgt.)
Weite Beinkleider.
Unter der Regierung Heinrichs VIII. wurde es in England Mode, unge— heuer weite Beinkleider zu tragen, die man mit Wolle, Lumpen, Werg oder Haar ausſtopfte. Einſt erſchien ein Mann vor Gericht, der angeklagt war, verbotene Dinge in dieſen weiten Veinkleidern zu tragen, er entſchuldigte ſich aber und zog nach einander aus den Beinkleidern ein paar Betttücher, zwei Tiſchtücher, zehn Servietten, vier Hemden, eine Bürſte, ein Glas, einen Kamm, Nachtmüzen und andere Dinge, die er gewöhnlich brauchte. Im Par— lamente befand ſich rund an den Wänden herum eine Lehne zur Stüze für die, welche mit Wolle ausgefüllte Beinkleider trugen. Dieſe Lehne wurde unter Eliſabeth weggenommen, da jene Mode ver ſchwunden war.
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
buben, Berlin ſeine Ekenſteher u. ſ. w.,
Theater.
Peſth(13. April).„Der Pa⸗ riſer Taugenichts“, Luſtſp. in 4 Akt. nach dem Franz. v. Töpfer, kam am 10. d. M. zur erſten Aufführung. Ob der Pariſer„Gamin“ durch„Tauge-⸗ nichts“ oder„Straßenſunge“ eine ent⸗ ſprechendere deutſche Translation fin—⸗ det, ſtreiten ſich zwei Ueberſezer und wir glauben kaum, daß einer Recht hat, denn ſo wie Wien ſeine Schuſter—
hat Paris ſeine Gamin's u. es würde un⸗ ſerer Sprache ſchwer fallen, einen paſſen— den Ausdruk für leztere zu erfinden. So viel iſt gewiß, ſo wie der Gamin in dieſem Luſtſpiele gezeichnet iſt, er keinesweges die Pariſer Taugenichtſe, Straßenjungen oder! auch ſelbſt Gamins repräſentirt. Dieſer Charakter iſt ä u⸗ ßerſt pikant, anziehend und frappirend gezeichnet, aber er liegt durchaus nicht in dem Gebiete der Wirklichkeit und


