Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
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verwendet und dle einzelnen Dekora tionen verriethen Meiſterpinſel. Als das DramaGriſeldis auf dem Hofburgtheater erſchien, war für das Volk dieſer Kunſttempel, der höheren Eintrittspreiſe wegen, nicht leicht zu⸗ gänglich. Nun aber wird erſt dies Werk ganz publik werden; hier im Theater an der Wien werden ſelbſt die Män⸗ ner von Thury und Lerchenfeld nicht fehlen! Daß Hr. Kunſt undGri⸗ ſeldis überhaupt mit Beifall aufge nommen wurde, ließ ſich denken; das Schauſpielhaus war auch überfüllt. Geſtern, am 9., brachte die Leopold ſtädter Bühne eine neue Pantomime: Affen über Affen von Schadetzky, zu ſeiner Einnahme. Was war das? Parodie einer Parodie? Eine Heerde junger Affen produzirte ſich in Kliſch nigiaden und man muß ſagen, es iſt eine hoffnungsvolle Affenſchule gewe ſen, welche ihre Prüfung ablegte. Nur wenig Neues brachte dieſe Pantomime, wohl aber viel alte Prügelſzenen. In⸗ deß, Alles kann nicht immer gut ge rathen. Der Pantomime ging ein Luſtſpiel von Herzenskron:Die Vitt ſteller in Verwirrung voraus. Ein recht drolliges, effektvolles Stükchen! Hr. Hausmann, als Wirthſchaftsrath Hamſter, gab den verliebten Alten mit viel Wahrheit und zu allgemeiner Ergözlichkeit. Ein hieſiger Vuch händler verlegt heuer ein neues Ta ſchenbuch:Sylphide, ein Kränzchen zur Damentoilette, redigirt von Jo hann Pfeiffer. Ich ſchließe, ohne eine Gloſſe über dies neue Unternehmen zu machen. Sincerus. Buntes aus Paris. Die Promenade von Longchamp iſt, wie vo iges Jahr, ſo auch in dieſem verun glükt; es iſt traurig damit beſtellt; ſonſt war die Witterung heiterer, jezt aber hat ſich unſere Atmoſphäre ſo ver andert, daß es um dle Zeit des Mardi

gras ſchöner iſt als zu Oſtern, und daß die Sonne der Promenade des boeuf gras leuchtet, während ſie der Caval⸗ cade der eleganten Welt ihre Strah len entzieht. In Frankreich muß dieſe Unhöflichkeit der Sonne noch hoher zur Laſt gelegt werden, da ſie bekannt⸗ lich hier männlichen Geſchlechts iſt. Wie es bei der hier graſſirenden Kälte mit den neuen Sommerſtoffen ausſieht, die ſonſt eben bei der Promenade von Longchamps zum Erſtenmale ſpaziren geführt wurden, wird Ihnen Niemand zu ſagen wiſſen: denn es ſchienen gar keine vorhanden. Waren die elyſäi⸗ ſchen Felder verödet, ſo waren die Kir chen deſto beſuchter. Den Faubourg St. Germaln, der noch immer in ſeiner tiefen Trauer beharrt, ſah man auf gelöſt in Schmerz dem heiligen Amte beiwohnen. Die einzige Merkwür digkeit, die ich Ihnen in Hinſicht der Equipagen mittheilen kann, iſt unter dieſen Umſtänden nur die, daß man die Pferde mit einer Art von Firniß über⸗ zieht, um ihre Farbe zu erhöhen, und ihrem Haare einen größern Glanz zu verleihen. Die Modefarbe iſt: cou leur rat de Montfaucon, jenes Mont faucon, die Abdekerſtätte für die un⸗ geheure Hauptſtadt, das in neueſter Zeit durch das Ueberhandnehmen ſei ner Ratten ganz Paris in Allarm ver ſezte, und in ganz Europa von ſich ſprechen machte. Faſt alle Damen ſah man mit Muffen, und nur eine einzige hatte ihren prächtigen Son nenſchirm aufgeſpannt, was da die Sonne nur in langen Intervallen ſich zu ſpärlichen Strahlen herbeiließ als Merkwürdigkeit hier gemeldet zu werden verdient. Von Staub, der ſonſt die Longchampepromenade ſo unerträg lich machte, war in dieſem Jahre noch weniger als von Sonne zu bemerken, denn die Erde war mehrere Fuß tief hart gefroren. In der rue Vivien-