Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
229
 
Einzelbild herunterladen

229

franzoͤſiſchem Oienſte befindlichen Obriſten, Namens Douglas, an, der ſich itt drei handfeſten Mördern bei Nonancourt in Hinterhalt legen mußte. Vei ihrer Ankunft erkundigten ſich dieſe Männer mit ſo vieler Hize bei der Poſtmeiſte rin des Orts: ob nicht eine Chaiſe mit einem Reiſenden durchgefahren ſei, daß ſie dieſer Madame l'Hopital, einer Frau von vieler Klugheit und Ent ſchloſſenheit, verdächtig wurden. Da überdies ſchon ſich eine Nachricht von der Reiſe des Prätendenten, ſeitdem er aus Var verſchwunden war, im Lande ver breitet hatte, ſchien die Unruhe dieſer Männer, die man bald für Engländer erkannte, ihre üble Abſichten zu verrathen: auch entdekte ſich's nachher, daß es drei gemiethete Böſewichter wären, die für ihre Familien, im Fall ſie er⸗ griffen und hingerichtet würden, ſich eine Belohnung ausbedungen hatten. Die Poſtmeiſterin verſicherte ſie alſo: es ſei keine Chaiſe durchgekommen, und wenn eine käme, würde es für die Reiſenden unmöglich ſein, ohne friſche Pferde vorzulegen, weiter zu fahren. Douglas, nachdem er eine lange Zeit an der Thür gewartet, ritt darauf mit einem ſeiner Gefährten nach der bretagniſchen Heerſtraße zu, und ließ die beiden andern in dem Poſthauſe.

Madame l'Hopital, ohne einen Augenblik zu verrlieren, ſchikte ſogleich durch den Hinterhof ihres Hauſes einen Poſtillon nach dem Wege von Paris zu, die beſagte Chaiſe nach dem Hauſe einer andern Frau, die ihre Freundin war, zu bringen. Indeß der eine der Auflaurer ſich auf's Bett geworfen hatte, ſtand der Andere Schildwache an der Thäre; allein ſie trug es einem ihrer getreuen Poſtillons auf, ihm zuzutrinken, bis er berauſcht würde. Darauf ſchloß ſie die Thüre der Kammer des Eingeſchlafenen zu und ſchikte nach der Marechauſſee, welche kam und die beiden Engländer, wie ſehr ſie ſich auch auf den Schuz des Geſandten beriefen, gefangen nahm. Man antwortete ihnen: ſie müßten ſo lange in ſicherem Gewahrſam bleiben, bis ſie es bewieſen, daß ſie dem Geſandten angehörig wären. Indeſſen kam der Prätendent an, und wurde in das von Madame l'Hopital gewählte Haus gebracht, wohin ſie ſich begab, und ihm von dem Vorgefalleneu Nachricht abſtattete. Der Prinz leugnete nicht, wer er ſei, blieb aber verſtekt in Nonancourt, bis gegen die beiden andern, die vorausgeritten, Sicherheitsmaßregeln für ihn getroffen worden waren.

Douglas, der Wind davon bekam, kehrte eiligſt nach Paris zurük; und wenige Tage darauf ging der Prätendent, als ein Geiſtlicher verkleidet, aus ſeinem Verſtek⸗Orte wieder ab. Er gab der Poſtmeiſterin einen Brief an die aus England vertriebene Königin, zu der ſie nach St. Germain ging, und ſie von der ſich zugetragenen Begebenheit unterrichtete. Die Fürſtin beſchenkte die edelmüthige Frau mit ihrem Bildniſſe, und der Prätendent ſchikte ihr gleichfalls das ſeinige zu; die beſchränkten Umſtände, in denen die Mutter und der Sohn ſich befanden, verſtatteten ihnen keine größeren Erweiſe ihrer Dankbarkeit. Madame l'Hopital, zufrieden, eine gute Handlung gethan zu haben, forderte auch nicht einmal von dem Regenten die Widererſtattung der von ihr gehabten Unkoſten. Sie lebte noch zweiundzwanzig Jahre in dieſem Poſtdienſte, dem ihre Nachkommenſchaft auch nach ihr vorſteht.