Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
227
 
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dorſpringenden Hauseingangs ſtieß und ſich ziemlich bedeutend an der Stirn beſchädigte.

Alexis ſezte ſeinen Weg fort; allein Michael doppelt erbittert durch die Verlezung, die ihm ſeine eigene rachſüchtige Unbeſonnenheit zugezogen hatte und durch den Argwohn, der gehaßte Nebenbuhler gehe jezt wohl Leonoren's, in dieſer Richtung gelegenen, Wohnung zu, machte den Vorſchlag umzukeh⸗ ren, um ſeinen Grimm an ihm aus laſſen zu können. Allein ſeine Begleiter verſtanden ſich dazu nicht. Nun zog er haſtig ſeinen Arm aus den ihrigen, wünſchte ihnen gute Nacht, und ſchwur, daß er nicht ruhig ſchlafen wolle, bis er den armſeligen Geſellen derb abgezüchtigt habe. Da ſie ſein wildaufge⸗ regte Stimmung bemerkten, bemühten ſie ſich längere Zeit ihn zurükzuhal⸗ ten und beſtritten ſeinen Entſchluß, indem ſie ihm zu bedenken gaben, wie ſich ſchon andere und günſtigere Gelegenheiten finden würden; zulezt aber riß er ſich von ihnen loß, und rannte, ſeinem Feinde nach, die Straße hinab.

Unterdeſſen hatte ſich Alexis in die Rue de la Boulangerie, wohinzu

ſeine Wohnung lag, gewendet. Langſam, in Gedanken über die eben erlittene Beſchimpfung verſunken und mit dem Entſchluſſe, ſie zu rächen, wandelte er fort; drebte ſich aber, als er Fußtritte hinter ſich hörte, raſch und in dem Augenblike um, wo Michael ſeinen Regenſchirm in die Höhe hob, um damit nach ihm zu ſchlagen. Er trat hurtig zur Seite, und da er einen kleinen Degenſtok bei ſich trug, ſo riß er die Waffe heraus und hieß ſeinen Gegner ſich wohl in Acht nehmen, indem er bei'm erſten Schlage, der ihn treffe, Ge⸗ brauch davon machen würde.Fauſt gegen Fauſt, rief er,mag ich dir viel⸗ leicht nicht gewachſen ſein. Daraufhin ſündigſt du; aber, merke dir, ich laſſe mich doch dar um nicht wie einen Sklaven prügeln. Schlägſt du mich, ſo wa⸗ ſche ich, ſo wahr Gott lebt, die Schmach in deinem Blute ab.

Wer wird ſich vor dir fürchten, armſeliges Bürſchchen? ſchrie Michael:

ein ganzes Regiment ſolcher windiger Geſellen wollte ich ja mit dem Regen⸗ ſchirm da in die Flucht jagen. Nimm das und dann verſuch's! und dabei holte er mit dem Regenſchirm nach ihm aus, ſchlug aber fehl, ſtolperte und fiel. Alexis machte ſich den Unfall nicht zu Nuze, eben ſo wenig aber auch, in erheuchelter Großmuth, einen Verſuch, ihm aufzuhelfen; doch der Andere war hurtig wieder auf den Füßen, drang bizig auf ihn ein und verſezte dem Gehaßten einen heftigen Schlag in's Geſicht. Im Nu fühlte er aber auch den grimmigen Griff ſeines Rebenbuhlers an der Kehle, und ehe er ſeine überle gene Körperkraft geltend zu machen vermochte, um ihn abzuſchütteln, war ihm die Klinge bis an's Gefäß in den Leib gefahren und mit einer Verwünſchung und einem ächzenden Seufzer taumelte er leblos auf den Boden nieder.

Seln blutiges Werk vor Augen warf Alexis entſezt ſeine Waffe weg, ließ den Erſtochenen liegen und eilte nach Hauſe, wo er ſich umſonſt im Schlummer vor den Nachegeiſtern zu bergen ſuchte, die nimmer vom Todt⸗ ſchläger weichen. Am nächſten Morgen wurde der Leichnahm des Erſchlagenen im Blute ſchwimmend gefunden; und nur zu viele Umſtäude trafen zuſammen, um den Verdacht auf den Mörder zu leiten. Eben als Hr. Jacques Philippe Gavin, der Vater, in das Wohnzimmer zum Frühſtük trat, pochten zwei Gen darmen an der Thür und begehrten, ihn zu ſprechen.Weiſt ſie nur herein, ſagte er,ſie können mit mir nichts Veſonderes zu verhandeln haben. Die