Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
226
 
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ſchäft ausgefüllten, Stunden wegbringen. Nur war der Unterſchled: unter günſtigeren Verhältniſſen würde Alexis wahrſcheinlich bedeutende innere An lagen entwikelt und ſich von edleren weiterſttebenden Geſinnungen haben leiten laſſen, während ſein Nebenbuhler augenſcheinlich dazu geſchaffen war, ſich in keinem höheren, als ſeinem gegenwärtigen, Kreiſe zu bewegen.

Bei den Begegnungen, die ihre Lebensſtellung unvermeidlich mit ſich brachte, ſuchte Michael, von Neid und Eiferſucht geſtachelt, beſtändig Anlaß zu Streit mit ſeinem Nebenbuhler; indem er ihn mit unverſchämten Wize leien und boshaften Stichelreden angriff, die der Andere mit ſchneidendem, in frohlokendem und ebendeshalb doppelt erbitterndem, Spotte vergalt. Ko⸗ chend in ſolchem gegenſeitig aufgeregten Grimme brachen denn die Beiden eines Abends plözlich aus einer Geſellſchaft auf, in der ſie mehrere Stunden krin kend und rauchend beiſammen geweſen waren. Alexis ging allein und in der gereizteſten Stimmung über das freche Geſpött ſeines Nebenbuhlers fort, inner⸗ lich feſt entſchloſſen, inskünftige aus der Geſellſchaft von Leuten wegzubleiben, denen dergleichen Schauſtellungen von Unverſchämthelt und gemeinem Wize Unterhaltung gewähren konnten. Es hatte zu Anfang der Nacht geregnet ge⸗ habt; jezt aber hatte ſich die ſchwere Luftſchichte in einzelne Wölkchen zer⸗ theilt, die pfeilſchnell über die Mondenſcheibe hinzogen und ſo abwechſelnd die wunderlichen Umriſſe der ſeltſam gebauten Stadt in Dunkel hüllten und wie der hervortreten ließen. Zornglühend, wie er war, fühlte er noch keine Luſt, nach Hauſe zu gehen, ſondern trieb ſich, ohne beſtimmtes Ziel, Straße auf Straße ab; endlich aber legte ſich in der beſänftigenden Nachtkühle ſein bren⸗ nender Unmuth und er begann nun gelaſſen darüber nachzudenken, wie unklug er handelt, Geſellſchaften zu beſuchen, in denen ihn die rachſüchtige Gemüths⸗ verfaſſung eines Mannes unausbleiblich verfolgen mußte, deſſen Stolz er,

wenn auch unabſichtlich, durch ſeine begünſtigte Liebeswerbung verwundet hatte. Mit derlei Betrachtungen beſchäftigt trat er in die Rue Gauche ſo genannt, weil ſie vom Marktplaz links abzweigt war aber noch keine dreihundert Schritte weit fortgegangen, als er Michael mit zwei oder drer Begleitern herwärts kommen ſah. Sein Nebenbuhler ging, als er ihrer anſichtig wurde, in der Mitte, wechſelte aber, wie er wohl bemerkte, als ſie näher ſchritten, den Plaz, ſo daß er nun ihm zunächſt zu gehen kam. Durch dieſe Bewegung zur Behutſamkeit angeſpornt, ſchritt er unverzagt die Straße hinauf und hörte ſie bei'm Näherkommen mit verhaltenem Lachen einander zuflüſtern. Zu glei cher Zeit hielten ſie ſich ſo nahe an den Häuſermauern, daß ſie ihm den Durch weg vollkommen verſperrten, Michael aber ſah ihm ſtarr und verſchämt ins Geſicht, und ſagte, in ein gekünſteltes Gelächter aus brechend:Wer iſt denn der fahrende Ritter da, der es mit einer ganzen Bundesbrüderſchaft aufneh⸗ men will? g.

Ihr Herren, verſezte Alexis,es iſt Keiner unter euch, dem ich nicht, ſo oder ſo, bei Tage meinen Mann ſtehe; das aber iſt, dünkt mich, weder die Zeit noch der Ort, Euren Muth zu zeigen. Vier gegen Einen.

Auf dieſes traten ſie von der Häuſerwand zurük, als ob ſie ihn durch laſſen wollten. Er hatte jedoch kaum einen Schritt gethan, als Michael, ſeine Gefährten nachziehend, ſchräg hinüber der Stelle zu lief, anſtatt aber, wie er die Abſicht gehabt hatte, gegen Alexis anzurennen, wider die Eke eines