Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
225
 
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Kunst, Eleganz und Mode.

Vebuler Hebe gaug.

29. Mittwoch, 12. April. 1837.

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Das Strafhaus in Lauſanne.

Alerius Gavin und Michael Dort heim, zwei junge Leute in der katholiſchen Stadt Freiburg im Uechtlande, waren Nebenbubler in der Liebe. Leonore Ulheim, der Gegenſtand ihrer Leidenſchaft, wandte in⸗ deſſen gleich von Anfang an ihre Neigung Alexis zu und ſuchte auf alle mög⸗ liche Weiſe den ungeliebten zudringlichen Liebeswerber abzuſchreken.

Der vorgezogene Anbeter war ein zartgebauter junger Mann, mit dun⸗ keln Augen, ſchwar zem Haar und von ſchwarzbrauner Geſichtsfarbe; auffah⸗ renden, reizbaren Gemüths und mit einigem Hang zur Schwermuth; ſonſt aber von freundlichem, gefälligem Sinn und Weſen. Sein Nebenbuhler war ſein auffallendes Widerſpiel: von hohem ſehnigtem Wuchſe und von Geſundheit ſtro zend liebte er lärmende Luſt, und pflegte ſich oft im Vertrauen auf ſeine über⸗ legene Körperkraft Dinge gegen Andere herauszunehmen, die ihm, wäre er minder gefürchtet geweſen, manche Züchtigung zugezogen haben müßten. Dabel war er übrigens durchaus nicht häßlich zu nennen. Hell und blühend, mit gro⸗ ßen blauen Augen und hübſchgeſchnittenen Zügen galt er allgemein, vom Se⸗ hen, für einen Mann, der Einem wohl gefallen konnte; ſprach man dagegen mit ihm, ſo fand man ſich durch eine gewiſſe geiſtige Rohheit und eine unge⸗ ſchliffene barſche Art, wie ſie bisweilen von oberflächlichen Beobachtern mit dem herriſchen Ungeſtüm eines ſchnell erglühten Herzens verwechſelt werden, nicht eben angenehm berührt.

Da ſie Beide den mittlern Ständen Alexis war der Sohn eines Ad⸗ vokaten, Michael eines Kaufmanns angehörten, ſo trafen ſie ſich beſtändig in jenen engen geiſtleeren Kreiſen, die in kleinen Städten die ſogenannteGe ſellſchaft bilden. Keiner von ihnen hatte große geiſtige Hilfsquellen in ſich: Karten, Klatſchereien, die Flaſche und andere ärmliche Luſtermunterungen, wie ſie der große Hauſe liebt und übt, halfen die langweiligen, nicht vom Ge⸗